• 20.11.2012, 11:23:52
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Volkshilfe warnt: Immer mehr Menschen müssen sich entscheiden - heizen oder essen.

Zu wenig Geld für gesunde Ernährung und zumutbare Wohnverhältnisse - Zahl der Betroffenen steigt, Kluft zwischen Arm und Reich wächst.

Utl.: Zu wenig Geld für gesunde Ernährung und zumutbare
Wohnverhältnisse - Zahl der Betroffenen steigt, Kluft zwischen
Arm und Reich wächst.=

Wien (OTS) - Unter dem Titel "Leerer Kühlschrank, kalte Wohnung -
Hunger und Energiearmut in Österreich" lud die Volkshilfe anlässlich
des heutigen österreichweiten Aktionstags "Stopp Armut" zu einem
Pressehintergrundgespräch. "Explodierende Preise für Energie und
Wohnen und ständig steigende Lebensmittelpreise treiben immer mehr
Menschen in die Armut", warnt Volkshilfe Bundesgeschäftsführer Mag.
(FH) Erich Fenninger. Sozialexpertin Maga Verena Fabris präsentiert
erschütternde Zahlen: "Für 724.000 Menschen in Österreich ist
mittlerweile gesundes, gutes Essen nicht erschwinglich. Rund 313.000
Menschen in Österreich frieren in ihrer Wohnung. Für ein reiches Land
wie Österreich ist das ein Skandal."

Fenninger fordert anlässlich des Volkshilfe Aktionstags ein
Umdenken in der Politik: "Wir müssen nicht nur die Symptome der Armut
bekämpfen, sondern auch deren Ursachen. Die Volkshilfe fordert eine
adäquate monetäre Mindestsicherung, faire Löhne und flächendeckende
soziale Dienstleistungen - damit leere Kühlschränke und kalte
Wohnungen in Österreich der Vergangenheit angehören."

Hunger in Österreich - gibt es das?

Hunger verbinden wir meistens mit Ländern im Süden, weit weg von
uns. Doch auch im reichen Österreich gibt es immer mehr Menschen, die
zu wenig verdienen, um sich gute Nahrung leisten zu können. 8% der
ÖsterreicherInnen können sich aus finanziellen Gründen nicht
ausgewogen ernähren. Das heißt, sie können es sich nicht leisten,
jeden 2. Tag Fleisch, Fisch oder eine gleichwertige vegetarische
Speise zu essen. "Armut hat viele Gesichter", weiß Sozialexpertin
Verena Fabris. "Um die Wohnung zu erhalten bzw. sie warm halten zu
können, schränken sich viele Menschen am Ende des Monats beim Essen
ein."

Hohe Kosten bei Lebensmittel treffen arme Haushalte besonders

Österreich hat im Euro-Raum das vierthöchste Preisniveau für
Lebensmittel. Um 4,4% sind die Preise letztes Jahr gestiegen, im
Euro-Raum waren es im Schnitt 2,5%. Pro Monat gibt eine alleinlebende
Person in Österreich deshalb durchschnittlich 326 Euro aus, um sich
angemessen ernähren zu können. Aber nicht nur steigende
Lebensmittelpreise sind bedenklich, auch die wachsende Kluft zwischen
Arm und Reich spiegelt sich beim Umgang mit Nahrung wider. "Was sich
die einen nicht leisten können, werfen andere in den Müll", fasst
Fenninger zusammen. "Während in Österreich 96.000 Tonnen Lebensmittel
Jahr für Jahr nicht im Magen, sondern im Restmüll landen, wenden sich
immer mehr Menschen an die Volkshilfe um Lebensmittelgutscheine und
verbilligte Lebensmittel, etwa in den Sozialmärkten der Volkshilfe,
zu bekommen."

Steigende Wohn- und Energiekosten treiben in die Armutsfalle

Aber nicht nur steigende Lebensmittelpreise verschärfen die
Situation. Heizen ist immer noch jener Faktor, der einkommensschwache
Haushalte am meisten belastet. "Armutsbetroffene Haushalte zahlen
zwischen 30 und 40 Prozent mehr für die Energie als vergleichbare
"normale" Haushalte", erklärt Fabris. "Grund dafür sind Zusatzkosten
wie Mahnspesen oder die Kosten für das Ab- und Einschalten von Strom
beziehungsweise Gas. Offene Energierechnungen und Mietrückstände sind
die Hauptgründe, warum sich in Not geratene Menschen an die
Sozialberatungsstellen der Volkshilfe wenden."

Volkshilfe fordert: Wohnen und Nahrung sind Grundrechte!

"Sozialmärkte, Essensausgaben und Lebensmittelgutscheine sind
notwendig, um die Armut zu mildern, sie müssen aber durch umfassende
Maßnahmen der Armutsbekämpfung flankiert werden: durch eine adäquate
monetäre Mindestsicherung, faire Löhne und flächendeckende soziale
Dienstleistungen", betont Fenninger und gibt auch zu internationalen
Entwicklungen zu denken: "Spekulationen auf Nahrungsmittel müssen
gestoppt werden. Wir fordern kein Spiel mit dem Hunger!"

Fenninger spricht sich für flächendeckende Delogierungsprävention
und kostenlose, niederschwellige Energieberatung aus. "Die Menschen
haben ein Grundrecht auf Energie. Abschaltungen von Strom und Gas im
Winter sind inakzeptabel. Die Politik darf sich nicht der
Verantwortung entziehen, den ausreichendem Neubau von leistbaren
Wohnungen und den eigenmittelfreien Zugang zu erschwinglichem
Wohnraum zu gewährleisten." Fenninger abschließend: "Wir müssen nicht
nur die Symptome der Armut, sondern auch deren Ursachen bekämpfen -
damit kein Kühlschrank in Österreich leer bleiben muss!"

Volkshilfe Aktionstag "Stopp Armut!"

Auch der heutige Volkshilfe Aktionstag steht ganz im Zeichen des
Themas "Hunger und Energiearmut in Österreich". Haupt- und
ehrenamtliche Volkshilfe MitarbeiterInnen setzen mit zahlreichen
Straßenaktionen österreichweit ein Zeichen gegen Armut. In
Oberösterreich sorgen Volkshilfe MitarbeiterInnen als Kühlschränke
verkleidet für Wirbel in der Fußgängerzone in Linz. In der Steiermark
gibt es in der Landeshauptstadt sowie in den Bezirkshauptstädten
Straßenaktionen unter dem Motto "Die Suppe muss dicker werden". In
Niederösterreich beteiligen sich mehr als 20 Bezirke, im Burgenland
sogar alle Bezirkshauptstädte mit Straßenaktionen. Auch in den
Straßen von Bregenz, Klagenfurt und Salzburg ziehen die "Stopp Armut"
Schilder Aufmerksamkeit auf sich. In Wien verteilen MitarbeiterInnen
bei den Volkshilfe Charity-Punschständen Informationen über Armut in
Österreich.

Der Volkshilfe Aktionstag gibt einen ersten Ausblick auf die
Kampagne "Armut made in Austria", die wieder von der Agentur
young&rubicam gestaltet wurde und Anfang Dezember mit einer
Plakatierung startet.

Alle Fotos vom Volkshilfe Aktionstag 2012 finden Sie unter
www.volkshilfe.at/aktionstag und www.facebook.com/volkshilfe

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