- 27.09.2012, 19:39:30
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Stronach als Erlöser und Heilsbringer"
Ausgabe vom 28.09.2012 (Von Michael Jungwirth)
Utl.: Ausgabe vom 28.09.2012 (Von Michael Jungwirth)=
Graz (OTS) - Warum steigt ein 80-Jähriger, der alles im Leben
erreicht hat, der im Weißen Haus oder im Kreml ein- und ausgeht, der
sich alles leisten kann, in die Niederungen der österreichischen
Innenpolitik herab?
Die Antwort ist simpel. Frank Stronach ist auf Mission in seiner
alten Heimat. Er versteht sich als Heilsbringer, der Österreich von
den Machenschaften der politischen Klasse erlösen und vor dem Fall in
die wirtschaftliche Hölle bewahren will. Dieses Sendungsbewusstsein
treibt ihn an, und in den kommenden Monaten wird er wie ein
Wanderprediger, wie ein politischer Prophet durchs Land ziehen, um
das Heil zu verkünden. Sein gestriger Sager passt da genau ins Bild:
"Gott schickt mich wieder in die Heimat zurück."
Stronach strebt kein Amt, keine Auszeichnung an. Wonach er sich
sehnt, ist Anerkennung. Immer wieder dringt die Verbitterung durch,
dass er in Österreich, seiner Heimat, nicht jene Huldigung erfährt,
die er sonst weltweit genießt. Die sonderbare Missgunst gegenüber
einem Landsmann, der sich durch harte Arbeit, nicht durch einen
Lottogewinn vom Tellerwäscher zum Multimilliardär hinaufgeschraubt
hat, bleibt ein Wesensmerkmal der österreichischen Seele.
Dennoch ist dem Neo-Politiker eine große Gefolgschaft gewiss. Bereits
zur gestrigen Pressekonferenz pilgerten seine Anhänger. Der ehemalige
Werkzeugmacher tritt authentisch auf, er gebärdet sich nicht als
Obergscheiter, sondern als "einer von uns", der von seiner
Lebenserfahrung zehrt. An Selbstbewusstsein ist Stronach, der im
Leben alles erreicht hat, wovon der kleine Maxi träumt, nicht zu
überbieten. Mit seinem Pathos, seiner Suada gegen das herrschende
Machtkartell, gegen die Banken, "gegen die da oben" spricht er den
politisch Frustrierten aus der Seele, und diese werden von Tag zu Tag
mehr.
Dass seine simplen Botschaften auf fruchtbaren Boden fallen, dass er
von manchen als politischer Messias angesehen wird, verdankt er den
etablierten Parteien in Regierung und Opposition. Stronachs Bewegung
versteht sich als Sammelbecken der politisch Heimatlosen. FPÖ und
BZÖ, auch SPÖ und ÖVP nimmt er Stimmen weg. In der Steiermark, wo er
als Arbeitgeber reüssiert hat, dürfte er auch in rote Kernschichten
wildern.
Allerdings: Bis zum Wahltag ist noch ein sehr, sehr langer Weg. Der
Polit-Exzentriker kann noch über sich stolpern. Vielleicht ist sein
politischer Stern bereits verblasst, bevor das erste Wahllokal
überhaupt seine Pforten geöffnet hat.****
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