• 08.10.2012, 09:58:28
  • /
  • OTS0044 OTW0044

WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Hassliebe prägt den glücklosen britischen Weg - von Daniela Friedinger

Auch die Finanzmärkte werden nicht ewig Nachsicht üben

Utl.: Auch die Finanzmärkte werden nicht ewig Nachsicht üben=

Wien (OTS) - Für Beobachter von außen ist es durchaus amüsant,
britische Politikinszenierungen mit anzusehen. Doch in Sachen EU
bewegt sich inmitten der ganzen Spektakel nicht viel. Die Labour
Party stellte bei ihrem Parteitag vergangene Woche in Manchester
einmal mehr klar, dass ein Beitritt Großbritanniens zur Eurozone
keinerlei Option sei. Ähnlich werden wohl auch die Botschaften von
Premierminister und Tory-Chef David Cameron am Parteitag der
Konservativen, der gestern in Birmingham startete, an Europa lauten.
Und mitunter könnte die regierende Partei Großbritanniens sogar für
eine noch größere Kluft zwischen den Britischen Inseln und dem
europäischen Festland sorgen.

So drängt der rechte Flügel innerhalb der Tories seit geraumer Zeit
auf ein EU-Referendum. In einem Interview mit der BBC hat Cameron,
der von manchen Briten mittlerweile als Wendehals beschimpft wird,
nun eine gewisse Sympathie für eine solche Abstimmung durchklingen
lassen: "Es kommt immer mehr die Zeit für eine Neuregelung zwischen
Großbritannien und Europa", und die brauche "frische Zustimmung",
sollen seine Worte gewesen sein.

In einem Punkt hat der britische Premier tatsächlich recht: Eine
frische Zustimmung zu Europa tut not. Allerdings nur dann, wenn sie
in einer Form ausfällt, wie sie Cameron wohl kaum gemeint hat,
nämlich in Form von stärkerer Kooperation.

Denn warum soll Großbritannien das Ziel der EU, auch ein gemeinsamer
Währungsraum zu werden, nicht mittragen? Warum winkt Großbritannien
bei der Bankenunion gleich wieder ab? Und warum ist eigentlich der
Briten-Rabatt niemals diskutiert worden, seit Margaret Thatcher
seinerzeit diesen geringeren Beitrag der Engländer zum EU-Haushalt
ausverhandelte?

Fest steht schließlich: Auch diese Extrawürstchen haben keineswegs zu
einer besseren wirtschaftlichen Performance beigetragen. Mit einem
stagnierenden Wachstum und einem horrenden Budgetdefizit steht das
Königreich nicht besser da als die meisten Länder der Eurozone.
Selbst der rigide Sparkurs, den Cameron und sein Finanzminister
George Osborne fahren, konnten das Ruder nicht herumreißen.

Großbritanniens Absonderung vom Rest Europas hat also höchstens
gebracht, dass die Finanzmärkte nicht so genau hinsehen. Doch
irgendwann ist wohl auch dieser Vorteil verspielt - und die Briten
müssen sich entscheiden, ob aus ihrer Hassliebe zu Europa mehr Hass
oder vielleicht doch einmal mehr Liebe wird.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel