"kreuz und quer" am 16. Oktober: "Experimente nach Ignatius - Jesuit werden oder nicht" und "Der Charme Allahs"

Wien (OTS) - "kreuz und quer" - präsentiert von Christoph Riedl -zeigt am Dienstag, dem 16. Oktober 2012, um 22.30 Uhr in ORF 2 Julia Wallnöfers Dokumentation "Experimente nach Ignatius - Jesuit werden oder nicht", in der sie zwei junge Novizen bei ihren Experimenten begleitet. Um 23.00 folgt mit "Der Charme Allahs" ein Film von Christian Rathner über Motive einer existenziellen Reise.

"Experimente nach Ignatius - Jesuit werden oder nicht" - eine Dokumentation von Julia Wallnöfer

Ein Leben im Jesuitenorden bedeutet, überall auf der Welt frei verfügbar zu sein und seine eigenen Bedürfnisse zurückzustellen. Ein Leben in Armut, Keuschheit und Gehorsam, der Verzicht auf eine eigene Familie. Kein leichter Lebensweg. Und keine leichte Entscheidung für junge Männer, die Jesuiten werden wollen. Die Dokumentation begleitet den 22-jährigen Thomas Seissl und den 32-jährigen Stefan Hofmann bei ihrer Ausbildung. Erstmals konnte dabei ein Kamerateam nicht nur das Leben im Noviziatshaus, sondern auch die sogenannten "Experimente" filmen, bei denen die jungen Männer z. B. in Krankenhäusern oder beim Pilgern ohne Geld ganz konkrete Aufgaben erfüllen müssen.

Bereits der Ordensgründer, der heilige Ignatius von Loyola, hat die Experimente im 16. Jahrhundert für die angehenden Jesuiten vorgeschrieben und den Sinn so erklärt, "dass der Novize sich zeigen kann, wie er wirklich ist, dass er lernt in Demut einfache Dienste zu tun und Gott immer mehr in allen Dingen zu finden". Nach fünfzehn Monaten Studium und Gebet im Noviziatshaus in Nürnberg und neun Monaten in den verschiedensten "Experimenten" stellt sich für die Kandidaten die entscheidende Frage: Sollen sie die Gelübde ablegen, also Armut, Gehorsam und Keuschheit versprechen oder nicht? Dabei macht eine Besonderheit des Jesuitenordens die Sache nicht leichter:
Die ersten Gelübde gelten nämlich bereits als ewiges Versprechen.

Dass es heutzutage für junge Männer immer schwieriger wird, ein Leben als Ordensmann überhaupt in Betracht zu ziehen, erlebt der Novizenmeister Pater Josef Maureder tagtäglich: "Eines der schwersten Dinge in der heutigen Zeit ist die ganze Frage der ehelosen Keuschheit. Das ist ganz normal, weil die Männer, die hier herkommen ganz normale Leute sind." Fünf vorgeschriebene "Experimente" geben den jungen Männern die Chance, in der Praxis ganz konkret zu erfahren, wie dieses Leben denn ausschauen könnte.

Thomas Seissl macht beim Dienst im Krankenhaus seine erste Grenzerfahrung: "Für mich war die Grenze überschritten, als es für mich ein Problem geworden ist, immer wieder mit diesem Schicksal der Patienten und dem Leid konfrontiert zu werden." Für Stefan Hofmann stellen hingegen die dreißigtägigen Exerzitien im Schweigen, eine intensive Zeit der inneren Einkehr, die größte Herausforderung dar:
"Mit den eigenen Schwächen konfrontiert zu sein und da nicht ausweichen zu können. Man kann da nicht einfach ins Internet gehen oder sich ablenken. Da hat es für mich alle Höhen und Tiefen gegeben, emotional, die der Mensch so durchleben kann."

