- 27.09.2012, 18:15:35
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Märkte als Wächter der Reformen - von Hans Weitmayr
Die Märkte sind die treuesten Verbündeten der Notenbanken
Utl.: Die Märkte sind die treuesten Verbündeten der Notenbanken=
Wien (OTS) - Das ging schnell. Kaum hatten die drei einflussreichsten
Notenbanken der Welt, US-Fed, EZB und Bank of Japan beschlossen,
massiv bis unbegrenzt Liquidität bereitzustellen, setzte es diese
Woche für die Aktienmärkte einen ordentlichen Rumpler, dazu stiegen
spanische Renditen wieder auf über sechs Prozent. Was auf den ersten
Blick negativ erscheint, sollte aber mit einem zweiten Blick
ordentlich geprüft werden. Zum einen ist bekannt, dass Märkte
Entwicklungen vorwegnehmen und sich in ständiger Dynamik befinden;
das heißt, die sich anbahnenden Selbstverpflichtungen der
Währungshüter waren zu einem großen Teil eingepreist. Als dieses
Thema erledigt war, richtete sich der Fokus wieder auf die, die es
langfristig richten müssen: Europas Politiker und die
Bürgergesellschaften, die sie vertreten. Und von dieser Seite kamen
zuletzt nicht unbedingt die ermutigendsten Signale: Katalanische
Unabhängigkeitsbestrebungen gewinnen in Spanien an Kraft, Portugals
Regierung deutet ein Aufweichen des Sparkurses an, die dramatischen
Bilder aus Athens Straßen bedürfen keiner verbalen Auslegung.
Genau auf diese Entwicklungen haben die Märkte reagiert, denn klar
ist, dass ein Ende der Krise ohne die Fortsetzung der Reformen nicht
zu erreichen ist. Die Notenbanken können der Politik nur Zeit zum
Handeln erkaufen, nicht die Probleme lösen - die EZB war übrigens die
erste, die genau das gesagt hat: "Jetzt liegt der Ball bei den
Politikern."
Dass die Märkte die ersten Zögerlichkeiten sofort abstrafen, ist
deshalb im großen Rahmen betrachtet positiv. Sie führen die
Sanktionen durch, die die EZB nicht verhängen kann. Sie machen von
Anfang an deutlich, dass es bei der Bekämpfung der Krise keinerlei
Schonzeiten gibt - insofern sind sie die treuesten und effizientesten
Verbündeten der Zentralbanker.
Fraglich bleibt natürlich, ob wirklich in allen Ländern noch
Handlungsspielraum besteht, oder ob die jeweiligen Gesellschaften an
den harschen Sparprogrammen zu zerbrechen drohen. Dann muss man eine
Grundsatzentscheidung treffen: und zwar ob die reichen Länder letzten
Endes nicht doch zusätzliche, gezielte Mittel auf diversen
volkswirtschaftlichen Ebenen - etwa Arbeitsmarkt, Bildung etc. -
investieren wollen. Diese Entscheidung fällt aber nicht Brüssel,
sondern in Berlin.
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