Höllerer: Lebensmittel nicht verschwenden!

Bäuerinnen-Aktionstage zum Motto: Nachhaltig. Genießen - Lebensmittel sind kostbar

Wien (OTS) - Österreichs Bäuerinnen werden rund um den Welternährungstag (16.10.) in allen Bundesländern Aktionen durchführen, um die Wertigkeit als auch den sorgsamen Umgang mit Lebensmitteln in der Öffentlichkeit zu thematisieren. Im Mittelpunkt stehen dabei Strategien und Maßnahmen gegen die Lebensmittelverschwendung. Hier sind alle Partner in der Wertschöpfungskette - Landwirtschaft, Verarbeiter, Handel und Konsumenten - gefordert. In den Industriestaaten landen jährlich rund 220 Mio. t genießbare Lebensmittel im Müll. Eine ungeheure Verschwendung von Ressourcen und vor allem auch eine enorme Belastung für Umwelt und Klima. Zum Thema Lebensmittelverschwendung hat die ARGE Bäuerinnen auch eine Petition an das Europaparlament eingebracht.

"In den EU-Mitgliedstaaten landen jährlich rund 89 Mio. t Lebensmittel im Abfall. Gleichzeitig leben aber fast 79 Mio. Bürger unterhalb der Armutsgrenze und 16 Mio. sind auf soziale Unterstützung angewiesen. In unserer Petition an das Europaparlament fordern wir die Entwicklung von wirksamen Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmitteln im Abfall sowie die Vorlage einer Strategie, die EU-weit einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmittel fördert. Vielen Verbrauchern fehlt ganz einfach der Bezug zur Erzeugung unserer Nahrungsmittel und somit auch ihrer Wertschätzung. Genau da wollen wir ansetzen und auch heuer wieder im Rahmen der Bäuerinnen-Herbstaktionen mit den unterschiedlichsten Veranstaltungen und Aktionen informieren", erläutert Anna Höllerer, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Österreichische Bäuerinnen in der LK Österreich, die Hintergründe und Zielsetzungen der bundesweit durchgeführten Bäuerinnen-Herbstaktionen.

Österreichs Bäuerinnen werden bei ihren unterschiedlichsten Veranstaltungen speziell das Thema Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsfrist aufgreifen und die Unterschiede diskutieren. Ziel ist es aufzuzeigen, wie man verhindern kann, dass ein genießbares Lebensmittel im Müll landet. Das Wegwerfen von Lebensmitteln hat weitreichende ökologische, gesellschaftliche und ökonomische Folgen. Schließlich benötigen sie in der Produktion viele Ressourcen wie Wasser, Boden, menschliche Arbeitskraft, Energie und Rohstoffe. Die Aufwendungen in allen Stufen der Wertschöpfungskette sind allerdings vergeblich investiert, wenn das Lebensmittel am Ende entsorgt wird. Gezielte Maßnahmen gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln sind daher entlang der gesamten Wertschöpfungskette umzusetzen.

"An einer Verbesserung der Situation kann jedes Mitglied der Gesellschaft beitragen. Dies beginnt beim eigenen Einkauf und reicht vom eigenen Essverhalten bis hin zu den Gewohnheiten der Entsorgung. Ziel ist es, diese Zusammenhänge der Gesellschaft bewusst zu machen und Handlungsoptionen zu entwickeln. Dies wären etwa bedarfsgerechtes Einkaufen von Haushalten, verbesserte Bestellsysteme zwischen Produzenten und Handel, variable Portionsgrößen in der Gastronomie und schließlich auch die Unterscheidung zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und Verbrauchsdatum. Letzteres ist heuer auch Informationsschwerpunkt unserer Herbstaktion. Wir wollen aufzeigen, dass Lebensmittel auch nach dem Ablauf des MHD grundsätzlich noch genießbar sein können und nicht automatisch in den Abfallkübel gehören. Besser ist es, wenn die Konsumenten wieder lernen, auf ihre Sinne zu vertrauen. Sieht das Produkt noch gut aus, riecht es so wie es riechen soll und schmeckt es gut, dann kann es ohne Weiteres noch verzehrt werden. Hinzu kommt, dass der Konsument durch die richtige Lagerung von Lebensmitteln die Haltbarkeit eben verlängern beziehungsweise durch falsche Lagerung erheblich verkürzen kann", erklärt Höllerer.

Wichtiger Unterschied: Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsfrist

"Wenn man nun Lebensmittel und ihre Genussfähigkeit betrachtet, muss man sich fragen, warum in den zivilisierten Ländern so viele genießbare Lebensmittel im Müll zu finden sind? Ein wichtiger Teilaspekt im Umgang mit Lebensmitteln ist die Unterscheidung zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und der Verbrauchsfrist", so die Vorsitzende der heimischen Bäuerinnen.

