ÖH Uni Wien: Universität Wien spart Lehre und Studierendensituation in Bilanz aus

Fokus auf "Exzellenz" und Unirankings führt zu Vernachlässigung von existentiellen Problemen an der Hochschule

Wien (OTS) - In der gestrigen Pressekonferenz zur Bilanzierung der Forschungs- und Lehrtätigkeit nannte das Rektorat zwar einige Problemfelder, zog jedoch falsche Schlüsse. Den Hauptfokus ihrer Evaluation legt die Universitätsleitung auf die Forschung, der Lehre und Studieninhalten wird dabei wenig Beachtung geschenkt, "Exzellenz"-Förderung steht im Vordergrund. Dem halten Kraus, Atasoy und Rückert vom Vorsitzteam der ÖH Uni Wien entgegen: "Eine exzellente Uni kann nur eine sein, die neben modernen Forschungs- und Lehrmethoden auch gute Studienbedingungen für Menschen aus allen Gesellschaftsbereichen, unabhängig von Herkunft, Alter und finanzieller Situation bietet."

"Die Feststellung, dass das Betreuungsverhältnis nicht dem anderer Universitäten im internationalen Vergleich entspricht, darf nicht zur Folge haben, Zugangsbeschränkungen, Studienplatzbeschränkungen oder "Studienplatzverteilungsmanagement" einzuführen. Egal, welches neue Wort sich Universitätsleitung oder Ministerium einfallen lassen, die reale Situation für Studierende ändert sich damit nicht", fasst es Julia Kraus vom Vorsitzteam der ÖH Uni Wien zusammen.

Zugangsbeschränkungen, seien sie in der Form von Studiengebühren, Eingangstests oder der STEOP (Studieneingangs- und Orientierungsphase)führen dazu, dass vor allem Studierende aus finanziell schwächeren Haushalten benachteiligt werden. Denn durch die Mehrfachbelastung, die mit zunehmender Erwerbsarbeit entsteht, bleibt weniger Zeit für das Studium.

"Die Auswirkungen von zu hohen Leistungsanforderungen und finanziellem Druck zeigen sich in der Zunahme von psychischen Erkrankungen, Stress und Existenzängsten. Das bestätigen auch die aktuellen Ergebnisse der Studierendensozialerhebung. Für Fragen zu Lebensrealitäten von Studierenden gibt es keine "Unirankings", ergo werden sie gekonnt von der Universität Wien ausgeblendet", resümiert Kübra Atasoy vom Vorsitzteam.

Die "Wertigkeit" von Studien zeigt sich nicht nur in diskreditierenden Wortmeldungen eines Frank Stronach, sie spiegelt sich auch in den gestrigen Präsentatoren wieder: allesamt Männer aus der Molekularbiologie.

"Angeblicher wirtschaftlicher Nutzen bestimmt, welche Studien ausgebaut werden sollen und welche nicht. Unternehmen produzieren Wissen, das sie für die Ausweitung ihres Marktanteils brauchen, der Zugang zu kritischer Bildung wird erschwert, ganze Studienrichtungen wie der Bachelor Internationale Entwicklung werden abgeschafft. Auf diese Weise wird ein selektives Bildungssystem weiter forciert", bringt es Jasmin Rückert vom Vorsitzteam auf den Punkt.

Dass die Hochschulen in Österreich chronisch unterfinanziert sind und so auch die Mittel der Uni Wien begrenzt werden, ist offensichtlich. Der Schluss darf jedoch nicht sein, noch weniger Menschen am Recht auf höhere Bildung zu hindern.

"Es ist mühsam, immer das gleiche zu sagen zu müssen, aber: es braucht mehr Mittel für die Hochschulen in Österreich, um kritische Forschung Lehre, gute Studienbedingungen und bessere Bezahlung für Universitätsangestellte zu erwirken. Zusätzlich braucht es eine Abkehr von dem Wahn, Unirankings als das Maß aller Dinge zu betrachten und ganzen Studienrichtungen ihr Existenzrecht abzusprechen. Eine "exzellente" Uni kann nur eine sein, die neben modernen Forschungs- und Lehrmethoden auch gute Studienbedingungen für Menschen aus allen Gesellschaftsbereichen, unabhängig von Herkunft, Alter und finanzieller Situation bietet", so Kraus, Atasoy und Rückert abschließend.

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