- 18.10.2012, 14:44:04
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Protestmarsch Festplattenabgabe jetzt!
Künstlerinnen und Künstler demonstrierten gegen Blockadepolitik von Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer

Utl.: Künstlerinnen und Künstler demonstrierten gegen
Blockadepolitik von Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer=
Wien (OTS) - Zwischen 400 und 500 Künstlerinnen und Künstler folgten
am Mittwoch, dem 17. Oktober 2012 dem Aufruf von 27 namhaften Kunst-
und Kulturverbänden. Sie forderten bei einem Protestmarsch in der
Wiener Innenstadt die Umsetzung der Festplattenabgabe - jener Abgabe
auf Speichermedien, mit der das private Kopieren von urheberrechtlich
geschützten Musikwerken, Filmen, Büchern, bildender Kunst und
Fotografie abgegolten werden soll.
Schweigeminute vor dem ORF Funkhaus
Vom Schwarzenbergplatz ausgehend startete der Zug der
Kunstschaffenden mit Trommelwirbel. Er stoppte zunächst beim
ORF-Funkhaus in der Argentinierstraße für eine Schweigeminute. Peter
Paul Skrepek, Musiker und Mit-Organisator der Demonstration, erklärte
die Solidarität der Demonstrierenden mit den vielen engagierten
ORF-Angestellten und insbesondere mit den Freien Mitarbeitern. In der
Schweigeminute gedachte die Kundgebung der verloren gegangenen
Programmhoheit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Die einsame
Trompete von Bernhard Rabitsch
symbolisierte die Musikszene Österreichs.
Eine "Feste Platte" für die AK
Nächste Station des Protestmarsches war das Bildungszentrum der
Arbeiterkammer Wien, in der an diesem Tag die Vollversammlung der AK
stattfand. Co-Organisator und Autor Gerhard Ruiss, Kabarett-Autor
Fritz Schindlecker, Schriftstellerin Marlene Streeruwitz und der
Bildende Künstler Michael Kos erklärten ihr Unverständnis für die
Position der Arbeiterkammer gegen die Kunstschaffenden. Gerhard Ruiss
hob hervor, dass ein Protest der Künstlerinnen und Künstler vor der
Arbeiterkammer eine historische Premiere darstellt: "Wir haben noch
nie in der Geschichte der Künstler-Interessenpolitik gegen die
Arbeiterkammer demonstriert, wir stehen hier zum ersten Mal und wir
hoffen, es ist das letzte Mal. Seit 32 Jahren blockiert die
Arbeiterkammer unsere Urheberrechtsanliegen, das nehmen wir nicht
länger hin."
Eine mehrere hundert Kilo schwere "Feste Platte", eine Skulptur
von Bildhauerin Ulrike Truger, wurde als "Gastgeschenk" vor der AK
abgeladen. "Als Symbol, aber auch möglicher Verhandlungstisch", wie
Ruiss ausführte. AK-Direktor Werner Muhm trat ebenfalls an das
Mikrofon und bot den Kunstschaffenden einen konstruktiven Dialog zur
Lösung der Problematik an. Das Angebot wurde von den KünstlerInnen
und Künstlern mit Applaus angenommen. Gerhard Ruiss zweifelte nach
Abzug von der AK die Ernsthaftigkeit der Worte an: "Auf heftigen
Wunsch des AK-Direktors muss die 'Feste Platte' wieder abgeräumt
werden. Die AK ist nicht in der Lage, ein visuelles Dokument
auszuhalten, das wir hinterlassen haben." Bestätigt wurden die
Zweifel auch durch eine Aussendung der Arbeiterkammer, die
unmittelbar nach dem Protestmarsch folgte.
Festplatten für die WKO
Letzte Station des Demonstrationszuges war die Wirtschaftskammer
Österreich. Auch die WKO erhielt ein "Gastgeschenk": Ausgediente
Festplatten wurden von einem Bagger auf dem Vorplatz der WKO
abgeladen. Dort sprachen Mitglieder der WKO, der Wega-Film-Produzent
Dr. Veit Heiduschka sowie der Picus-Verleger Dr. Alexander Potyka zu
den Kunstschaffenden. Es wurde betont, dass gerade der
Wirtschaftskammer in dieser Angelegenheit eine wichtige Rolle
zukommt. Denn viele Mitglieder ihrer Sparte Elektrohandel heben die
Festplattenabgabe seit 2010 bereits ein, führen sie aber nicht an die
Kunstschaffenden ab. Mit der Aufgabe ihrer Blockade gegen diese
Pauschalvergütung könnte die Wirtschaftskammer auch die
wirtschaftliche Existenz vieler Künstlerinnen und Künstler sichern.
Der WKO wurde, ebenso wie der AK, anschließend an die Kundgebung eine
Protestnote mit einer Begleitfestplatte überreicht.
400 bis 500 Künstlerinnen beim Protestmarsch
Neben den bereits genannten Personen nahmen zahlreiche namhafte
Kunstschaffende an dem Rundgang von der Arbeiterkammer zur
Wirtschaftskammer teil: Barbara Neuwirth, Tone Fink, Horst Chmelar,
Christof Straub, Robert Schindel, Gustav Ernst, Sabine Gruber, Helmut
Peschina, Kurt Palm, Slavko Ninic, Wolfgang Dorninger, Gustav Ernst,
Heinz Rudolf Unger, Peter Gruber, Uli Soyka u.v.m.
Viele weitere unterstützten den Protestmarsch, darunter der
Schauspieler Karlheinz Hackl, der Kabarettist Alf Poier, die
Medienkünstlerin Valie Export, der Aktionskünstler Hermann Nitsch,
die Jazz-Pianistin und Sängerin Sabine Hank, der Bildende Künstler
Christian Ludwig Attersee sowie die Schriftsteller Doron Rabinovici
und Karl-Markus Gauß, die Autorin Julya Rabinowich und der
Drehbuchautor, Schriftsteller und Regisseur David Schalko.
Die Plattform der Kunst- und Kulturverbände des Protestmarschs
"Festplattenabgabe jetzt!":
Musikergilde, IG Autorinnen Autoren, Gewerkschaft GdG-KMSfB,
Berufsvereinigung der Bildenden Künstler Österreichs, ARGE
Privatverlage, Dachverband der österreichischen Filmschaffenden,
Drehbuchverband Austria, Grazer Autorinnen Autorenversammlung, GAV
Salzburg, IG World Music Austria, IGNM - Internationale Gesellschaft
für Neue Musik, Interessengemeinschaft Österreichischer
Dokumentarfilm, Kunst hat Recht, Künstlerhaus Wien, Literaturkreis
Podium, LVG-Literarische Vereinigung zur Wahrung der Urheberrechte,
Musikverleger Union Österreich, Österreichische
DialektautorInnen/Archive - Institut für Regionale Sprachen und
Kulturen, Österreichischer Komponistenbund, Österreichischer
Musikrat, Österreichischer P.E.N.-Club, OESTIG-Österreichische
Interpretengesellschaft, Presseclub Concordia,
Übersetzergemeinschaft, Verband der Bühnenverleger Österreichs,
Verband Dramatikerinnen und Dramatiker, Verband FilmRegie Österreich,
Verband unabhängiger Tonträgerproduzenten, Musikverlage und
Musikproduzenten Österreich
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