• 01.10.2012, 10:06:23
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Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte könnten ihren Versorgungsbereich massiv erweitern

Vernünftige Lösungen scheitern bislang lediglich am Willen der Politik

Utl.: Vernünftige Lösungen scheitern bislang lediglich am Willen der
Politik=

Wien (OTS) - "Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka
hat eines der Grundprobleme im heimischen Gesundheitswesen genau
erkannt", so Dr. Gerrit Loibl, erster Vizepräsident der NÖ
Ärztekammer. "Es wird nämlich sehr viel Geld dadurch verbraucht, dass
zu viele Patientinnen und Patienten in Spitalsambulanzen behandelt
werden, die man genauso gut im niedergelassenen Bereich behandeln
könnte."
Dass er diesen niedergelassenen Bereich nun dafür verantwortlich
macht, seine Behandlungsstrukturen nicht im erforderlichen Ausmaß
erweitert zu haben, kann Vizepräsident Dr. Loibl nicht
nachvollziehen. "Es liegt ausschließlich im Bereich der Politik, die
Strukturen der medizinischen Versorgung vorzugeben. Allen Ratschlägen
von Gesundheitsökonomen zum Trotz setzt man seit Jahrzehnten auf den
Ausbau des Spitalsbereichs und legt das Kassensystem "trocken". Auch
in Niederösterreich. Die Kritik des Landeshauptmann-Stellvertreters
am System ist daher aus meiner Sicht berechtigt. Adressieren muss er
sie jedoch an sich selbst und seine Kolleginnen und Kollegen in den
anderen Bundesländern und beim Bund."

670 Millionen Euro alleine in NÖ unnötig verbraucht

Vizepräsident Dr. Loibl erläutert: "LH Stv. Sobotka spricht von
einer Milliarde Euro, die in den letzten Jahren zu Ungunsten der
Spitäler "verschoben" wurde. Bekannt ist, dass die Behandlung in der
Spitalsambulanz das Dreifache einer Behandlung in der Niederlassung
kostet. Er rechnet uns also genau vor, dass wegen falscher
Weichenstellung durch die Politik ein Betrag von ca. 670 Millionen
Euro alleine in Niederösterreich unnötig verbraucht wurde."
Und das, obwohl die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte gerne
bereit wären, diesen Teil der ambulanten Versorgung zu übernehmen.
Nachdem die Politik den Kassen aber immer neue Ausgabenpakete
anlastet ohne die Finanzierung sicherzustellen, sehen diese sich
nicht mehr in Lage, weitere Leistungen im niedergelassenen Bereich zu
finanzieren. "Diese Fehlentwicklung zeigt deutlich, dass die
Organisation des Gesundheitssystems nicht von Politikern bestimmt
werden darf, sondern den Expertinnen und Experten überlassen werden
soll, nämlich der Ärzteschaft unter Mitsprache der Krankenkassen."
In den letzten 20 Jahren hat sich die gesamte Ärztezahl um knapp
70 Prozent erhöht, dabei sind die Ärztinnen und Ärzte im Spital um
etwa 60 Prozent zahlenmäßig gewachsen. "Die Zahl der Kassenärztinnen
und -ärzte hat sich durch die rigide Stellenplanpolitik fast nicht
verändert. Die Zahl der Wahlärztinnen und Wahlärzte hat sich jedoch
versechsfacht, zwischenzeitlich gibt es sogar schon mehr Wahlärzte
als Kassenärzte. Diese Gruppe trägt damit bereits einen wesentlichen
Teil zur öffentlichen Gesundheitsversorgung bei", so der
Vizepräsident.

Patientinnen und Patienten gehen lieber zum persönlichen
Vertrauensarzt als in die Spitalsambulanz

Nach einer jüngsten Umfrage durch die NÖ Ärztekammer sucht bereits
jeder dritte Patient ärztliche Hilfe innerhalb des Wahlarztsystems,
wo er üblicherweise einen Großteil der dadurch entstehenden Kosten
selbst bezahlen muss. "Obwohl er im öffentlichen System einer
verpflichtenden Krankenversicherung unterliegt", so Dr. Loibl. Drei
Viertel aller Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher gehen
lieber zu einem niedergelassenen Arzt ihres Vertrauens als in eine
Spitalsambulanz. "Dass der Weg dann doch leider viel zu häufig in die
Ambulanz führt, liegt eben an dieser rigiden Sparpolitik: Die
Krankenkassen werden durch die Politik finanziell ausgehungert und
jeder wundert sich dann auch noch, dass das ganze System immer teurer
wird."
Er wiederholt daher den Vorschlag der NÖ Ärztekammer, in
Niederösterreich pro Jahr 75 Millionen Euro vom Spitalsbudget für den
Ausbau des niedergelassenen Bereichs zu verwenden. "Damit könnte man
so viele neue Kassenstellen, Gruppenpraxen und 24-Stunden-Dienste in
Niederösterreich finanzieren, dass das gesamte Gesundheitsbudget um
150 Millionen Euro pro Jahr entlastet werden könnte. Das alleine
würde schon den Großteil der bestehenden Probleme lösen. Ich erwarte
mir daher, dass diese Gedanken in die Verhandlungen zur
bevorstehenden Gesundheitsreform miteinfließen", so Vizepräsident Dr.
Loibl zum Abschluss.

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