WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der gefährlichste Kontrahent Obamas - von Hans Weitmayr

Der hohe Benzinpreis lässt sich erklären, aber nicht wegargumentieren

Wien (OTS) - Die zweite Wahldebatte ist geschlagen. Die meisten Kommentatoren - zumindest die, die halbwegs unparteiisch sind -sahen diesmal den US-Präsidenten deutlich vorne. Wahrscheinlich hatten diese noch im Kopf, wie schlecht sich der Amtsinhaber während des ersten Streitgesprächs geschlagen hatte. Blendet man aber diese Leistungssteigerung aus, bleibt an der wirtschaftlichen Argumentationsfront, wenn überhaupt, nur ein hauchdünner Sieg von Barack Obama.

Besonders schädlich war für den Präsidenten die Frage nach dem Benzinpreis und der damit verbundenen Kostensteigerung des täglichen Lebens. Sind die vier Dollar, die die Gallone jetzt kostet "The New Normal", hieß die Frage. Und: Hat die Regierung vor, etwas gegen diesen Preis zu unternehmen? Obama gab in der Folge viele gute und intellektuell nachvollziehbare Antworten, was die Bevölkerung aber hören wollte, sagte er nicht: Dass er, als US-Präsident den Benzinpreis wieder auf 1,86 US-$ drücken würde - also das Niveau, das zu Amtsantritt des Präsidenten erzielt wurde -, ganz egal ob er ein Dekret erlassen oder ein Platoon Marines ins Hauptquartier von Exxon schicken müsse.

Stattdessen erklärte Obama, wieder richtigerweise, dass der damals niedrige Benzinpreis auf die damals miserable wirtschaftliche Lage zurückzuführen sei, hohe Energie- und Kraftstoffpreise in der Regel ein Zeichen für wirtschaftliche Stärke seien.

Obamas Problem: Das interessiert wirklich niemanden. Der US-Mittelschicht geht es tendenziell schlechter als vor vier Jahren, die Amerikaner haben als Nation das Gefühl, sie seien wirtschaftlich wie auch geopolitisch auf dem absteigenden Ast, und in dieser Situation ist ausgerechnet auch noch Benzin - eines der wichtigsten Symbole amerikanischer Freiheit - mehr als doppelt so teuer wie vor vier Jahren.

Der hohe Spritpreis ist Obamas gefährlichster Kontrahent, der Gegner mit der meisten Publicity. An jeder Zapfsäule, an jeder überdimensionierten, nach Aufmerksamkeit heischenden Preistafel brüllt der Preis den Wählern entgegen, wie hoch er wieder ist. Und er ist weiter im Steigen. Ausgerechnet jetzt, in der heißesten Phase des Wahlkampfes haben die Treibstoffkosten am meisten zu der im September um 0,4 Prozent gestiegenen Teuerung beigetragen.

Das Rennen um die Präsidentschaft ist offen wie nie - obwohl Barack Obama die zweite Debatte gewonnen hat. Solange die Amerikaner aber das Gefühl haben, mit Obama in vier Jahren noch schlechter dazustehen als jetzt, kann das Rennen jederzeit zugunsten des Herausforderers Mitt Romney kippen.

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