• 22.10.2012, 10:35:31
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Kinder gehören nicht in ein Großlager!

Initiative "Gegen Unrecht - Kinder gehören nicht ins Gefängnis!" fordert verantwortlichen Umgang mit Kinderflüchtlingen

Utl.: Initiative "Gegen Unrecht - Kinder gehören nicht ins
Gefängnis!" fordert verantwortlichen Umgang mit
Kinderflüchtlingen=

Wien (OTS) - "Kinder gehören nicht ins Gefängnis. Kinder gehören aber
genauso wenig in ein Großlager", zeigt sich die Initiative "Gegen
Unrecht-Kinder gehören nicht ins Gefängnis!" von Amnesty
International Österreich, Caritas, Diakonie und SOS-Kinderdorf
schockiert über die aktuellen Bilder und Berichte aus der
Flüchtlings-Erstaufnahmestelle in Traiskirchen. Derzeit befinden sich
dort rund 600 Kinder und Jugendliche. Darunter sind einige unter 14
Jahren, die alleine nach Österreich gekommen sind. Sie sind ohne ihre
Eltern geflüchtet, die ihnen Schutz und Orientierung geben könnten.
Und sie haben in Traiskirchen keinen geregelten Tagesablauf, keine
adäquate Betreuung, keine Möglichkeit Deutsch zu lernen oder zur
Schule zu gehen.

Anlässlich des morgigen Asylgipfels fordert die Initiative "Gegen
Unrecht" einen verantwortlichen Umgang mit Kinderflüchtlingen.
"Flüchtlingskinder dürfen nicht länger als Kinder zweiter Klasse
behandelt werden! Die verantwortlichen Politiker von Bund und
Ländern müssen einfach umsetzen, was Sie vor Jahren versprochen und
vereinbart haben! Ich wünsche mir, dass vom Neusiedlersee bis hinter
den Arlberg endlich die Flüchtlings-Quotenregelung ausnahmslos und
von allen eingehalten wird!", fordert Caritasdirektor Michael Landau.

"Hier werden Menschenrechte mit Füßen getreten", kritisiert auch
Heinz Patzelt, Generalsekretär Amnesty International Österreich.
"Österreich muss sich seiner Verantwortung für die minderjährigen
Flüchtlinge in Traiskirchen stellen. Weil sieben von neun
Bundesländern ihre Quote nicht erfüllen, sitzen Kinder und
Jugendliche derzeit in Traiskirchen in nicht geeigneten Quartieren
fest. Es ist ein menschenrechtlicher Skandal, dass mit den
Allerschwächsten ein Ping-Pong-Spiel geführt wird", so Patzelt.

"Es war ein steiniger Weg, die Kinderrechtskonvention in der
Verfassung zu verankern. Dass aber scheinbar nicht daran gedacht
wird, sie auch umzusetzen ist erschütternd", kritisiert Michael
Chalupka, Direktor der Diakonie. Die aktuelle Situation widerspreche
ganz klar der Kinderrechtskonvention, die nicht nach Nationalität
oder Aufenthaltsstatus unterscheidet. "Wir verstehen nicht, warum die
Politik in Österreich Unterschiede zwischen Kindern verschiedener
Herkunft macht. Für uns sind Kinder Kinder, und sie müssen geschützt
und versorgt werden", so der Direktor der Diakonie.

"Während meiner langen Tätigkeit für SOS-Kinderdorf, habe ich
viele Schicksale von Kindern miterlebt. In all den Jahren ist mir
noch nie ein halbes Kind untergekommen. Es darf nicht vom Pass
abhängen, wie viel Unterstützung Kinder erhalten. Braucht ein
zehnjähriges Kind aus Afghanistan nur halb so viel zu essen? Nur halb
so viel Kleidung? Nur halb so viel Begleitung und Betreuung? Nur halb
so viel Schulbildung wie ein Zehnjähriger aus Österreich? Denn
unbegleiteten Kindern werden fast ausnahmslos in ganz Österreich nur
die halben finanziellen Mittel und Ressourcen zuerkannt wie einem
österreichischen Kind, das zum Beispiel in einer Kinderwohngruppe im
SOS-Kinderdorf lebt. Es gibt kein halbes Kindeswohl! Deshalb forderte
ich: Schluss mit den halben Sachen - es ist Zeit für ganze
Lösungen!", so Christian Moser, Geschäftsführer SOS-Kinderdorf
Österreich.

Ztl: Aktuelle Situation außerhalb des Gesetzes

Die aktuelle Situation stehe außerdem im Widerspruch zum Gesetz,
betont Heinz Fronek, Experte für Kinderflüchtlinge der
asylkoordination österreich. "Unbegleitete Jugendliche unter 14
Jahren dürfen aufgrund eines Beschlusses des Koordinationsrates gar
nicht in die Erstaufnahmestelle aufgenommen werden", führt er aus.
Weiters entspreche auch die Behauptung der Verantwortlichen, dass die
Unterbringung nur für wenige Tage erfolge, nicht der Realität.
"Unsere Erhebungen haben ergeben, dass die Aufenthaltsdauer in der
Erstaufnahmestelle bei unbegleiteten Kindern extrem lange ist - im
Durchschnitt 150 Tage! Fünf Monate ohne ausreichende
sozialpädagogische Unterstützung, ohne Schulunterricht und
zusammengepfercht in überfüllten Zimmern", zitiert Fronek aus den
Erhebungen der Asylkoordination.

Im Herbst 2010 haben sich Caritas, Diakonie, SOS-Kinderdorf und
Amnesty International spontan zur Initiative "Gegen-Unrecht: Kinder
gehören nicht ins Gefängnis!" zusammengeschlossen. Die Initiative hat
Unrecht benannt, als zwei kleine Zwillingsmädchen von ihrer kranken
Mutter getrennt und brutal abgeschoben wurden. Gemeinsam mit über
116.000 Menschen und mehr als 75 Organisationen von Pfadfindern,
Kinderfreunden, der Jungen Industrie bis zu Gewerkschaftsjugend wurde
sowohl die Einführung der Kinderrechte in die Verfassung erreicht,
als auch ein humaner und rechtsstaatlichen Umgang mit Flüchtlingen
und speziell Flüchtlingskindern gefordert. Einiges konnte die
Zivilgesellschaft gemeinsam zum Positiven verändern. Aus diesem Grund
meldet sich die Initiative auch jetzt zu Wort, weil Tag für Tag
Unrecht passiert. Weil Politikerinnen und Politiker nicht halten, was
sie vielfach in ihren Sonntagsreden versprechen: Nämlich, dass Kinder
der höchste Schatz in unserer Gesellschaft sind und dass alle Kinder
gleiche Rechte verdienen.

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