"Kleine Zeitung" Kommentar: "Stronach als Erlöser und Heilsbringer"

Ausgabe vom 28.09.2012 (Von Michael Jungwirth)

Graz (OTS) - Warum steigt ein 80-Jähriger, der alles im Leben erreicht hat, der im Weißen Haus oder im Kreml ein- und ausgeht, der sich alles leisten kann, in die Niederungen der österreichischen Innenpolitik herab?
Die Antwort ist simpel. Frank Stronach ist auf Mission in seiner alten Heimat. Er versteht sich als Heilsbringer, der Österreich von den Machenschaften der politischen Klasse erlösen und vor dem Fall in die wirtschaftliche Hölle bewahren will. Dieses Sendungsbewusstsein treibt ihn an, und in den kommenden Monaten wird er wie ein Wanderprediger, wie ein politischer Prophet durchs Land ziehen, um das Heil zu verkünden. Sein gestriger Sager passt da genau ins Bild:
"Gott schickt mich wieder in die Heimat zurück."
Stronach strebt kein Amt, keine Auszeichnung an. Wonach er sich sehnt, ist Anerkennung. Immer wieder dringt die Verbitterung durch, dass er in Österreich, seiner Heimat, nicht jene Huldigung erfährt, die er sonst weltweit genießt. Die sonderbare Missgunst gegenüber einem Landsmann, der sich durch harte Arbeit, nicht durch einen Lottogewinn vom Tellerwäscher zum Multimilliardär hinaufgeschraubt hat, bleibt ein Wesensmerkmal der österreichischen Seele.
Dennoch ist dem Neo-Politiker eine große Gefolgschaft gewiss. Bereits zur gestrigen Pressekonferenz pilgerten seine Anhänger. Der ehemalige Werkzeugmacher tritt authentisch auf, er gebärdet sich nicht als Obergscheiter, sondern als "einer von uns", der von seiner Lebenserfahrung zehrt. An Selbstbewusstsein ist Stronach, der im Leben alles erreicht hat, wovon der kleine Maxi träumt, nicht zu überbieten. Mit seinem Pathos, seiner Suada gegen das herrschende Machtkartell, gegen die Banken, "gegen die da oben" spricht er den politisch Frustrierten aus der Seele, und diese werden von Tag zu Tag mehr.
Dass seine simplen Botschaften auf fruchtbaren Boden fallen, dass er von manchen als politischer Messias angesehen wird, verdankt er den etablierten Parteien in Regierung und Opposition. Stronachs Bewegung versteht sich als Sammelbecken der politisch Heimatlosen. FPÖ und BZÖ, auch SPÖ und ÖVP nimmt er Stimmen weg. In der Steiermark, wo er als Arbeitgeber reüssiert hat, dürfte er auch in rote Kernschichten wildern.
Allerdings: Bis zum Wahltag ist noch ein sehr, sehr langer Weg. Der Polit-Exzentriker kann noch über sich stolpern. Vielleicht ist sein politischer Stern bereits verblasst, bevor das erste Wahllokal überhaupt seine Pforten geöffnet hat.****

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