• 09.10.2012, 18:23:23
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Wo ist das echte Kärnten?"

Ausgabe vom 10. Oktober 2012

Utl.: Ausgabe vom 10. Oktober 2012=

Wien (OTS) - Der Unsinn, den der aus der FPK stammende
Finanzlandesrat Harald Dobernig zum Thema "echte Kärntner" verzapft
hat, ist schon schlimm genug. Aber das auch noch damit zu
rechtfertigen, er habe "radikale Volksgruppenvertreter mahnen wollen"
- unter Hinweis auf seine Zuständigkeit für Volkskultur -, geht
einfach zu weit.

Der erste Sager durfte von leidlich Wohlmeinenden noch als besonders
unappetitlicher Wahlkampfauftakt verstanden werden. Die
Rechtfertigung zeigt: Dobernig ist so, die FPK ist so. Die
Freiheitlichen (nur?) in Kärnten sind in ihrer Funktionärsschicht
eine radikale Partei, die noch dazu den persönlichen Vorteil über
Verfassung, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit stellt.

Bei der Kärntner Wahl, die nun also - in der politischen Logik der
Feigheit der FPK folgend - aller Voraussicht nach am 3. März 2013
stattfindet, haben die "echten Kärntner" (also die Wahlberechtigten)
die Chance, dieser Partie (äh, Partei) die Chance zu zeigen, wo der
Bartl den Most holt. Und die politischen Mitbewerber haben wohl oder
übel die Pflicht, die FPK in

die Opposition zu schicken. Natürlich wäre es politisch unklug von
der SPÖ, der (dort neuen) ÖVP und den Grünen, jetzt schon als
vereintes Gegengewicht zur FPK aufzutreten. Das würde die FPK
tendenziell stärken.

Denn der laut Dobernig "in der Mitte der Brücke" stehende
Spitzenkandidat der Kärntner Freiheitlichen, Gerhard Dörfler, muss
aufpassen, dass besagte Brücke nicht unter ihm zusammenbricht. Deren
Pfeiler heißen Kurt Scheuch und eben Dobernig.

Und wenn sich nun der FPK-Klubobmann darüber aufregt, dass ÖVP-Obmann
Michael Spindelegger den freiheitlichen Kärntner Landesrat als
"Provinzpolitiker" bezeichnet, so passt dies gut ins Bild einer
morschen Konstruktion. Denn Dobernig ist ein Provinzpolitiker. Aber
das passt eben nicht in die Allmachtsfantasien der Kärntner
Freiheitlichen.

Wenn Dobernig Rückgrat hätte, würde er zurücktreten. Er hat jedoch
bereits klargestellt, dass er dies nicht tun wird. Wenn wenigstens
der bundespolitisch ambitionierte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache
Rückgrat hat, fährt er seinem Kärntner Ableger in die Parade. Aber es
ist halt der einfachere Weg, beim politischen Gegner Sauberkeit
einzufordern und nicht in den eigenen Reihen.

www.wienerzeitung.at/leitartikel

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