- 05.10.2012, 17:00:33
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"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter: "Medien und Politik brauchen Distanz"
Anderswo hat die Presse um ihre Freiheit gekämpft. Bei uns regiert das Geld.
Utl.: Anderswo hat die Presse um ihre Freiheit gekämpft. Bei uns
regiert das Geld.=
Wien (OTS) - Groß sind die Wehklagen der Journalisten über unser
politisches System. Die Regierung streitet, die Abgeordneten fürchten
sich, die Verwaltung ist nicht effizient. Das mag ja alles stimmen,
aber dürfen sich ausgerechnet die Medien als Kritiker aufspielen?
Der legendäre Publizist Karl Kraus lästerte schon vor rund
hundert Jahren: "Am Anfang war die Presse - und dann erschien die
Welt." Mit diesem Selbstverständnis werden noch heute fette
Schlagzeilen produziert. Die glauben dann aber eh nur schwache
Politiker, die sich von der Früh bis zum Abend vor dem Boulevard
fürchten und glauben, sie müssten ihn nur füttern, um zu überleben.
Dabei wollen diese Verleger nur viel Steuergeld, um dann die
Politiker erst recht vor sich herzutreiben. Ein ewiger Kreislauf, der
vor allem den Steuerzahlern, die den Zirkus zahlen, schadet. Leider
hat das in Österreich Tradition. Wir hatten schon früher Erpresser
in Journalistengestalt. Imre Bekessy war so einer. "Hinaus aus Wien
mit dem Schuft", rief Kraus. Er hatte Erfolg.
Andere Länder - andere Traditionen. Vor 40 Jahren veröffentlichte
die New York Times die "Pentagon Papiere". Dadurch wurde der
Öffentlichkeit klar, dass die US-Führung den Vietnam-Krieg von langer
Hand geplant hatte. Genau das hatten die Politiker dem Volk
verschwiegen. Die Regierung versuchte, die Veröffentlichung der
Dokumente zu verhindern - und scheiterte. Es hatte nicht nur die
Pressefreiheit gesiegt, es war auch klar, dass Macht und Medien nicht
auf derselben Seite stehen können.
Oder die SPIEGEL-Affäre. Vor genau 50 Jahren wurden Herausgeber
Augstein und andere Redakteure verhaftet, weil sie die Bundeswehr als
nur "bedingt einsatzfähig" beschrieben hatten. Die Regierung witterte
Landesverrat. Kanzler Adenauer und Verteidigungsminister Strauss
steckten hinter den Verhaftungen. Sie wollten ein erfolgreiches
Magazin mundtot machen. Strauss musste gehen.
Das sind nur zwei Beispiele dafür, dass die Freiheit der Presse
immer gefährdet ist, weil Politiker halt nur ihre schönen Seiten
zeigen wollen. Eine kuriose Spielart dieses Denkens liefert Frank
Stronach, der keine "negativen Fragen" mag, dafür aber sehr viel Geld
an Medien zahlen wird, damit viel Positives über ihn berichtet wird.
Auch in Österreich haben Magazine und Zeitungen Skandale
aufgedeckt. Und gerade durch die ausführliche Berichterstattung über
die Inseraten-Affäre wurde ein Gesetz geschaffen, das den Missbrauch
von Steuergeld zumindest einschränken wird. Aber Mut kann man nicht
kaufen.
Die Forderung zur Abschaffung der Wehrpflicht kam von der Krone.
Die SPÖ hüpfte auf die Kampagne auf, Darabos machte "kehrt marsch".
Aber jetzt, wo es nach einer Mehrheit für die Wehrpflicht aussieht,
sucht die Krone noble Distanz zum Thema und lässt die SPÖ im Regen
stehen. "Die Österreicher werden aus Schaden dumm", hat Karl Kraus
gesagt. Hoffentlich gilt das nicht für alle Österreicher.
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