- 22.10.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Start-ups müssen auch scheitern dürfen - von Eva Komarek
Es fehlt die gesellschaftliche Akzeptanz für Selbstständigkeit
Utl.: Es fehlt die gesellschaftliche Akzeptanz für Selbstständigkeit=
Wien (OTS) - Sie haben Pioniergeist, sind bereit, Risiken einzugehen,
mit Konventionen zu brechen und wollen lieber auf eigenen Beinen
stehen, statt in alteingesessenen Unternehmen zu arbeiten. Der
klassische Jungunternehmer, der sich noch während oder spätestens
nach der Universität mit drei, vier Gleichgesinnten in sogenannten
Co-Working Spaces zusammenrottet und ein Start-up gründet, ist in
Österreich eine rare Spezies. Kaum Privatleben, lange Arbeitstage,
wenig Geld und oft zu wenig Anerkennung sind die Bedingungen, unter
denen die jungen Entrepreneure leiden. Gründer müssen sich auf ihre
Stärken konzentrieren, ihre richtige Zielgruppe finden und
Marktnischen besetzen. Nur diejenigen, die nachvollziehbare
Problemlösungen entwickeln, haben auch eine Chance sich
durchzusetzen. Dazu gehören Managementfähigkeiten und Erfahrung.
Beides haben die meisten Gründer nicht. Doch Start-ups sind wichtig
für die Wirtschaft, denn sie treiben die Innovationen voran und
stimulieren den Wettbewerb.
Deshalb gehören sie mehr unterstützt und auch finanziell gefördert.
Gerade in Krisenzeiten und durch immer strenger werdende
Eigenkapitalvorschriften für die Banken sind die Kreditinstitute als
Finanzierer für Start-ups fast gänzlich weggefallen. Eine aktuelle
Studie, die anlässlich der Start-up-Messe "Pioneers Festival"
erstellt wurde, zeigt, dass in Österreich wenige Alternativen in
Bezug auf Start-up-Funding wie Crowdfunding oder Corporate Venturing
zur Verfügung stehen. Auch werden relativ wenig Zeit und Ressourcen
investiert, um den Unternehmergeist und unternehmerische Bildung
voranzutreiben. Erschwerend kommt hinzu, dass die Förderlandschaft
höchst unübersichtlich ist und auch steuerlich weder für Start-ups
noch für Privatinvestoren Anreize geboten werden. So ist es kaum
überraschend, dass Österreich im europäischen Vergleich schlecht
abschneidet: Während der Anteil bei Unternehmensgründungen in
Österreich nur bei acht Prozent liegt, sind es in der EU mehr als 13
Prozent. Hier gibt es dringend Handlungsbedarf.
Es fehlt die gesellschaftliche Akzeptanz für Selbstständigkeit. Wer
in Österreich scheitert, ist ewig gebrandmarkt. In den USA gehört
berufliches Scheitern zum Wirtschaftsalltag. Den Entrepreneuren wird
Respekt gezollt, weil sie es versucht haben. Investoren lassen sich
auch nicht von einem Konkurs abschrecken. Im Gegenteil, viele
bewerten das positiv, weil der Unternehmer Erfahrung gesammelt hat.
Wäre Steve Jobs ein Österreicher gewesen, hätte es Apple vielleicht
nie gegeben.
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