• 11.10.2012, 16:04:22
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"Wir brauchen ein Steuersystem, das die Attraktivität Österreichs als Wirtschaftsstandort erhöht"

Rat für Forschung und Technologieentwicklung lud zur Veranstaltung "Steuerreform in Theorie und Praxis"

Utl.: Rat für Forschung und Technologieentwicklung lud zur
Veranstaltung "Steuerreform in Theorie und Praxis"=

Wien (OTS) - Der Umstand, dass die Bedeutung unseres Steuersystems
für die öffentliche Finanzierung von Forschung und Entwicklung in den
aktuellen Steuerreformdiskussionen in Österreich nur wenig Beachtung
findet, hat den Rat für Forschung und Technologieentwicklung dazu
veranlasst, sich dieses brennenden Themas anzunehmen. Es gehört
nämlich zu den zentralen Aufgaben eines Steuersystems, "auch die
technologische Entwicklung eines Landes zu 'steuern' bzw. zu fördern.
Dies kann etwa über Steuergutschriften für besonders
forschungsintensive Unternehmen erfolgen oder über die sog. indirekte
Forschungsförderung, die es ermöglicht, bestimmte Absetzbeträge für
Forschung zu nutzen. Auf diese Art und Weise sollen Forschung und
Entwicklung über das bestehende Steuersystem gefördert werden",
erläuterte Ratsmitglied Karin Schaupp in ihrem Einleitungsstatement
zur Podiumsdiskussion unter dem Titel "Steuerreform in Theorie und
Praxis".

Die Veranstaltung, die im Rahmen der vom Institut für Höhere
Studien (IHS) organisierten zweitägigen Konferenz "Design and Impact
of Tax Reform" stattfand, beleuchtete die forschungs- bzw.
technologie-spezifischen Komponenten unseres Steuersystems. Dabei
schlug IHS-Chef Christian Keuschnigg vor, über höhere
Steuergutschriften auf F&E-Ausgaben die Standortattraktivität unseres
Landes für international tätige Unternehmen zu erhöhen, denn - so
Keuschnigg: "Ein Steuersystem ist dann effizient, wenn die
schädlichen Nebenwirkungen auf Investition, Ersparnisbildung,
Innovation, Erwerbsbeteiligung, Bildung etc. gering bleiben. In einer
globalisierten Weltwirtschaft hat die Standortattraktivität eine
herausragende Bedeutung."

Mehr private Mittel für F&E durch sinnvolle Neuausrichtung des
Steuersystems

Zudem fehlt es in Österreich vor allem an privater Finanzierung
von Forschung und Entwicklung. So ist der Anteil der privaten
F&E-Finanzierung in Österreich mit 60 Prozent deutlich niedriger als
bei den internationalen Innovationsvorreitern (zwischen 69 und 75
Prozent) - im Gegensatz zu den öffentlichen F&E-Ausgaben, die in
Österreich mit 40 Prozent im Vergleich zu den Innovation Leadern
bereits relativ hoch sind. Um in Zukunft zu den Innovation Leadern
aufschließen zu können, bedarf es daher einer Steigerung der privaten
F&E-Finanzierung, und genau hier kann auch eine Neuausrichtung des
Steuersystems hilfreich sein. "Summa summarum dürfte unter allen
möglichen Steuer-Subventionen nur wenige eine so überzeugende
Rechtfertigung haben wie die Begünstigung von F&E-Ausgaben, die
darüber hinaus nicht zwischen in- und ausländischen Unternehmen
diskriminiert und damit EU-kompatibel ist", zeigte sich Karin Schaupp
überzeugt.

Das österreichische Steuersystem ist aus mehreren Gründen
reformbedürftig

Das Thema Steuerreform ist zudem auch deshalb von Bedeutung, weil
eine sinnvolle und umfassende Steuerreform Ressourcen für andere
wichtige und zukunftsträchtige Bereiche wie Bildung und Forschung
freimacht. Aus diesem Grund ist die Ausrichtung des Steuersystems hin
in Richtung zukunftsfähige Bereiche und weg von wachstumshemmenden
Sektoren von so großer Bedeutung.
Letztendlich trifft langfristig auch der Umkehrschluss zu: wird eine
Volkswirtschaft auf zukunftsträchtige Bereiche ausgerichtet, und
damit das Wachstumspotenzial über Investitionen in Forschung,
Technologie und Humankapital erhöht, steigen die Wachstumsaussichten
dieser Volkswirtschaft, wodurch auch wieder höhere Steuereinnahmen
lukriert werden können.

Am 4. Oktober 2012 fand im Mozarthaus Wien
die Podiumsdiskussion "Tax Reform in Theory and Practice" statt

Teilnehmer der Podiumsdiskussion in alphabetischer Reihenfolge waren:

- Richard Blundell, University College London und Institute for
Fiscal Studies, London
- Michael Devereux, Oxford University Centre for Business Taxation,
Oxford
- Christian Keuschnigg, IHS - Institut für Höhere Studien, Wien

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