"Wir brauchen ein Steuersystem, das die Attraktivität Österreichs als Wirtschaftsstandort erhöht"

Rat für Forschung und Technologieentwicklung lud zur Veranstaltung "Steuerreform in Theorie und Praxis"

Wien (OTS) - Der Umstand, dass die Bedeutung unseres Steuersystems für die öffentliche Finanzierung von Forschung und Entwicklung in den aktuellen Steuerreformdiskussionen in Österreich nur wenig Beachtung findet, hat den Rat für Forschung und Technologieentwicklung dazu veranlasst, sich dieses brennenden Themas anzunehmen. Es gehört nämlich zu den zentralen Aufgaben eines Steuersystems, "auch die technologische Entwicklung eines Landes zu 'steuern' bzw. zu fördern. Dies kann etwa über Steuergutschriften für besonders forschungsintensive Unternehmen erfolgen oder über die sog. indirekte Forschungsförderung, die es ermöglicht, bestimmte Absetzbeträge für Forschung zu nutzen. Auf diese Art und Weise sollen Forschung und Entwicklung über das bestehende Steuersystem gefördert werden", erläuterte Ratsmitglied Karin Schaupp in ihrem Einleitungsstatement zur Podiumsdiskussion unter dem Titel "Steuerreform in Theorie und Praxis".

Die Veranstaltung, die im Rahmen der vom Institut für Höhere Studien (IHS) organisierten zweitägigen Konferenz "Design and Impact of Tax Reform" stattfand, beleuchtete die forschungs- bzw. technologie-spezifischen Komponenten unseres Steuersystems. Dabei schlug IHS-Chef Christian Keuschnigg vor, über höhere Steuergutschriften auf F&E-Ausgaben die Standortattraktivität unseres Landes für international tätige Unternehmen zu erhöhen, denn - so Keuschnigg: "Ein Steuersystem ist dann effizient, wenn die schädlichen Nebenwirkungen auf Investition, Ersparnisbildung, Innovation, Erwerbsbeteiligung, Bildung etc. gering bleiben. In einer globalisierten Weltwirtschaft hat die Standortattraktivität eine herausragende Bedeutung."

Mehr private Mittel für F&E durch sinnvolle Neuausrichtung des Steuersystems

Zudem fehlt es in Österreich vor allem an privater Finanzierung von Forschung und Entwicklung. So ist der Anteil der privaten F&E-Finanzierung in Österreich mit 60 Prozent deutlich niedriger als bei den internationalen Innovationsvorreitern (zwischen 69 und 75 Prozent) - im Gegensatz zu den öffentlichen F&E-Ausgaben, die in Österreich mit 40 Prozent im Vergleich zu den Innovation Leadern bereits relativ hoch sind. Um in Zukunft zu den Innovation Leadern aufschließen zu können, bedarf es daher einer Steigerung der privaten F&E-Finanzierung, und genau hier kann auch eine Neuausrichtung des Steuersystems hilfreich sein. "Summa summarum dürfte unter allen möglichen Steuer-Subventionen nur wenige eine so überzeugende Rechtfertigung haben wie die Begünstigung von F&E-Ausgaben, die darüber hinaus nicht zwischen in- und ausländischen Unternehmen diskriminiert und damit EU-kompatibel ist", zeigte sich Karin Schaupp überzeugt.

Das österreichische Steuersystem ist aus mehreren Gründen reformbedürftig

Das Thema Steuerreform ist zudem auch deshalb von Bedeutung, weil eine sinnvolle und umfassende Steuerreform Ressourcen für andere wichtige und zukunftsträchtige Bereiche wie Bildung und Forschung freimacht. Aus diesem Grund ist die Ausrichtung des Steuersystems hin in Richtung zukunftsfähige Bereiche und weg von wachstumshemmenden Sektoren von so großer Bedeutung.
Letztendlich trifft langfristig auch der Umkehrschluss zu: wird eine Volkswirtschaft auf zukunftsträchtige Bereiche ausgerichtet, und damit das Wachstumspotenzial über Investitionen in Forschung, Technologie und Humankapital erhöht, steigen die Wachstumsaussichten dieser Volkswirtschaft, wodurch auch wieder höhere Steuereinnahmen lukriert werden können.

Am 4. Oktober 2012 fand im Mozarthaus Wien die Podiumsdiskussion "Tax Reform in Theory and Practice" statt

Teilnehmer der Podiumsdiskussion in alphabetischer Reihenfolge waren:

  • Richard Blundell, University College London und Institute for Fiscal Studies, London
  • Michael Devereux, Oxford University Centre for Business Taxation, Oxford
  • Christian Keuschnigg, IHS - Institut für Höhere Studien, Wien

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DI Dr. Ludovit Garzik
Geschäftsführer des Rates für Forschung und Technologieentwicklung
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