- 21.10.2012, 19:24:42
- /
- OTS0051 OTW0051
"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wo der Clown jedem Professor überlegen ist" (Frido Hütter)
Ausgabe vom 22.10.2012
Utl.: Ausgabe vom 22.10.2012=
Graz (OTS) - Die TV-Duelle zwischen Barack Obama und Mitt Romney
stehen bei 1:1. Beim heutigen letzten werden beide tief in die
Trickkiste greifen, da bei diesen Anlässen Verhalten mehr zählt als
Inhalte.
Die moderne Geschichte der politischen TV-Duelle begann 1960 in den
USA. Der Republikaner Richard Nixon trat gegen den Demokraten John F.
Kennedy an. Und verlor.
Nixon hatte so ziemlich alle Regeln des Mediums Fernsehen verletzt:
Wegen einer Erkrankung war er stark abgemagert und sah im Vergleich
zu seinen offiziellen Werbefotos alt und blass aus, zumal er auch auf
Schminke verzichtet hatte und schlecht rasiert war. Dem
urlaubsbraunen, vital wirkenden Kennedy flogen die Herzen und später
auch die Stimmen zu. Dass dieser in Wahrheit schwerst rückenleidend
war, zeigte das Fernsehen nicht. Nixon indes war im Kern gesund.
Womit wir schon bei einem entscheidenden Problem dieser so ungeheuer
demokratisch wirkenden Turniere sind: Das Medium Fernsehen verlockt
seine Kunden zu unangemessener Gläubigkeit. So unter dem Motto: Ich
hab's doch mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört.
Ein Irrtum. Lügen kann man in jedem Medium. Kein Kandidat trägt zum
Beispiel das Datum seiner nächsten Kriegspläne auf der Stirne. Keiner
muss Gesetzesvorhaben ausplaudern.
In der Nacht des Berliner Mauerfalls am 9. November 1989
demonstrierte das Fernsehen seine wahre Stärke: den rasanten
Transport von Emotionen. Freudig erregte Menschenmassen, die durch
vormals undurchdringliche Checkpoints strömten. Ost- und
Westberliner, die mit Sektflaschen bewaffnet auf dem erstürmten Wall
des politischen Wahnsinns ritten. Niemand hätte all das schreibend so
intensiv erzählen können, wie die Bilder des Fernsehens es taten.
Ähnliches gilt natürlich auch für das Gegenteil. Der klügste Kopf
bringt sich im Fernsehen um seine Chancen, wenn er schweißgebadet
ist. Und sei es nur wegen des Studiolichts. Auch würde eine
Schneidezahnlücke reichen, um zum Verlierer zu werden. Und ein
kleiner Kreislaufkollaps vor der Live-Kamera würde für einen
Präsidentschaftskandidaten das Ende bedeuten, egal wie gut sein
politisches Programm ist.
Es ist bizarr, welchen Einfluss solche Winzigkeiten darauf haben, wer
die Weltmacht USA und somit auch große Teile der Welt in den nächsten
Jahren führen wird.
Im Fernsehen wird der Clown besser bezahlt als der Professor lautet
eine uralte Regel der Telekratie. Sie gilt für Showmaster ebenso wie
für Präsidentschaftskandidaten.****
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PKZ






