- 11.11.2012, 19:52:46
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"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Passivität in Syrien schafft ein Refugium für Al Kaida" (Von Gil Yaron)
Ausgabe vom 12.11.2012
Utl.: Ausgabe vom 12.11.2012=
Graz (OTS) - Es ist höchste Zeit für einen entschlossenen Kurs.
Das Wochenende gab der Welt einen Vorgeschmack auf das, was
bevorsteht, wenn Syriens Bürgerkrieg weiter seinen Lauf nimmt. Allein
am Samstag flüchteten innerhalb von 24 Stunden mehr als 11.000 Syrer
in Nachbarstaaten. Offiziell sind laut Angaben der UN bereits 408.000
Syrer außer Landes geflohen, doch die wahre Zahl der Flüchtlinge ist
viel höher. Rund 37.000 Todesopfer sind seit Beginn der Unruhen im
März 2011 in Syrien zu beklagen. Nicht nur Syrer werden von dem Krieg
in Mitleidenschaft gezogen, auch die Nachbarstaaten: Im Libanon
wachsen die Spannungen zwischen den Anhängern und den Gegnern des
syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. Auch in den alawitischen
Grenzgebieten der Türkei nehmen gesellschaftliche Konflikte aufgrund
der großen Zahl sunnitischer Flüchtlinge zu und eskalieren zu einem
Guerillakrieg. Der Kampf gegen kurdische Separatisten, die im Chaos
Syriens neue Basen einrichten, erreichte in der Türkei mit dem Tod
von 43 Menschen einen neuen Höhepunkt. Und nun schoss Israels Armee
erstmals seit 1973 mit Artillerie auf Syrien, nachdem die Armee des
Regimes in vergangenen Tagen in den Golanhöhen wiederholt die
Waffenstillstandslinie verletzte.
Die Spannungen auf dem Golan sind Beispiel der neuen Gefahr, die der
arabische Frühling Israel bescherte: der Zusammenbruch von
Zentralgewalten in seiner Nachbarschaft. Syrien war zwar ein
gefährlicher, aber auch ein berechenbarer Feind, den man abschrecken
konnte. Doch nun droht dem Golan dasselbe Schicksal wie dem Badeort
Eilat am Roten Meer. Nach dem Sturz des ägyptischen Machthabers Hosni
Mubarak entglitt Kairo die Kontrolle im Sinai. Islamisten,
Drogenhändler und Schmuggler beherrschen heute Teile der Halbinsel
und nutzten sie als Ausgangsort für Attentate auf Israel. Ähnliches
befürchtet man auch auf dem Golan. Zwei Monate vor den
Parlamentswahlen kann die Regierung in Jerusalem kaum hinnehmen, dass
nach Gaza und Sinai auch den Golan zur dritten unsicheren Front
gemacht wird.
Alles zusammen zeigt: Es ist nun höchste Zeit für einen
entschlossenen Kurs in Syrien. Die bisher gewählte Option, passiv
zuzusehen wie das militärische Patt zwischen Rebellen und Regime
seinen Lauf nimmt, erweist sich zunehmend als untragbar. Sie könnte
in einer Eskalation mit überregionalen Folgen münden, von humanitären
Katastrophen, über einen NATO-Bündnisfall in der Türkei, dem Zerfall
der Nachbarstaaten bis zur Entstehung neuer Refugien für Al-Qaida.
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