• 01.10.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Euro lässt sein Vertrauenstief hinter sich - von Herbert Geyer

Wäre schön, wenn sich dieser Glaube auch in Europa durchsetzt

Utl.: Wäre schön, wenn sich dieser Glaube auch in Europa durchsetzt=

Wien (OTS) - Was immer dieser Tage an Meldungen aus den
Euro-Krisenstaaten hereinkommt, in den einschlägigen Internetforen
wird es als neue Hiobsbotschaft abgehandelt. Egal, ob es sich um die
Portugiesen handelt, die ihre Sparziele nicht einhalten können, um
die Spanier, die nicht und nicht um Hilfe aus den Schutzschirmen
ansuchen wollen, oder um die Griechen, die die nächste Hilfstranche
ausbezahlt bekommen sollen, obwohl sie - was ohnehin schon vorher
jeder hätte wissen müssen - die Auflagen nicht ganz einhalten
konnten: Im Netz wird das jeweils als neues Menetekel abgehandelt.
Tenor: Der Euro ist am Ende.

In Zeiten wie diesen tut es gut, den Blick auf das Problem einmal von
ganz weit außen zu richten. Etwa über die jüngste Statistik des
Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Entwicklung der
Währungsreserven der Notenbanken (siehe Bericht S. 11). Dieser ist zu
entnehmen, dass der Euro tatsächlich einen relativ starken
Vertrauensschwund hinnehmen musste - allerdings vor einem Jahr. Da
gingen die Euro-Bestände unter den deklarierten Währungsreserven
weltweit um gut vier Prozent zurück, während die Reserven insgesamt
weiter wuchsen.

Seit Jahresbeginn gewinnt der Euro aber wieder an Beliebtheit als
Reservewährung: Der jüngste Stand (per Ende Juni) entspricht fast
schon wieder jenem vor einem Jahr. Eine solche Durststrecke hatte
2008/09 auch der Dollar, die mit Abstand beliebteste Reservewährung
der Welt: Der hatte sogar einen Rückgang von gut fünf Prozent zu
verkraften, die er danach binnen drei Quartalen wieder aufgeholt hat.
Nicht nur die Notenbanken, von denen wir annehmen dürfen, dass sie
wissen, was sie tun, haben offenbar wieder Vertrauen in den Euro
gefasst, auch am Währungsmarkt hat die europäische Einheitswährung
wieder Tritt gefasst: Nach mehr als einem Jahr vor allem sinkender
Kurse hat sie im Juli ihren tiefsten Punkt erreicht und legt seither
gegenüber dem Dollar wieder zu.

An sich kein Wunder: Nach anfänglichen Unsicherheiten bald nach
Ausbruch der Schuldenkrise haben die Staaten Europas ja wirklich kaum
Zweifel daran gelassen, dass sie bereit (und wie sich seither zeigt,
auch in der Lage) sind, den Euro zu verteidigen. Das Ja des deutschen
Bundesgerichtshofs zum ESM und die Ankündigung von EZB-Chef Mario
Draghi, notfalls Bonds der Krisenstaaten ohne Limit aufzukaufen,
haben international den Glauben an das Überleben der europäischen
Währung gestärkt.

Wäre schön, wenn sich dieser Glaube schön langsam auch in Europa
wieder durchsetzen würde.

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