• 15.10.2012, 12:30:46
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"kreuz und quer" am 16. Oktober: "Experimente nach Ignatius - Jesuit werden oder nicht" und "Der Charme Allahs"

Wien (OTS) - "kreuz und quer" - präsentiert von Christoph Riedl -
zeigt am Dienstag, dem 16. Oktober 2012, um 22.30 Uhr in ORF 2 Julia
Wallnöfers Dokumentation "Experimente nach Ignatius - Jesuit werden
oder nicht", in der sie zwei junge Novizen bei ihren Experimenten
begleitet. Um 23.00 folgt mit "Der Charme Allahs" ein Film von
Christian Rathner über Motive einer existenziellen Reise.

"Experimente nach Ignatius - Jesuit werden oder nicht" - eine
Dokumentation von Julia Wallnöfer

Ein Leben im Jesuitenorden bedeutet, überall auf der Welt frei
verfügbar zu sein und seine eigenen Bedürfnisse zurückzustellen. Ein
Leben in Armut, Keuschheit und Gehorsam, der Verzicht auf eine eigene
Familie. Kein leichter Lebensweg. Und keine leichte Entscheidung für
junge Männer, die Jesuiten werden wollen. Die Dokumentation begleitet
den 22-jährigen Thomas Seissl und den 32-jährigen Stefan Hofmann bei
ihrer Ausbildung. Erstmals konnte dabei ein Kamerateam nicht nur das
Leben im Noviziatshaus, sondern auch die sogenannten "Experimente"
filmen, bei denen die jungen Männer z. B. in Krankenhäusern oder beim
Pilgern ohne Geld ganz konkrete Aufgaben erfüllen müssen.

Bereits der Ordensgründer, der heilige Ignatius von Loyola, hat die
Experimente im 16. Jahrhundert für die angehenden Jesuiten
vorgeschrieben und den Sinn so erklärt, "dass der Novize sich zeigen
kann, wie er wirklich ist, dass er lernt in Demut einfache Dienste zu
tun und Gott immer mehr in allen Dingen zu finden". Nach fünfzehn
Monaten Studium und Gebet im Noviziatshaus in Nürnberg und neun
Monaten in den verschiedensten "Experimenten" stellt sich für die
Kandidaten die entscheidende Frage: Sollen sie die Gelübde ablegen,
also Armut, Gehorsam und Keuschheit versprechen oder nicht? Dabei
macht eine Besonderheit des Jesuitenordens die Sache nicht leichter:
Die ersten Gelübde gelten nämlich bereits als ewiges Versprechen.

Dass es heutzutage für junge Männer immer schwieriger wird, ein Leben
als Ordensmann überhaupt in Betracht zu ziehen, erlebt der
Novizenmeister Pater Josef Maureder tagtäglich: "Eines der schwersten
Dinge in der heutigen Zeit ist die ganze Frage der ehelosen
Keuschheit. Das ist ganz normal, weil die Männer, die hier herkommen
ganz normale Leute sind." Fünf vorgeschriebene "Experimente" geben
den jungen Männern die Chance, in der Praxis ganz konkret zu
erfahren, wie dieses Leben denn ausschauen könnte.

Thomas Seissl macht beim Dienst im Krankenhaus seine erste
Grenzerfahrung: "Für mich war die Grenze überschritten, als es für
mich ein Problem geworden ist, immer wieder mit diesem Schicksal der
Patienten und dem Leid konfrontiert zu werden." Für Stefan Hofmann
stellen hingegen die dreißigtägigen Exerzitien im Schweigen, eine
intensive Zeit der inneren Einkehr, die größte Herausforderung dar:
"Mit den eigenen Schwächen konfrontiert zu sein und da nicht
ausweichen zu können. Man kann da nicht einfach ins Internet gehen
oder sich ablenken. Da hat es für mich alle Höhen und Tiefen gegeben,
emotional, die der Mensch so durchleben kann."