Mindesthaltbarkeitsdatum: Durch das MHD erfährt der Verbraucher, bis wann der Hersteller des Lebensmittels garantiert, dass es seine spezifischen Eigenschaften behält. Das heißt, das Lebensmittel ist bei richtiger Lagerung mindestens bis zum MHD garantiert in Ordnung. Die Lebensmittel sind auch nach dem Ablauf des MHD grundsätzlich noch in Ordnung. Der Verbraucher kann selbst - ohne Analyse im Labor -prüfen, ob das Lebensmittel einwandfrei, bereits verdorben oder für den Verzehr ungeeignet ist.

Verbrauchsfrist: Die Verbrauchsfrist ist jene Frist, bis zu dem ein Lebensmittel verbraucht werden soll. Lebensmittel die leicht verderblich sind, müssen mit einer Verbrauchsfrist versehen sein. Leicht verderblich sind rohes Faschiertes, Frischfleisch, frische Fische, rohes Geflügel, Knochen, Rohmilch oder Rohrahm. Rohe Bratwürste, Geflügel, frischer Fisch sowie geschnittenes oder gewürztes Fleisch sollen bis zum Ende der Verbrauchsfrist verzehrt werden.

Wie erkenne ich, ob das Lebensmittel noch in Ordnung ist?

Das Aussehen prüfen: Also das Lebensmittel genau anschauen und Farbe sowie Unversehrtheit der Verpackung kontrollieren. Ist sie geöffnet, ist unter dem Etikett zum Beispiel Schimmel zu sehen?

Geruch prüfen: Das heißt riechen, ob das Produkt den typischen Geruch hat. Beispielsweise soll Wurst eindeutig nach Wurst riechen. Wenn man keinen typischen Geruch mehr feststellen kann, dann ist das meistens ein erstes Anzeichen für den beginnenden Verderb.

Geschmack prüfen: Zum Beispiel erkennt man leicht, ob Milch sauer ist.

"Lebensmittel im Restmüll sind nicht nur ethisch höchst bedenklich, sondern auch eine Verschwendung wertvoller Ressourcen und eine Belastung für Umwelt und Klima. Unsere Lebensmittel sind kostbar und wertvoll und sollten deshalb als das behandelt werden, was schon ihr Name ausdrückt: Mittel zum Leben. Österreichs Bäuerinnen und Landfrauen wissen, wie viel Mühe, Einsatz und Arbeit in jedem Liter Milch und in jedem Kilogramm Fleisch stecken. Ein bewusster und verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmittel ist notwendig. Dies fängt beim täglichen Einkauf an. Wer sich eine Einkaufsliste erstellt und vor dem Einkauf noch kontrolliert, was vorhanden ist und was tatsächlich gebraucht wird, kann schließlich alle Lebensmittel vor dem empfohlenen Ablaufdatum noch verwenden und somit verhindern, dass sie in der Mülltonne landen. Zudem sollten die Konsumenten wieder mehr auf ihre Sinne vertrauen und nicht gleich jedes Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum wegwerfen, ohne es vorher genau angeschaut beziehungsweise gekostet zu haben", betont Höllerer abschließend.

Weltlandfrauentag

Der Weltlandfrauentag am 15.10. würdigt die wichtige Rolle der Landfrauen in der Gesellschaft. Das weltweite Netzwerk der Bäuerinnen und Frauen im ländlichen Raum nimmt diesen Tag zum Anlass, um auf die besondere Lebenssituation der Frauen auf dem Land aufmerksam zu machen sowie deren Rolle bei der Ernährungssicherung und beim Umweltschutz zu würdigen. In den Entwicklungsländern werden in etwa 80% der Lebensmittel von Frauen - zum Teil unter schwierigen Bedingungen - produziert, um die Versorgung der Familien sicherzustellen.

Welternährungstag

Der Welternährungstag am 16.10. wurde 1979 von der UN Ernährungs-und Landwirtschaftsorganisation (FAO) eingeführt, um auf die weltweite Ernährungssituation - vor allem in den Entwicklungsländern - hinzuweisen. Weltweit leiden über eine Milliarde Menschen an Hunger. Am 16.10.1945 wurde die Sonderorganisation der UNO zur Sicherung der weltweiten Ernährung, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, gegründet. Aus diesem Grund wurde schließlich der 16.10. als Tag ausgewählt.

ARGE Bäuerinnen: Die Arbeitsgemeinschaft Österreichische Bäuerinnen wurde 1972 gegründet und vertritt die Interessen von rund 130.000 Österreichischen Bäuerinnen. Die bundesweite Koordinierung der in allen Bundesländern vertretenen ARGE Bäuerinnen erfolgt in der Landwirtschaftskammer Österreich: www.baeuerinnen.at
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