Falter: Zufallsfund im Fall Meischberger/ Grasser

Sachwalterin erstattete Anzeige: Verdacht auf massive Schmiergeldzahlungen durch Baukonzern Porr

Wien (OTS) - Die Wiener Wochenzeitung Falter berichtet in ihrer heute Abend erscheinenden Ausgabe über brisante neue Spuren im Fall Grasser/ Meischberger.

Die Ermittler haben einen bislang unbekannten, aber höchst brisanten Zufallsfund bei einem besachwalterten Geschäftsmann namens Anton Kallinger-Prskawetz gemacht. Er soll als Handlanger der Baufirma Porr enorme Provisionen an Grassers Trauzeuge Walter Meischberger überwiesen haben, mutmaßlich um Insiderinformationen aus der staatlichen Bundesimmobiliengesellschaft zu kaufen.
Rund 300 Aktenordner wurden ausgewertet, wie die Korruptionsstaatsanwaltschaft bestätigt.

Zu verdanken ist der Fund einer korrekten Anwältin namens Ilse Korenjak, die als Sachwalterin des Baumeisters Kallinger-Prskawetz, den Behörden in einer Anzeige nicht nur von "höchst merkwürdigen" Dingen, sondern auch von horrenden Honoraren und Schweizer Konten berichtete.

Sie forderte die enormen Provisionen von Meischberger zurück, da "keine dokumentierte Leistung" vorhanden sei. Meischberger weigert sich.

Konkret geht es um 700.000 Euro, die die Porr mittels Strohmänner an Meischberger gezahlt haben soll. Die Baufirma schnappte der BIG eine Immobilie in Wiener Nordbergstraße weg, die für die WU angekauft werden sollte.

Teile der Provision hat sodann der von Grassers eingesetzte BIG-Aufsichtsrat Ernst Plech, ein Freund Grassers, erhalten, wie Meischberger aussagte. Meischberger behauptet auch, er habe das Projekt zwei Jahre betreut. Doch in einem Telefonat stellte Meischberger Plech die Frage: "Wo woa mei Leistung?"

Auch Grasser wurde von Meischberger kontaktiert, damit dieser Gründe für die Porr-Provisionen nenne ("Recherchier im Internet!"). Anwältin Korenjak, so resümiert die Kriminalpolizei, "gab an, sie sei seit eineinhalb Jahren mit der Aufarbeitung der Vermögensverhältnisse des Kallinger-Prskawetz beschäftigt und dabei seien ihr höchst merkwürdige Dinge aufgefallen. (...) Es gäbe Verträge zwischen den Firmen von Kallinger-Prskawetz und dem Porr-Konzern, wonach dieser (...) hohe Summen vom Gewinn der Porr (..) kassierte. Sie könne sich jedoch nicht vorstellen, was Kallinger-Prskawetz als 'Ein-Mann-Firma' für solche Summen für den Porr-Konzern geleistet haben könnte. Es gäbe dabei auch Geldflüsse in die Schweiz".

Die Behörden untersuchen nun, ob die Porr ein gigantisches Schwarzgeldnetzwerk aufgebaut hat und ob Grassers Berater oder der Minister selbst davon profitierten. Die Beschuldigten bestreiten alle strafrechtlichen Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung. Der damals verantwortliche Porr-Chef Horst Pöchhacker ist heute Aufsichtsratspräsident der ÖBB und Berater von SPÖ-Infrastrukturministerin Doris Bures.

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