- 17.10.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der gefährlichste Kontrahent Obamas - von Hans Weitmayr
Der hohe Benzinpreis lässt sich erklären, aber nicht wegargumentieren
Utl.: Der hohe Benzinpreis lässt sich erklären, aber nicht
wegargumentieren=
Wien (OTS) - Die zweite Wahldebatte ist geschlagen. Die meisten
Kommentatoren - zumindest die, die halbwegs unparteiisch sind -
sahen diesmal den US-Präsidenten deutlich vorne. Wahrscheinlich
hatten diese noch im Kopf, wie schlecht sich der Amtsinhaber während
des ersten Streitgesprächs geschlagen hatte. Blendet man aber diese
Leistungssteigerung aus, bleibt an der wirtschaftlichen
Argumentationsfront, wenn überhaupt, nur ein hauchdünner Sieg von
Barack Obama.
Besonders schädlich war für den Präsidenten die Frage nach dem
Benzinpreis und der damit verbundenen Kostensteigerung des täglichen
Lebens. Sind die vier Dollar, die die Gallone jetzt kostet "The New
Normal", hieß die Frage. Und: Hat die Regierung vor, etwas gegen
diesen Preis zu unternehmen? Obama gab in der Folge viele gute und
intellektuell nachvollziehbare Antworten, was die Bevölkerung aber
hören wollte, sagte er nicht: Dass er, als US-Präsident den
Benzinpreis wieder auf 1,86 US-$ drücken würde - also das Niveau, das
zu Amtsantritt des Präsidenten erzielt wurde -, ganz egal ob er ein
Dekret erlassen oder ein Platoon Marines ins Hauptquartier von Exxon
schicken müsse.
Stattdessen erklärte Obama, wieder richtigerweise, dass der damals
niedrige Benzinpreis auf die damals miserable wirtschaftliche Lage
zurückzuführen sei, hohe Energie- und Kraftstoffpreise in der Regel
ein Zeichen für wirtschaftliche Stärke seien.
Obamas Problem: Das interessiert wirklich niemanden. Der
US-Mittelschicht geht es tendenziell schlechter als vor vier Jahren,
die Amerikaner haben als Nation das Gefühl, sie seien wirtschaftlich
wie auch geopolitisch auf dem absteigenden Ast, und in dieser
Situation ist ausgerechnet auch noch Benzin - eines der wichtigsten
Symbole amerikanischer Freiheit - mehr als doppelt so teuer wie vor
vier Jahren.
Der hohe Spritpreis ist Obamas gefährlichster Kontrahent, der Gegner
mit der meisten Publicity. An jeder Zapfsäule, an jeder
überdimensionierten, nach Aufmerksamkeit heischenden Preistafel
brüllt der Preis den Wählern entgegen, wie hoch er wieder ist. Und er
ist weiter im Steigen. Ausgerechnet jetzt, in der heißesten Phase des
Wahlkampfes haben die Treibstoffkosten am meisten zu der im September
um 0,4 Prozent gestiegenen Teuerung beigetragen.
Das Rennen um die Präsidentschaft ist offen wie nie - obwohl Barack
Obama die zweite Debatte gewonnen hat. Solange die Amerikaner aber
das Gefühl haben, mit Obama in vier Jahren noch schlechter dazustehen
als jetzt, kann das Rennen jederzeit zugunsten des Herausforderers
Mitt Romney kippen.
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