Auch die weiteren Experimente führen die beiden Novizen in extreme Situationen. Thomas Seissl wird auf eine dreißigtägige Pilgerreise ohne Geld geschickt, und Stefan Hofmann muss im Sterbehospiz Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten. Seelische und körperliche Belastungsproben, die immer wieder die Frage nach der eigenen Berufung aufwerfen. Während Thomas Seissl allerdings noch ein Jahr Zeit hat, bevor er sich entscheiden muss, ob er die ewigen Gelübde ablegen will oder nicht, sind es für Stefan Hofmann bereits die letzten Wochen im Noviziat. Wird er am Ende Ja sagen und sich für immer an den Jesuitenorden binden?

"Der Charme Allahs - Warum Menschen zum Islam wechseln" - ein Film von Christian Rathner

Der Islam hat in Europa kein gutes Image. Trotzdem wählen ihn Menschen als ihre Religion. Warum? Der Islam scheint vielen Europäerinnen fern und fremd, eine Religion der Wüstenvölker und Migranten. Dabei kann es durchaus sein, dass sich morgen die Nachbarin, der Verwandte, der Freund oder die Berufskollegin entscheiden, Muslimin oder Muslim zu werden. Denn gar nicht so wenige Menschen erliegen dem Charme einer Religion, die sich zugutehält, ein gutes Stück einfacher zu sein als das Christentum: Sie kennt keine Dreifaltigkeit, keinen Sohn und keine Mutter Gottes, keine Erbsündenlehre. Die Dokumentation fragt nach bei Menschen, die den Schritt gemacht haben und sich heute als Muslime verstehen.

Muhammad Ismail Suk, ein früherer Diskothekenbetreiber in der Wiener Innenstadt, gab sein Geschäft auf, ging für drei Jahre nach Pakistan und geht heute in pakistanischem Gewand durch die Straßen Wiens. Als überzeugter Muslim hat er einen Kindergarten gegründet, der muslimischen Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund die Integration erleichtern soll. Christine Osman ist Schneiderin in St. Georgen/Gusen im oberösterreichischen Mühlviertel. Nach Gesprächen mit ihrem Mann, einem Ägypter, ist sie schon vor 33 Jahren zum Islam konvertiert. Die beste Entscheidung ihres Lebens, sagt sie heute. Auch die Grazer Juristin Astrid Gschiel kam über ihren Mann zum Islam. Jetzt studiert sie aber aus eigenem Antrieb den Koran und lernt Arabisch. Kopftuch, Kleidungsvorschriften und die in ihrer Moschee gelebte Geschlechtertrennung kommen ihr sehr entgegen. Sie genießt das Zusammensein mit gleichgesinnten Frauen.

Alexandra Wolski war früher Katholikin, ihr Mann Baruch Wolski ist in einer säkularen jüdischen Familie aufgewachsen. Beide sind zum Islam konvertiert. Die Wolskis sehen den Koran vor allem als Unterstützung für ihr antirassistisches Engagement und ihren Einsatz für soziale Gerechtigkeit.
Der frühere deutsche Botschafter Murad W. Hofmann, Autor zahlreicher Bücher über den Islam, solidarisierte sich im Algerien-Krieg mit den Muslimen des Landes. Außerdem begeisterte er sich für islamische Kunst und islamische Philosophie. Am Ende hatte er sich so mit der Religion auseinandergesetzt, dass er sich entschloss, "über den Zaun zu springen".

Das Leben der einen geht weiter wie bisher, das der anderen stellt sich durch die Konversion grundlegend um. Wie es nicht den einen Islam gibt, gibt es auch nicht die eine Konversion. Baruch Wolski spricht überhaupt lieber von "Muslims by choice", Muslimen aus Wahl und Entscheidung. Denn auch geborene Muslime müssten sich irgendwann entscheiden, den Islam zu leben oder nicht. Konvertiten wechseln die Religion, nicht die Kultur. Sie bleiben Europäer. Dadurch kommt ihnen eine wichtige Funktion zu: "Wir sind Brückenbauer", sagt Muhammad Suk - Brückenbauer zwischen Zuwanderern und Einheimischen, zwischen Muslimen und Nichtmuslimen. Die Musik zum Film stammt von Yusuf Islam (Cat Stevens) und seiner CD "Another Cup".

"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und steht als zeitnahe Servicewiederholung am Mittwoch im Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und Information.

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