"trend": Brisantes Gutachten rund um den ehemaligen Kärntner Bundesliga-Verein

Ein Gutachten zur Insolvenz des SK Austria Kelag Kärnten wirft den Verantwortlichen grobe Fehlleistungen vor, der Ex-Vereinspräsident bezeichnet das als Lüge.

Wien (OTS) - Im Zuge des Insolvenzverfahrens rund um den Bundeligaverein SK Austria Kelag Kärnten werden nun in einem Gutachten schwere Vorwürfe erhoben, berichtet das Wirtschaftsmagazin "trend" in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe. So kam zutage, dass beim Ankauf der Bundesligalizenz vom damaligen Bundesligisten Pasching in Pasching ein eigener "Verein zur Förderung des Fußballsports" gegründet wurde, an den die Kärntner Gelder flossen. "Für die Transaktion sehe ich keinen anderen Grund, als recht kreativ eine Nicht-Besteuerung dieses faktischen Kaufpreises für die Übertragung der Lizenzen nach Klagenfurt zu erreichen", urteilt der renommierte Wirtschaftsprüfer Fritz Kleiner in seinem Gutachten im Auftrag des Masseverwalters. Von Jörg Haider veranlasst, wurden von der Hypo Alpe Adria fünf Millionen Euro Sponsorgelder an den neuen Verein ausbezahlt, doch nicht alles Geld ist, laut Kleiner, auch beim Adressaten angekommen: "Drei Millionen flossen nach Oberösterreich, 1 Million ging am 17. 7. 2007 in der Buchhaltung des Vereins ein, die restlichen 1 Million Euro konnte ich im Rechnungswesen des Vereins nicht finden..."

Im Vergleich der Gebarungen des neuen Vereins und des Vorgängerklubs FC Superfund Pasching stellte sich laut Gutachter heraus, dass der Personalaufwand binnen Jahresfrist um 790.000 Euro stieg - bei einem Einnahmeminus von 838.000 Euro. Mieten für Büros und Spielerwohnungen schlugen beim Vorgängerverein in Oberösterreich mit 90.000 Euro zu Buche, in Kärnten mit 240.000 Euro. Kleiner weist nach, dass die Aufwendungen für den Spielbetrieb von 780.000 in Oberösterreich auf 1,3 Millionen Euro in Kärnten explodierten. Und: Pasching berappte 140.000 Euro Stadionmiete, der Kärntner Verein zahlte für die Miete im neu errichteten Klagenfurter Stadion 930.000 Euro.
"Aus meiner Sicht ist es nicht angängig, Ausgaben für eine Stadionnutzung, das von der Qualität für EM-Spiele gebaut wurde, in dieser Höhe zu bezahlen", resümiert Kleiner, der auch "auffällig hohe Gehälter" für Management, Verwaltung und sportliche Leiterpositionen ausmacht und insgesamt der "hypertrophen Geldgebarung bei Personalkosten" die Schuld für den kaufmännischen Niedergang des Vereins gibt.

Widerspruch kommt vom Ex-Vereinspräsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden des SK Kelag Kärnten, Mario Canori. "Kleiner ist in höchstem Maße unfähig, die Sache mit der verschwunden Million stimmt sicher nicht", sagt der ehemalige Parteigänger Jörg Haiders und spätere FPÖ-Spitzenkandidat im "trend". Canori beschuldigt Kleiner der "Lüge". "Kleiner sagt die Unwahrheit, das ist alles ein Schwachsinn. Es stimmt nicht, dass wir überhöhte Kosten hatten. Wir lagen genau im Durchschnitt aller Bundesligavereine, der Verein wurde korrekt geführt, auch die VIP-Kosten waren nicht überhöht."
Genau diese lagen allein 2007/08 bei beachtlichen 748.504 Euro. Resultat: Schon im ersten Jahr verzeichnet der SK Austria Kelag Kärnten einen Abgang von 2,1 Millionen Euro - ein Verlust, von dem sich der Verein bis zur Insolvenz im Frühjahr 2010 nicht mehr erholen konnte.

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