- 23.10.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: US-Wahl: Jetzt entscheiden Minderheiten von Herbert Geyer
Der Sieg im Duell zählt nur für den persönlichen Rekord Obamas
Utl.: Der Sieg im Duell zählt nur für den persönlichen Rekord Obamas=
Wien (OTS) - Es war ein Pflichtsieg: Unmittelbar nach dem dritten
Fernsehduell zwischen Präsident Barack Obama und Herausforderer Mitt
Romney in der Nacht auf gestern veröffentlichte der TV-Sender CBS
eine Umfrage, wonach Obama das Duell für 53 Prozent der Befragten
gewonnen hat. 24 Prozent sahen ein Unentschieden, nur 23 Prozent
empfanden Romney als Sieger.
Da die Debatte das letzte relevante bundesweite Ereignis vor der Wahl
in zwei Wochen war, ist damit der Wahlkampf im Wesentlichen gelaufen.
Jetzt interessiert nur noch das Endergebnis.
Und das ist völlig offen. Denn Obamas Pflichtsieg zählt nur noch für
seinen persönlichen Rekord. In der Debatte ging es vor allem um
außenpolitische Fragen, und die interessieren Amerikaner nur mäßig,
außerdem hatte ohnehin niemand ernsthaft daran gezweifelt, dass der
amtierende Präsident seinem Herausforderer auf diesem Gebiet
überlegen ist.
Wahlentscheidend wäre das Duell vielleicht geworden, wenn Romney sich
mit seinen Antworten aufs Glatteis begeben und sich als absoluter
Dilettant oder gar als Sicherheitsrisiko dargestellt hätte - das
vermied er allerdings geschickt, auch auf die Gefahr hin, in seinen
außenpolitischen Positionen kaum von seinem demokratischen Gegenüber
unterscheidbar zu sein. Aber, wie gesagt: Außenpolitik interessiert
die Amerikaner ohnehin nur mäßig.
In den paar Tagen bis zur Wahl konzentriert sich der Wahlkampf auf
jene immer kleiner werdenden Wählergruppen, die die Wahl noch
entscheiden können.
Bekanntlich wird der US-Präsident nicht direkt gewählt, sondern über
Wahlmänner, die von den Bundesstaaten entsandt werden. Die
Besonderheit dieses Wahlmänner-Systems ("The winner takes it all")
führt dazu, dass die Wahl nicht in den bevölkerungsreichsten
Bundesstaaten entschieden wird, in denen es bereits klare Mehrheiten
gibt (Kalifornien demokratisch, Texas republikanisch), sondern in den
zumeist eher kleinen "Swing States", in denen die Mehrheit noch
wackelt.
Politologen haben errechnet, dass nun unter den 20 Millionen
Wahlberechtigten etwa 900.000 Wähler in eben diesen Staaten über den
Wahlausgang entscheiden - in Ohio, Florida, Virginia, Iowa und New
Hampshire. Die Wahl, wer künftig der mächtigste Mann der Welt ist,
liegt letztlich in der Hand von ein paar Farmern aus dem
Mittelwesten, die nach "Obamacare" weitere Staatseinflüsse fürchten,
oder von ein paar Pensionisten in Florida, die sich eine härtere
Haltung gegenüber Kuba wünschen.
Eine nicht wirklich erfreuliche Perspektive.
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