• 19.10.2012, 17:00:01
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"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter: "Integration: Reden wir mit Hirn und Herz"

Die Welt wird kleiner, die Bewohner werden einander eher fremd. Nur reden hilft.

Utl.: Die Welt wird kleiner, die Bewohner werden einander eher
fremd. Nur reden hilft.=

Wien (OTS) - Im deutschen Magazin Spiegel schildert in dieser Woche
ein Reporter, wie er in Kreta vor Gericht musste, weil er über
Betrügereien von Schafbauern berichtet hatte. Das wollten die
Kreter nicht auf sich sitzen lassen und klagten wegen übler Nachrede.
Die Klage wurde nach umfangreichen Untersuchungen in Deutschland und
Griechenland abgewiesen. Die Bauern erwiesen sich als guter Verlierer
und luden den Journalisten zum Grillen ein. Diese Geschichte erzählt
viel über Europa. Wir sind einander so nahegerückt, dass wir einander
schon verklagen, gleichzeitig herrscht große Sprachlosigkeit.
Das gilt aber auch für das kleine Wien. Die Ideologie der Grünen
will die Autos aus der Stadt verweisen, in der Praxis tauchen sie
halt in anderen Bezirken auf. Dort werden sie von wütenden Anwohnern
zerkratzt, vor allem, wenn sie das falsche Kennzeichen haben.
Sprachlosigkeit auch hier.
In Brüssel, wo sie Gesetze beschließen wollen, die für Heraklion
genau so gut passen sollen wie für Hermagor, sind Beamte und
Politiker zwar nicht sprachlos, aber es versteht sie kaum noch
einer. Die Kommuniqués nach den EU-Gipfeln sind etwas für Insider und
Feinspitze, und natürlich für Verbände, die sofort ihren Vorteil
suchen. Im viel beschworenen Europa der Bürger aber macht sich
bestenfalls Verwirrung breit.
So tragen die Kommuniqués nicht zur Kommunikation bei, im
Gegenteil. Es gilt der Satz von George Bernard Shaw: "Das größte
Problem bei der Kommunikation ist die Illusion, sie hätte
stattgefunden."
Und das ist das größte Problem der Politiker, egal, ob in den
Nationalstaaten oder in der EU: Sie tun so, als ob sie alles im
Griff hätten, was ihnen ohnehin keiner glaubt. Gleichzeitig verlangen
wir von ihnen, dass sie zügig entscheiden, aber wenn es schnell
gehen muss, bleibt die demokratische Abstimmung auf der Strecke.
Also muss die Europäische Union gleichzeitig effizienter und
demokratischer werden. Eine richtige Bankenaufsicht lässt sich nur
auf der Ebene EU sinnvoll organisieren, also weit weg von den
Bürgern. Dabei soll ein neuer Konvent schon bald beraten, wie die
Institutionen zugleich effizienter und demokratischer werden. Ein
beachtlicher Zielkonflikt.
Aber das Brüssler Zaudern darf uns nicht davon abhalten, unsere
eigene Umgebung zu gestalten. Im Rahmen der KURIER-Aktion "Wir
verbessern Österreich" geht es ab morgen um das heikle Thema
Integration. Da wird die Kommunikation erst recht zur Illusion, da
suchen wir noch Gemeinsamkeiten - oder wir fürchten uns vor ihnen.
Hier sind die Vorurteile ebenso zu Hause wie so manches Tabu. Fremd
sind oft nicht nur die anderen, und befremdlich so manche Reaktion.
Aber gerade Leserinnen und Leser des KURIER werden auch über
Integration mit Hirn und Herz diskutieren können.

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