- 12.11.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Nehmt endlich den Fuß von der Bremse! - von Herbert Geyer
Ursache des weltweiten Schlamassels ist die Sparpolitik in Europa
Utl.: Ursache des weltweiten Schlamassels ist die Sparpolitik in
Europa=
Wien (OTS) - Die japanische Wirtschaft ist im dritten Quartal um 0,9
Prozent geschrumpft und steht nach einem kurzen Boom durch den
Wiederaufbau nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe von 2011
wieder am Beginn einer Rezession, weil die Ergebnisse auch im vierten
Quartal "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" (die
Analysten der Nord LB stellvertretend für viele Ökonomen) negativ
sein werden (siehe S. 26).
Der IWF warnt in seinem eben erschienenen Regionalbericht über die
Wirtschaft von Nordafrika bis Zentralasien vor neuerlichen Einbrüchen
(siehe S. 10). Und der Frühindikator der OECD sieht für die meisten
Weltgegenden eine anhaltende Verflachung der Konjunktur voraus, die
zumindest noch die nächsten sechs bis neun Monate anhalten wird.
Die negativen Konjunkturmeldungen haben im Wesentlichen eine
gemeinsame Ursache: die sinkende Exportnachfrage, die ausgehend vom
schuldengeplagten Europa und den vor dem Fiscal Cliff zitternden USA
auch China und andere sonst schnell wachsende Volkswirtschaften - von
Indien bis Russland - erfasst hat.
Wirklich positive Aussichten gibt die OECD ausgerechnet dem
krisengebeutelten Griechenland, das laut Frühindikator das Schlimmste
hinter sich hat und 2013 aus der hartnäckig anhaltenden Rezession
kommt - wenn es nicht durch die über den Kern Europas hereinbrechende
Rezession nochmals nach unten gezogen wird.
Gemeinsame Ursache des weltweiten Schlamassels ist die Sparpolitik in
Europa, die dem Kontinent Kaufkraft entzieht und Investoren
entmutigt. Über den Rückgang der Exportnachfrage verbreitet sich der
Wachstumsrückgang über die Lieferantenländer in der Nachbarschaft,
über die USA, Japan und China, über die ganze Welt. Die lockere
Geldpolitik der meisten Notenbanken soll diesem Trend zwar
entgegenwirken; da aber gleichzeitig den Banken steigende
Sicherheitserfordernisse auferlegt werden, kommt das Geld nicht bei
den Kreditnehmern an.
Was immer am Tiefpunkt der Krise 2009 an Versprechungen gemacht
wurde, ist seither vergessen - von einer antizyklischen Budgetpolitik
über eine Neuordnung der Finanzmärkte bis zu einem vertieften
Zusammenhalt Europas. So dreht die Politik auch denen die Luft ab,
die - wie Deutschland, Österreich oder viele Staaten im Osten Europas
- durchaus Potenzial zum Wachsen hätten.
Hört endlich auf mit dem Wahnsinn - nehmt endlich den Fuß von der
Bremse!
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