• 24.10.2012, 10:45:16
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Birigt Minichmayr nimmt Martin Kusej in Schutz und schließt Rückkehr nach Wien nicht aus

Wien (OTS) - Die Schauspielerin Birgit Minichmayr, die vor einem Jahr
vom Wiener Burgtheater ans Münchner Residenztheater wechselte,
fordert Geduld für den in eine schwere Auslastungskrise geratenen
Intendanten Martin Kusej. "Man darf da nicht ungerecht sein. Die Ära
Dieter Dorn hängt dort noch immer in den Ecken, und es ist viel zu
früh, einem Intendanten nach einer Saison das Scheitern zu
attestieren. Das ist sogar eine gute Herausforderung. Ich plädiere
für einen langen Atem, wenn jemand zum ersten Mal ein Haus führt.
Auch dass man auf Bechtolf (den neuen Salzburger Schauspielchef,
Anm.) nach seiner ersten Saison so einprügelt, halte ich für
ungerecht. In so etwas muss man hineinwachsen dürfen", sagt sie in
einem Interview für die morgen erscheinende NEWS-Ausgabe.

Ihr Münchner Vertrag ende in einem Jahr, das Weitere hänge auch
von zwei noch nicht finanzierten Filmprojekten ab. "Und was Wien
betrifft: Ich spiele dort meine Vorstellungen zu Ende, aber ich
brauche das immer wieder, dass ich auf Reisen gehe, solange mich
privat noch nichts bindet. Vielleicht komme ich irgendwann ja wieder
zurück. Ich spiele ,Geschichten aus dem Wiener Wald' am
Akademietheater wahnsinnig gern, und ich genieße die Kollegen,
gerade, weil ich sie nicht mehr so oft habe. Aber als im großen Haus
der ,Struwwelpeter' abgespielt war, habe ich noch mal festgestellt,
wie einzigartig dieser Raum ist. Es gibt nichts Tolleres, als dort
auf der großen Bühne zu stehen. (...) Es gibt keine Gespräche, aber
ich bin ja nie mit apodiktischen Ansagen weggegangen. Schließlich bin
ich schon einmal aus Berlin wiedergekommen."

Birgit Minichmayr äußert sich im Interview auch zu
Zeitungsgerüchten über ihr angeblich exzessives Partyleben. "Solche
Gerüchte gehören dazu. Ich übe einen öffentlichen Beruf aus, was habe
ich mich zu beklagen? Das amüsiert mich." Und weiter: "Ich bin ein
geselliger Mensch. Man ist so aufgeladen mit Energie, nach der
Höchstkonzentration, die man sich da einen Abend lang anschafft. Da
dauert es, bis man müde wird. Das Schlimmste für mich sind
Aufführungen, wo die Kollegen nach dem Schlussvorhang nachhause
gehen. Da sitzt man dann allein in der Kantine und weiß nicht einmal,
wie es dem, mit dem man auf der Bühne gerade gespielt hat, geht."

Die Frage, ob sie je gefährdet gewesen wäre, beantwortet sie so:
"Es kann immer gefährlich werden, die Frage ist auch, ob man sich von
seinen Figuren trennen kann. Ich habe da eine klare Einstellung: Ich
weiß unmissverständlich, dass ich Birgit Minichmayr bin, wenn ich
nach der Vorstellung in die Garderobe gehe. Ich will durch meine
Erlebensfähigkeit und Vorstellungskraft die Leute verführen, die
Leute auf eine Reise mitnehmen und vor allem nicht langweilig sein.
Es ist etwas sehr Gesundes in mir, keine Sorge. Ich brauche mir
keinen Mut anzutrinken. Dieser Beruf braucht an sich Mut, und wenn
ich den nicht hätte, könnte ihn mir der Alkohol nicht verschaffen."

Zu oft gehässigen Angriffen aus dem Internet sagt sie: "Es ist
schon bemerkenswert, was Anonymität mit Menschen macht. Manche Leute
haben das Gefühl, sie hätten Verfügungsgewalt über einen, weil man in
der Öffentlichkeit steht. Ich frage mich generell, wie viel Häme und
Hässlichkeit der Mensch anderen gegenüber aufbringen kann, und mit
welcher Feigheit."

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