- 18.10.2012, 09:04:54
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Appell von Bildungsexpert/innen: Minderjährige Asylsuchende brauchen Zugang zu Bildung!
Salcher, Badelt, Schrodt, Hengstschläger, Rollet gegen Bildungsausschluss junger Menschen
Utl.: Salcher, Badelt, Schrodt, Hengstschläger, Rollet gegen
Bildungsausschluss junger Menschen=
Wien (OTS) - In mehreren Schreiben an SOS Mitmensch fordern
prominente BildungsexpertInnen Politik und Behörden dazu auf,
minderjährigen Asylsuchenden raschestmöglich den Zugang zu Bildung zu
ermöglichen. Sie betonen die Wichtigkeit von Bildung und warnen vor
den Konsequenzen der Vernachlässigung junger Menschen. Am derzeitigen
Bildungsausschluss von jungen Asylsuchenden üben sie scharfe Kritik.
Die Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch hatte die
BildungsexpertInnen um eine Beurteilung der monatelangen
Bildungsunterbrechung der mehr als 500 Kinder und Jugendlichen, die
in der Massenasylstelle Traiskirchen festsitzen, gebeten.
Andreas Salcher (Bildungsautor und Berater): "Es sollte eigentlich
nicht darüber diskutiert werden müssen, dass minderjährige
Asylsuchende selbstverständlich sofort nach ihrer Ankunft Bildung und
Ausbildung in Österreich erhalten sollten. Kein vernünftiger Mensch -
auch kein vernünftiger Politiker - kann es gutheißen, dass Kinder und
Jugendliche für Monate keinerlei Schul- und Ausbildung erhalten. Jede
längere Bildungsunterbrechung macht es für die jungen Menschen
schwieriger, ihr Potenzial auszuschöpfen. Neugier sollte gefördert
und Wissensdurst gestillt werden. Das schafft Chancen und
Kompetenzen, die ein Gewinn sind, egal ob die Jugendlichen
schlussendlich in Österreich bleiben oder ihr Leben in einem anderen
Land fortsetzen."
Christoph Badelt (Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien):
"Bildung ist ein Menschenrecht. Bildung ist darüber hinaus die erste
Voraussetzung für soziale Integration und eine weitgehende Garantie
gegen Verarmung und sozial nachteiliges Verhalten in der Zukunft.
Gerade die (früh)kindliche Förderung spielt eine große Rolle und ist
auch ein besonderes Gebot der Chancengleichheit. Wir müssen daher
allen jungen Menschen, die in Österreich sind, die bestmögliche
Bildung zukommen lassen. Dies gilt in besonderem Ausmaß für junge
Menschen in Asylquartieren - es muss einfach trotz technischer und
praktischer Schwierigkeiten gelingen, auch für Asylwerber/inn/en ein
Bildungsangebot zu organisieren."
Heidi Schrodt (Vorsitzende der Bildungsinitiative "Bildung
Grenzenlos"): "Es ist unfassbar, bedrückend und skandalös, dass in
Österreich seit Monaten Kindern und Jugendlichen, die ohnehin bereits
ein schweres Schicksal zu tragen haben, das Recht auf Schulbildung
verweigert wird. Diese menschenverachtende Praxis ist sofort zu
beenden. Alle in der Kinderrechtskonvention festgeschriebenen Rechte
gelten uneingeschränkt auch für Flüchtlingskinder. Dafür haben auch
unsere PolitikerInnen zu sorgen. Eine Schande, dass das nicht
selbstverständlich erfolgt."
Markus Hengstschläger (Genetiker, Autor und Vorsitzender der
Bildungskommission von Vizekanzler Spindelegger): ""Ein Talent hat
jeder Mensch, nur gehört zumeist das Licht der Bildung dazu, um es
aufzufinden." hat Peter Rosegger gesagt. Es will mir nicht
einleuchten warum das Licht der Bildung in Österreich nicht auf
minderjährige Flüchtlinge scheint. Das wäre im Sinne dieser jungen
Menschen und unseres Landes."
Ilse Rollet (Schuldirektorin): "Es ist eine Schande für ein
reiches Land wie Österreich, dass flüchtende Kinder und jugendliche
unbegleitete Flüchtlinge auf sich allein gestellt im Flüchtlingslager
Traiskirchen ausharren müssen, sich kein Jugendamt verantwortlich um
diese kümmert und ihnen oftmals sogar der gewünschte Schulbesuch
verwehrt wird. So kommt zur Traumatisierung durch Vertreibung und
Flucht die nächste Traumatisierung durch die österreichische
Bürokratie."
"Mit jedem Tag, an dem wissbegierige junge Asylsuchende keinen
Zugang zu Bildung haben, laden sowohl das für die Asylstelle
Traiskirchen zuständige Innenministerium als auch die säumigen
Bundesländer schwere Schuld auf sich. Die Bildungsblockade gehört
beseitigt, und zwar umgehend", fordert SOS Mitmensch-Sprecher
Alexander Pollak.
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