• 18.10.2012, 11:58:40
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FMMI: Überzogene Forderungen gefährden Arbeitsplätze

Knill: "Wir wollen über moderne Lösungen verhandeln"

Durchwegs waren in den letzten Jahren die
KV-Abschlüsse wesentlich höher als die gesamtwirtschaftliche
Produktivitätsveränderungen. Von 2007 bis 2011 sind die KV-Löhne und
Gehälter kumuliert um 12,4 % gestiegen. Demgegenüber bleibt die
Entwicklung der Produktivität in der Gesamtwirtschaft deutlich
zurück: Bis 2011 ist die Produktivität um 1,3 % zurückgegangen.
Inkl. der negativen Prognose (WIFO) für 2012 beträgt das Minus
kumuliert 2,2 %. Die Schere zwischen Produktivität in der
Gesamtwirtschaft und KV Abschlüssen wird heuer noch weiter aufgehen.

Utl.: Knill: "Wir wollen über moderne Lösungen verhandeln"=

Wien (OTS) - Vor der heutigen vierten Verhandlungsrunde appelliert
der Fachverband der Maschinen- und Metallwaren Industrie (FMMI)
erneut an die Arbeitnehmervertreter, am Verhandlungstisch gemeinsam
ein Beschäftigungssicherungspaket zu schnüren. Bisher konnten die
Maschinenbauer mit den Gewerkschaften keine Details des Pakets
diskutieren, das Arbeitsplätze sichern und den Unternehmen mehr
Planungssicherheit ermöglichen soll.

"Bisher hat sich alles um die Prozentschraube gedreht. Das greift
viel zu kurz: Intelligente Rahmenbedingungen sind eine
Überlebensfrage für den Standort", so FMMI-Obmann Christian Knill.
"Außerdem haben die Gewerkschaften mit ihrer Lohn- und
Gehaltsforderung die Latte so hoch gelegt, dass wir beim besten
Willen nicht drüberspringen könnten, ohne viele unserer Mitglieder in
ihrer Existenz zu gefährden. Wir haben differenzierte Erhöhungen von
bis zu 2,8 Prozent geboten. Das ist für uns bei der derzeitigen
Wirtschaftslage ein vertretbares Angebot. Verhandelt wurde mit uns
darüber aber noch nicht."

Die gute Ertragslage der Vergangenheit sei kein Argument für die
aktuellen Gewerkschaftsforderungen, so Knill weiter. Der immer wieder
genannte Produktivitätszuwachs von 6,6 % habe 2010/2011 stattgefunden
und sei ja bereits mit der KV-Anhebung für 2012 abgegolten worden.
Die Maschinenbauer, deren Mitgliedsbetriebe schon starke
Auftragsrückgänge melden, sehen eine sehr schwierige Zeit vor sich.
WIFO und Nationalbank prognostizieren für das vierte Quartal 2012 und
auch für 2013 sehr schlechte Zahlen; momentan geht man von einem
Nullwachstum aus. Während die durchschnittliche Inflation der letzten
zwölf Monate bei 2,63 % liegt, ist die gesamtwirtschaftliche
Produktivität laut WIFO im Oktober auf -0,9 % abgesackt.

Knill warnt daher vor überzogenen KV-Forderungen und Denkverboten
betreffend moderne sozialpartnerschaftliche Lösungen beim
Rahmenrecht. Gleichzeitig betont er die Wichtigkeit selbstständiger
KV-Verhandlungen mit den Gewerkschaften: "Unsere Branche ist sehr
personalintensiv, mit überdurchschnittlich hohen Lohntangenten.
Überzogene Erhöhungen bedeuten Personalabbau - das muss allen
Verantwortlichen klar sein. Denn wenn die Unternehmen weniger
verdienen, die Löhne und Gehälter aber stark angehoben werden, geht
sich die Rechnung nicht aus." Die unvermeidliche Folge wäre laut
Knill, dass Jobs verloren gingen, so wie in vielen anderen Branchen
jetzt schon. Dies wolle der FMMI ebenso verhindern wie die
Abwanderung von Unternehmen, die aufgrund der Rahmenbedingungen in
Österreich nicht mehr konkurrenzfähig wären.

Vereinbarungen für die Zukunft

Das Beschäftigungssicherungspaket des FMMI sieht vor:

- Lohnerhöhungen abhängig von der gesamtwirtschaftlichen Lage und
der wirtschaftlichen Situation der Betriebe.

- Jüngere sollen etwas länger arbeiten können und bekommen damit
eine Chance, verlässlich mehr zu verdienen. Ältere Arbeitnehmer
sollen die Möglichkeit haben zu reduzieren und so länger im
Arbeitsprozess zu bleiben. Dass das Monatseinkommen dabei nicht
absinkt, garantieren Vorrückungen und jährliche Lohnerhöhungen.
Internationale Beispiele, etwa in Skandinavien, zeigen gute
Ergebnisse.

- Bei den Guthabenstunden entspricht das derzeitige
Bandbreitenmodell nicht den Konjunkturzyklen der MMI, deren Betriebe
deshalb mehr Spielraum und Planungssicherheit brauchen, um
Arbeitsplätze zu sichern.

- Um dazu tragfähige Lösungen zu entwickeln, hat der FMMI den
Gewerkschaften vorgeschlagen, einen Expertenbeirat beizuziehen.

"Wir haben in den letzten Wochen viel darüber gehört, was wir
angeblich gefordert hätten. Tatsächlich fordern wir seit Monaten nur,
dass sich die Gewerkschaften endlich mit uns an einen Tisch setzen,
um gemeinsam intelligente Lösungen zu finden, wie wir auch in Zukunft
einer der wichtigsten Arbeitgeber Österreichs bleiben können. Wer die
Wirtschaftsseiten der Zeitungen liest, weiß, dass uns nicht mehr viel
Zeit dafür bleibt", so Knill vor der heutigen Verhandlungsrunde.

Der Fachverband MASCHINEN & METALLWAREN Industrie (FMMI) ist die
gesamtösterreichische Vertretung aller Unternehmen aus den
Industriezweigen Maschinenbau, Anlagenbau, Stahlbau und Metallwaren.
Die mittelständisch strukturierte Branche erwirtschaftete im Jahr
2011 einen Produktionswert von 36,5 Mrd. Euro und stellt mit rund
1.200 Unternehmen und etwa 120.000 Beschäftigten das Rückgrat der
industriellen Beschäftigung in Österreich dar. Der Anteil der Branche
am heimischen BIP liegt bei 6,5 Prozent.

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