Auch die weiteren Experimente führen die beiden Novizen in extreme
Situationen. Thomas Seissl wird auf eine dreißigtägige Pilgerreise
ohne Geld geschickt, und Stefan Hofmann muss im Sterbehospiz Menschen
auf ihrem letzten Weg begleiten. Seelische und körperliche
Belastungsproben, die immer wieder die Frage nach der eigenen
Berufung aufwerfen. Während Thomas Seissl allerdings noch ein Jahr
Zeit hat, bevor er sich entscheiden muss, ob er die ewigen Gelübde
ablegen will oder nicht, sind es für Stefan Hofmann bereits die
letzten Wochen im Noviziat. Wird er am Ende Ja sagen und sich für
immer an den Jesuitenorden binden?

"Der Charme Allahs - Warum Menschen zum Islam wechseln" - ein Film
von Christian Rathner

Der Islam hat in Europa kein gutes Image. Trotzdem wählen ihn
Menschen als ihre Religion. Warum? Der Islam scheint vielen
Europäerinnen fern und fremd, eine Religion der Wüstenvölker und
Migranten. Dabei kann es durchaus sein, dass sich morgen die
Nachbarin, der Verwandte, der Freund oder die Berufskollegin
entscheiden, Muslimin oder Muslim zu werden. Denn gar nicht so wenige
Menschen erliegen dem Charme einer Religion, die sich zugutehält, ein
gutes Stück einfacher zu sein als das Christentum: Sie kennt keine
Dreifaltigkeit, keinen Sohn und keine Mutter Gottes, keine
Erbsündenlehre. Die Dokumentation fragt nach bei Menschen, die den
Schritt gemacht haben und sich heute als Muslime verstehen.

Muhammad Ismail Suk, ein früherer Diskothekenbetreiber in der Wiener
Innenstadt, gab sein Geschäft auf, ging für drei Jahre nach Pakistan
und geht heute in pakistanischem Gewand durch die Straßen Wiens. Als
überzeugter Muslim hat er einen Kindergarten gegründet, der
muslimischen Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund die
Integration erleichtern soll. Christine Osman ist Schneiderin in St.
Georgen/Gusen im oberösterreichischen Mühlviertel. Nach Gesprächen
mit ihrem Mann, einem Ägypter, ist sie schon vor 33 Jahren zum Islam
konvertiert. Die beste Entscheidung ihres Lebens, sagt sie heute.
Auch die Grazer Juristin Astrid Gschiel kam über ihren Mann zum
Islam. Jetzt studiert sie aber aus eigenem Antrieb den Koran und
lernt Arabisch. Kopftuch, Kleidungsvorschriften und die in ihrer
Moschee gelebte Geschlechtertrennung kommen ihr sehr entgegen. Sie
genießt das Zusammensein mit gleichgesinnten Frauen.

Alexandra Wolski war früher Katholikin, ihr Mann Baruch Wolski ist in
einer säkularen jüdischen Familie aufgewachsen. Beide sind zum Islam
konvertiert. Die Wolskis sehen den Koran vor allem als Unterstützung
für ihr antirassistisches Engagement und ihren Einsatz für soziale
Gerechtigkeit.
Der frühere deutsche Botschafter Murad W. Hofmann, Autor zahlreicher
Bücher über den Islam, solidarisierte sich im Algerien-Krieg mit den
Muslimen des Landes. Außerdem begeisterte er sich für islamische
Kunst und islamische Philosophie. Am Ende hatte er sich so mit der
Religion auseinandergesetzt, dass er sich entschloss, "über den Zaun
zu springen".

Das Leben der einen geht weiter wie bisher, das der anderen stellt
sich durch die Konversion grundlegend um. Wie es nicht den einen
Islam gibt, gibt es auch nicht die eine Konversion. Baruch Wolski
spricht überhaupt lieber von "Muslims by choice", Muslimen aus Wahl
und Entscheidung. Denn auch geborene Muslime müssten sich irgendwann
entscheiden, den Islam zu leben oder nicht. Konvertiten wechseln die
Religion, nicht die Kultur. Sie bleiben Europäer. Dadurch kommt ihnen
eine wichtige Funktion zu: "Wir sind Brückenbauer", sagt Muhammad Suk
- Brückenbauer zwischen Zuwanderern und Einheimischen, zwischen
Muslimen und Nichtmuslimen. Die Musik zum Film stammt von Yusuf Islam
(Cat Stevens) und seiner CD "Another Cup".

"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der
Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand
abrufbar und steht als zeitnahe Servicewiederholung am Mittwoch im
Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und Information.

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