• 05.11.2012, 18:30:32
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wichtigste Person der USA steht nicht zur Wahl - von Hans Weitmayr

Der US-Konsument wird entscheiden, wie sich die Zukunft entwickelt

Utl.: Der US-Konsument wird entscheiden, wie sich die Zukunft
entwickelt=

Wien (OTS) - Zugegeben, ganz ohne Einfluss ist der US-Präsident in
der Welt und in seinem eigenen Land nicht. Natürlich nicht. Doch das
wirtschaftliche Schicksal der USA - und damit des gesamten Globus -
wird weder von einem republikanischen noch einem demokratischen
Präsidenten, sondern von einer fiktiven Person abhängen: dem
US-Konsumenten.

Denn die Konjunktur der weltgrößten Volkswirtschaft wird zu einem
wesentlichen Teil von der Binnennachfrage bestimmt. Das birgt Stärken
und Schwächen. Auf der Negativseite steht, dass die Supermacht sich
nicht durch Export aus einer Krise herausarbeiten kann, wie das in
der Vergangenheit beispielsweise Schweden vorgemacht hat. Auf der
Plusseite steht jedoch, dass sich die Staaten de facto an ihrem
eigenen Schopf aus der Malaise ziehen können. Das wird insbesondere
dann wichtig, wenn es aufgrund einer globalen Krise keine starken
Zielmärkte mehr gibt, ein Herausexportieren aus der Krise also
zunehmend schwierig und irgendwann unmöglich wird - in diese Phase
treten gegenwärtig Deutschland und Österreich ein.

Was der US-Präsident in einem solchen Umfeld aber sehr wohl
unternehmen kann, ist, die Stimmung zu anzuheben, Optimismus zu
schüren. Das geht kurzfristig etwa über die Belebung oder
Instandhaltung des Jobmarktes - also beispielsweise, indem man die
eigene Autoindustrie in der Krise stützt, um so eine noch höhere
Arbeitslosigkeit mit allen bekannten Nebeneffekten zu vermeiden. Das
hat Präsident Barack Obama getan - sehr zum Missfallen des
republikanischen Herausforderers Mitt Romney, der lieber über
geordnete Insolvenzen maroder Automobilkonzerne den Weg aus der Krise
gesucht hätte. Zumindest sagt er das. Denn die Erfahrung zeigt, dass
Republikaner und Demokraten, sind sie erst im Amt, durchaus
spiegelverkehrte Politik betreiben können: Republikaner fahren
Defizite, Demokraten behalten menschenrechtlich fragwürdige
Straflager in Betrieb.

Tatsächlich hat der US-Konsument in letzter Zeit einiges korrigiert,
was er in den Boom-Jahren angestellt hat - und zwar, indem er seinen
Kreditkartenrechnungen erhöhte Beachtung schenkt: Die Verschuldung
der privaten Haushalte befindet sich folglich auf dem niedrigsten
Stand seit 2003. Das bietet ebenso Spielraum wie ein sich langsam
erholender US-Immobilienmarkt. Der nächste US-Präsident sollte sich
also vor allem darauf konzentrieren, sich nicht allzu sehr in die
Wirtschaft einzumischen, sondern die Probleme anzugehen, die in
seiner Reichweite liegen: allen voran der Haushalt der öffentlichen
Hand.

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