- 20.11.2012, 11:00:35
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Intervention - Lisa Oppenheim / Agnieszka Polska
Wien (OTS) - Im Rahmen der 2007 initiierten Ausstellungsreihe
Intervention lädt das Belvedere regelmäßig zeitgenössische Künstler
ein, ortsspezifische Arbeiten in einen eigenen Kontext zur Geschichte
des Hauses zu setzen. Nach Gudrun Kampl, Brigitte Kowanz, Werner
Reiterer, Tilman Kaiser und Marianna Gartner zeigen Lisa Oppenheim
und Agnieszka Polska ab 21. November ihre von Martha Kirszenbaum
kuratierte Intervention. In einem klaren visuellen Kontrast werden
die historischen Gemälde des Museums aus einer zeitgenössischen
Position thematisiert. Gerade durch die räumliche Zweiteilung -
Oberes Belvedere und 21er Haus - schafft die Intervention einen
spannenden Diskurs zwischen den gegensätzlichen Weltbildern von
Barock und Moderne. Die Arbeiten der beiden Künstlerinnen entstanden
im Rahmen des Curator in Residence-Programms des Belvedere, das
ausgewählten Kuratoren wissenschaftliche Arbeiten zum Sammlungs- und
Forschungsschwerpunkt des Belvedere/21er Haus ermöglicht.
Sowohl die aus New York stammende Lisa Oppenheim als auch die in
Krakau lebende Agnieszka Polska arbeiten vorwiegend mit den Medien
Film und Fotografie, wobei aus ihren Werken ein gemeinsames Interesse
an der Avantgarde und an historischen Kunstpraktiken spricht. Da im
Oberen Belvedere vor allem wichtige Positionen österreichischer Maler
und Bildhauer gezeigt werden, war es das besondere kuratorische
Anliegen, für die Intervention zwei junge internationale
Künstlerinnen einzuladen, die durch andere Medien die historischen
Werke im Oberen Belvedere mit zeitgenössischen Wahrnehmungen
ergänzen.
Gegensätze Sonne und Mond sowie Barock und Moderne
Inspiriert von Werken aus der Sammlung des Belvedere umfasst Lisa
Oppenheims neue Serie Heliogramme im 21er Haus Fotogramme, die auf
dem ausdrucksstarken Symbol der Sonne basieren. Ihnen stellt
Agnieszka Polska ihren narrativ-melancholischen Animationsfilm
Eclipse im Oberen Belvedere gegenüber. Beeinflusst vom jeweiligen
Baustil der Museumsgebäude - einerseits das barocke, hell-dunkel
konnotierte Schloss, andererseits der lichtdurchflutete
Bauhauspavillon des 21er Haus - zielt die Intervention darauf ab,
durch die visuelle Gegenüberstellung von Sonne und Mond eine
Verbindung zwischen den Bauwerken herzustellen. So entstehen durch
die thematische Ausrichtung und die zweigeteilte Positionierung
spannende Berührungspunkte zwischen Barock und Moderne und ihren
konträren Welt- und Gesellschaftsbildern.
Historische Sammlung als Ausgangspunkt
Als Grundlage für die vor Ort fotografierten Druckgrafiken der
Serie Heliogramme, die an der Ostwand des 21er Haus gezeigt werden,
wählte Lisa Oppenheim Sonnenmotive aus Gemälden der historischen
Sammlung wie Egon Schieles Vier Bäume (1917) oder Anton Romakos
Italienisches Fischerkind (1870-1875) und schlug so eine Brücke zu
den zeitgenössischen Exponaten im 21er Haus. Ihre Heliogramme
verweisen auf die Macht der Sonne, zumal die Negative ihrer Bilder zu
verschiedenen Zeiten im Tageslicht belichtet werden. Je nach
Zeitpunkt variieren infolgedessen Intensität und Qualität des Lichts,
manchmal nur subtil, manchmal aber auch so drastisch, dass die
Künstlerin nicht in der Lage ist eine Belichtung vorzunehmen. Diese
Momente erscheinen auf den Druckgrafiken an der Wand dann als leere
Räume und machen eine zeitlich flüchtige Erfahrung sichtbar.
Auch Agnieszka Polska stellt mit ihrem Animationsfilm Eclipse
klare Bezüge zu Gemälden der Belvedere Sammlung her, indem sie einen
umfassenden Korpus von Gegenständen inszeniert, die aus verschiedenen
Gemälden stammen und in einem langsamen, ununterbrochenen
Kameraschwenk wiedergegeben werden. In der Ansammlung von Objekten
erkennt man ein Aquarium, ein totes Schaf und eine Hyazinthe aus
Oskar Kokoschkas Stillleben mit Hammel und Hyazinthe (1910) oder eine
Soldatenfigur und eine Muschelform aus Greta Freists Wache (1938).
Die aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissenen Bestandteile der
Sammlung und ihre Formierung in einer Animation lassen ein neues
Ensemble entstehen, das sich langsam fortbewegt und zu blau-violetten
Farbtönen verdunkelt - ähnlich einer totalen Sonnenfinsternis.
Curator in Residence
Das Curator in Residence-Programm (CIR) des Belvedere/21er Haus
richtet sich weltweit an Kuratoren, die eingeladen werden für die
Dauer von drei bis fünf Monaten im Belvedere bzw. im 21er Haus
insbesondere zu für die Sammlung des Museums relevanten Themen zu
forschen. Ziel des Programms ist die Förderung von Kuratoren bzw.
Wissenschaftlern, die zum Sammlungs- und Forschungsschwerpunkt des
Belvedere/21er Haus - österreichische Kunst vom Mittelalter bis zur
aktuellen Kunstproduktion im internationalen Kontext - arbeiten. Die
Ergebnisse des Forschungsaufenthalts werden als Vortrag, als
Präsentation im Rahmen der Internetpräsenz oder eben als Intervention
in der Sammlung der Öffentlichkeit vorgestellt. Die aus New York und
Paris stammende und international renommierte Kuratorin Martha
Kirszenbaum war im Sommer 2011 Curator in Residence des
Belvedere/21er Haus.
Eröffnung - Intervention Lisa Oppenheim / Agnieszka Polska
Dienstag, 20. November 2012
19.00 Uhr Oberes Belvedere, Prinz Eugen-Straße 27, 1030 Wien
20.30 Uhr 21er Haus, Schweizergarten, Arsenalstraße 1, 1030 Wien
Shuttleservice von 19.45 bis 20.45 Uhr
Es sprechen
Agnes Husslein-Arco, Direktorin des Belvedere
Martha Kirszenbaum, Kuratorin der Intervention
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