• 13.11.2012, 10:20:26
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Landmedizin in akuter Gefahr - Politik hat jahrelang alle Warnungen ignoriert

Hausarztstellen sind nicht mehr flächendeckend besetzbar! Der drohende Mangel ist seit Jahren bekannt. Schuld daran sind die Bedingungen, die von der Politik vorgegeben werden!

Utl.: Hausarztstellen sind nicht mehr flächendeckend besetzbar! Der
drohende Mangel ist seit Jahren bekannt. Schuld daran sind die
Bedingungen, die von der Politik vorgegeben werden!=

Wien (OTS) - Mittlerweile ist deutlich zu spüren, wovor die NÖ
Ärztekammer seit Jahren warnt: Kassenstellen für Allgemeinmedizin
sind nicht mehr flächendeckend besetzbar. "Derzeit ganz akut im
Bezirk Mistelbach: Sowohl in Wilfersdorf als auch in Ulrichskirchen
sucht man Praxisnachfolger, doch für die bisherigen Ausschreibungen
hat sich nicht einmal ein einziger Bewerber interessiert. Die
wohnortnahe Versorgung mit Medizin kippt", so Dr. Christoph Reisner,
Präsident der NÖ Ärztekammer. "Auch aus anderen Bundesländern sind
ähnliche Tendenzen bekannt, sogar in der Landeshauptstadt Salzburg."
Der Hauptgrund dafür liegt aus seiner Sicht in den
Arbeitsbedingungen für Kassenallgemeinmediziner, die mittlerweile
unzumutbar sind. "Es bleibt immer weniger Zeit für immer mehr
Patientinnen und Patienten. Die durch die Politiker zu
verantwortenden Arbeitsbedingungen sorgen beispielsweise dafür, dass
die Ärzte und Mitarbeiter in den Ordinationen mit
Bürokratieerfordernissen "zugemüllt" werden. Unsere Vorwarnungen
wurden bislang und werden weiterhin von der Politik verharmlost und
beharrlich ignoriert", so Präsident Dr. Reisner.

Die Zahlen sind bekannt, Warnungen durch Ärztekammer gab es
zuhauf

Der niederösterreichische Ärztekammerpräsident hat sogar die
Vermutung, dass diese Entwicklung bewusst von der Politik
herbeigeführt wird: "Die Zahlen sind bekannt, Warnungen von uns gab
es zuhauf. Möglicherweise sind das jedoch die ersten Schritte zur
"Reformierung" des Systems: Wo es keine Ärzte mehr gibt, da fallen
natürlich auch keine Kosten an", zeigt sich Reisner verärgert. Er
ersucht auch Gemeinde- und Regionalpolitiker, sich bei solchen
Problemen in ihren Regionen nicht an die Ärztekammer zu wenden,
sondern an ihre Kolleginnen und Kollegen Politikerinnen und Politiker
auf Landes- und Bundesebene, die als Einzige für diese Entwicklung
verantwortlich sind.
Und die Prognose für die Zukunft ist düster: "In den kommenden
zehn Jahren geht die Hälfte der derzeitigen Hausärztinnen und
Hausärzte in Pension. Dazu kommen solche Bürokratiemonster wie die
geplante ELGA, die das ärztliche Arbeiten noch weiter behindern
werden", so Präsident Dr. Reisner weiter. "Unsere Argumente werden
auch hier wie üblich nicht gehört, willfährige Journalisten mit
ebenso wenig Fachkompetenz wie Politiker helfen fleißig mit, solche
Mogelpackungen wie etwa auch die Gesundheitsreform dem Bürger zu
verkaufen."

Medizinische Kompetenz von unglaublichem Wert wird nicht
genutzt

Zum Thema Optimierung der hausärztlichen Versorgung liegt schon
lange das so genannte "Hausarzt-Modell" vor, welches den Einstieg der
Patientinnen und Patienten ins Gesundheitssystem über einen von den
Patienten frei auszuwählenden Haus- bzw. Vertrauensarzt vorsieht.
Präsident Dr. Reisner: "Alle relevanten medizinischen Informationen
könnten dort zusammenlaufen. Parallel könnte eine
Bürokratieentschlackung erfolgen, ohne Datenmonster wie ELGA. Man
müsste den Hausärzten wieder mehr medizinische Tätigkeit ermöglichen,
damit würde man sich viele unnötige, sehr teure Ambulanzbesuche
ersparen."
In der Aufwertung der hausärztlichen Tätigkeit liegt aus seiner
Sicht der Schlüssel zur Besetzbarkeit von Landpraxen: "Wen wundert's
beim derzeitigen Tätigkeitsprofil der Hausärzte? Sie und ihre
AssistentInnen arbeiten zu 80 Prozent ihrer Gesamtarbeitszeit in
Ordinationen als Krankschreiber, Verwalter, Bewilligungshelfer,
Bürokraten, Archivverwalter und Schreibkräfte. Medizinische
Kompetenz, für die man Jahrzehnte gelernt und studiert hat und in die
der Staat viele Millionen Euro investiert hat, liegt brach. Viele
europäische Länder haben das bereits begriffen und strukturieren um.
Wir sollten diese Ressourcen auch wieder nutzen, dann können wir auch
die Ordinationen wieder besetzen", so das Resümee von Präsident Dr.
Reisner.

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