- 29.09.2012, 19:46:15
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"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Er schwächt die Hetzer" (Von Hubert Patterer)
Ausgabe vom 30.9.2012
Utl.: Ausgabe vom 30.9.2012=
Graz (OTS) - Warum der spöttische Ton gegenüber Frank Stronach
ungerecht und taktisch töricht ist.
In den Berichten über den Einstieg des austro-kanadischen
Unternehmers Frank Stronach befremdet das Ausmaß an Häme, das dem 80
jährigen entgegenschlägt. Man spürt einen abschätzigen Vorbehalt
gegen die Person, eine Art übler Vorrede, die sich unentwegt am
Stigma "Milliardär" festmacht, am Alter (hat man da nicht eine Ruh zu
geben?) sowie am Umstand, dass hier einer Mühe hat, seine
Muttersprache zurückzugewinnen.
Dass Stronach seine Überläufer für die Starthilfe entlohnt, reicht
schon für die überzogene Mutmaßung, hier wolle einer die Demokratie
aufkaufen. Mitunter verstieg man sich zu dämonisierenden Vergleichen
mit Berlusconi, der Symbolfigur der moralischen Verelendung Italiens.
Kommentatoren mit Reclam-Bildung ließen sich zu Anspielungen auf
Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" stimulieren. Zur Erinnerung: Die
Hauptfigur des berühmten Stücks übt als reiche Heimkehrerin
Vergeltung für früh erlittenes Unrecht und verführt den
heruntergekommenen Heimatort mit der Aussicht auf Bares zu einer
kollektiven Mordtat.
Stronach hätte sich an seinem Lebensabend auch zurückziehen und sich
der Politur seines Vermögens widmen können. Er hätte auch eine Straße
verlegen lassen können, um sich und den Reichtum gegen die Außenwelt
abzuschirmen. Das tut er nicht. Er setzt einen Teil seines Geldes
ein, um seinen Erfahrungsschatz zu vergemeinschaften.
Diese Entscheidung verdient Respekt. Schließlich beklagen wir ja
immerzu, dass die Politik zu einem derartigen Ödland verkommen ist,
dass sich kaum jemand mehr dafür hergibt. Jetzt tut es einer, auch
wenn ein ungestilltes Bedürfnis nach Geltung im Herkunftsland
mitschwingt. Auch das rechtfertigt keine Herabwürdigung. Die
Kandidatur bringt Dynamik in das erstarrte Parteien-Spektrum und
weitet das Spiel der Kräfte. Stronach hat ein Jahr Zeit, den
Erlöser-Gestus abzulegen und die aufgefädelten Schlagworte mit Inhalt
zu füllen. Berater werden ihm beibringen müssen, dass die
Umgangsformen im Patriarchat einer Firma nicht auf die Politik
übertragbar sind. Er wird lernen müssen, auf kritische Fragen
elastischer zu reagieren.
Richtig ist: Die inhaltlichen Versatzstücke sind bunte, mitunter
bizarre Splitter. Ein Ganzes ist nicht erkennbar (bei den Etablierten
schon?). Wo Befunde stimmen, fehlen die Antworten. In der
Währungsfrage stochert der Kandidat im Nebel. Das wird oder wird
nicht. In der Systemschelte schimmert der junge Haider durch, was
kein Unheil ist. Stronach ist Vereinfacher mit mäßigem
Bedrohungsfaktor. Er verhetzt nicht und wird die Hetzer schwächen.
Wenn SPÖ und ÖVP klug sind, sind sie zärtlich zu ihm.****
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