• 02.11.2012, 17:00:31
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"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter: "Die Zeitung ist tot - es lebe die Zeitung"

Die Medien verändern sich, aber guter Journalismus wird dabei noch wichtiger.

Utl.: Die Medien verändern sich, aber guter Journalismus wird dabei
noch wichtiger.=

Wien (OTS) - Im Internet findet man eine newspaper extinction
timeline: Eine Landkarte zeigt, wo es bald keine Zeitung mehr geben
wird. Für die USA wird das Jahr 2017 vorausgesagt, Österreich liegt
mit dem Jahr 2028 im Mittelfeld, in Argentinien sollen 2039 die
weltweit letzten Zeitungen gedruckt werden. Nun: "Prognosen sind
schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen" - ein Zitat,
das so hellen Köpfen wie Mark Twain und Winston Churchill
zugeschrieben wird. Aber wahr ist auch, dass sich die Medien seit
dem Erfolg des Internets so stark verändern wie keine andere
Branche.
Gut, dass der KURIER die obige Prognose mit leicht steigenden
Verkaufszahlen seit einiger Zeit widerlegt. Darüber hinaus wollen
wir kommende Woche zeigen, dass eine leichte Veränderung der Optik
eine Zeitung noch attraktiver macht. Die große Herausforderung aber
besteht darin, die bewährten Tugenden des Journalismus mit der
modernen Technik und verändertem Nutzungsverhalten im Medienkonsum zu
verbinden.
Ohne Medien keine Demokratie. Dieser Zusammenhang gilt immer,
gerade auch in Systemen, die sich stark verändern. Die Machthaber in
Peking wollen es nicht wahrhaben -, aber einen stabilen Wohlstand
wird es in China nur mit freier Presse geben. In Russlands plagt
sich Wladimir Putin mit Medien, die noch mutig berichten. Aber seine
Vorgänger sind gescheitert, obwohl sie mit der Parteizeitung Prawda
("Wahrheit") über Jahrzehnte Lügen verbreiten konnten.
Unser Rechtsstaat ist ohne Medien völlig unvorstellbar. In der
Kärntner Hypo-Affäre gab es nur deshalb ein Gerichtsverfahren, weil
Zeitungen auf den Skandal aufmerksam gemacht hatten. Der Staatsanwalt
hatte schon zwei Mal seine Untersuchungen eingestellt. Und gut, dass
wir den Politikern öffentlich auf die Finger schauen. Der Rohbericht
des Rechnungshofs zum Museum für angewandte Kunst wird nur deshalb
Konsequenzen haben, weil ihn der KURIER veröffentlichte.
Aber muss man Papier bedrucken, um die Demokratie zu retten? Wohl
nicht. Allerdings ist das Internet bisher kein Ersatz für eine
mediale Öffentlichkeit. Die deutsche Wochenzeitung Die Zeit - auch
sie hat steigende Verkaufszahlen - nennt das Netz ein "hysterisches
Medium". Themen werden hochgespielt und verschwinden wieder.
Journalismus aber verlangt nach Durchhaltevermögen. Dazu kommt, dass
die Macht der Bilder das Netz immer stärker beeinflusst. Viele
Zusammenhänge aber lassen sich nur mit dem geschriebenen Wort
erklären. Auf der anderen Seite profitiert die Zeitung von der
Interaktivität des Internets. Leserinnen und Leser kommentieren, oft
ergibt sich ein reger Meinungsaustausch.
Das wahre Dilemma hat der US-Computerwissenschaftler Jaron Lanier
in einem Interview mit unserer futurezone beschrieben: "Wenn
Information kostenlos ist, wird die Wirtschaft weiter schrumpfen."
Hier liegt unsere Herausforderung: Nur wenn wir gut genug sind,
können wir für unsere Arbeit weiter Geld verlangen. Und so die
newspaper extinction timeline Lügen strafen.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PKU

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