• 22.11.2012, 10:12:37
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Höllerer: Bäuerinnen sind das Herz des Familienbetriebes

ARGE Österreichische Bäuerinnen feiert 40-Jahr-Jubiläum in Wien

Utl.: ARGE Österreichische Bäuerinnen feiert 40-Jahr-Jubiläum in
Wien=

Wien (OTS) - "Die moderne Bäuerin versteht sich als berufstätige Frau
und Unternehmerin. Neben ihren vielfältigen Aufgaben am Hof, im
Betrieb und im Haus erschließen die Bäuerinnen zunehmend neue
Einkommensquellen. Gerade dieses unternehmerische Potenzial der
Frauen in der Land- und Forstwirtschaft sichert Arbeitsplätze und
stärkt die Wirtschaft im ländlichen Raum. Österreichs Bäuerinnen sind
heute für unsere Familienbetriebe wichtiger denn je, denn rund 40%
der österreichischen Betriebe werden bereits von ihnen geführt. Wir
erwarten uns, dass man im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP)
2014 bis 2020 daher mit einem stärkeren Fokus auf die Verbesserung
der Situation der Bäuerinnen und der Frauen im ländlichen Raum
eingeht. Vor allem ist das Ziel der Chancengleichheit von Männern und
Frauen in der kommenden Periode der GAP konsequent umzusetzen,
insbesondere im Programm Ländliche Entwicklung", erklärte
Bundesbäuerin Anna Höllerer anlässlich des Jubiläums "40 Jahre
Arbeitsgemeinschaft Österreichische Bäuerinnen".

Bäuerliche Betriebs-Managerinnen

Die Zahl der bäuerlichen Betriebsführerinnen ist in den letzten 40
Jahren deutlich gestiegen und damit einhergehend hat sich auch das
traditionelle Rollenbild der Frauen in der Landwirtschaft maßgeblich
verändert. Die moderne Bäuerin und Unternehmerin betrachtet ihre
Lebens- und Arbeitssituation heute wesentlich kritischer als früher,
weil sie sich in erster Linie als berufstätige Frau mit einem
vielfältigen Aufgabenpensum in Familie, Haushalt und Betrieb, aber
nicht mehr ausschließlich als die Ehefrau des Landwirts und
Betriebsführers sieht. Eine große Rolle spielt dabei auch ihre
Herkunft. Hier hat es in den vergangenen vier Jahrzehnten eine große
Veränderung gegeben, wie die repräsentative Fragebogen-Erhebung zur
"Situation der Bäuerinnen in Österreich" zeigt. Diese Studie wird
seit 1975 alle zehn Jahre von der ARGE Österreichische Bäuerinnen in
Auftrag gegeben und wurde 2006 vom Österreichischen Institut für
Familienforschung der Universität Wien durchgeführt.

"Obwohl in Österreich 40% der landwirtschaftlichen Betriebe von
Frauen geführt werden, sind noch wenige Bäuerinnen in den
Spitzenpositionen der entscheidenden Gremien vertreten. Da eine
moderne, effiziente Agrarpolitik und die Arbeit im Unternehmen
Bauernhof die Sicht der Frauen unbedingt brauchen, muss sich der
Frauenanteil in den Entscheidungsgremien dringend erhöhen",
unterstreicht Höllerer.

ZAM-Bildungsprojekt speziell für Bäuerinnen

Auf Initiative der ARGE Österreichische Bäuerinnen wurde im Rahmen
des Programms Ländliche Entwicklung (LE) 2007 bis 2013 ein
Bildungsprojekt entwickelt und seit 2009 auch erfolgreich umgesetzt.
Ziel dieser Initiative ZAM (Zukunftsorientierte Agrarwirtschaftliche
Motivation) ist es, die unternehmerische Kompetenz als auch
Qualifikation und Motivation von Bäuerinnen zur verstärkten Mitarbeit
in agrarischen und kommunalen Gremien, Verbänden und Vereinen zu
fördern. Höllerer: "Mit ZAM konnten wir hier einen wichtigen Schritt
setzen. Den Kursteilnehmern wird ein hohes Maß an Wissen und
Professionalität vermittelt, die sie für ihre künftige Tätigkeit in
landwirtschaftlichen, regionalen und nationalen Gremien brauchen. In
der neuen GAP-Periode hoffen wir daher auf weitere Unterstützung von
Bildungsprojekten für Bäuerinnen, um die Chancengleichheit von
Männern und Frauen vor allem auch in allen Verbänden und Gremien des
ländlichen Raumes, in der Agrarwirtschaft und der Agrarpolitik auf
Bundes-, Landes- und regionaler Ebene zu verbessern", betonte
Höllerer.

Bäuerinnen-Beruf bleibt attraktiv

Heute stammen bereits 20% der Bäuerinnen, also doppelt so viele
wie 1986, nicht mehr aus dem agrarischen Bereich, sondern haben erst
nach der Partnerwahl beziehungsweise Heirat den Bäuerinnen-Beruf
erlernt. Diese Frauen bringen Wissen auf die Bauernhöfe und davon
fließt viel in neue Ideen und Innovationen wie etwa Green Care,
Schule am Bauernhof, Urlaub am Bauernhof und in die
Direktvermarktung. All diese Betriebszweige werden von den Frauen am
Betrieb getragen. Natürlich setzt das Adaptierungen in der Bildungs-
und Interessenvertretung voraus.

Der überwiegende Teil der Bäuerinnen schätzt an ihrem Beruf und
Arbeitsumfeld vor allem die gute Vereinbarkeit von Beruf, Familie und
Haushalt, die Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit sowie die
Arbeit im Freien in der Natur und mit Tieren. Rund zwei Drittel der
Frauen in der Landwirtschaft würden wieder Bäuerin werden und keinen
anderen Beruf wählen. Höllerer: "Die moderne Bäuerin steht vor großen
Herausforderungen. So muss sie sich stets flexibel auf neue
Produktionszweige und Dienstleistungen einstellen, indem sie ihre
Erwerbs- und Einkommensstrukturen mit klaren Betriebsschwerpunkten
optimiert. Sie hat ihre Produktionsschwerpunkte mit den Märkten und
den regionalen Entwicklungskonzepten abzustimmen. Diese Anforderungen
kann sie aber nur erfüllen, wenn sie über das jeweils aktuelle,
notwendige und umfassende Wissen verfügt. Die berufliche
Qualifizierung ist also gerade für die Frauen in der Landwirtschaft
ein unabdingbares Fundament für ihre Arbeit als Unternehmerinnen."

Soziale Sicherheit für Bauernfamilien

"Mit der Schaffung der Pension und des Karenzgeldes für
Bäuerinnen, der Einführung des Pflegegeldes, 2002 mit der Einführung
des Kinderbetreuungsgeldes und schließlich 2009 mit der steuerlichen
Berücksichtigung der Kinderbetreuungskosten und der begünstigten
Selbstversicherung in der Pensionsversicherung für Zeiten der Pflege
naher Angehöriger konnten wir echte Meilensteine zur Verbesserung der
sozialen Absicherung der bäuerlichen Familien setzen. Die
Herausforderungen für die Zukunftsbewältigung sind heute in den
Bauernfamilien aber nicht weniger geworden, umso wichtiger ist daher
eine aktive Mitgestaltung der Bäuerinnen sowohl in der
Interessenvertretung als auch in der Politik", erklärte Höllerer.
(Schluss)

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