- 27.09.2012, 10:29:01
- /
- OTS0085 OTW0085
ÖH Uni Wien: Universität Wien spart Lehre und Studierendensituation in Bilanz aus
Fokus auf "Exzellenz" und Unirankings führt zu Vernachlässigung von existentiellen Problemen an der Hochschule
Utl.: Fokus auf "Exzellenz" und Unirankings führt zu
Vernachlässigung von existentiellen Problemen an der
Hochschule=
Wien (OTS) - In der gestrigen Pressekonferenz zur Bilanzierung der
Forschungs- und Lehrtätigkeit nannte das Rektorat zwar einige
Problemfelder, zog jedoch falsche Schlüsse. Den Hauptfokus ihrer
Evaluation legt die Universitätsleitung auf die Forschung, der Lehre
und Studieninhalten wird dabei wenig Beachtung geschenkt,
"Exzellenz"-Förderung steht im Vordergrund. Dem halten Kraus, Atasoy
und Rückert vom Vorsitzteam der ÖH Uni Wien entgegen: "Eine
exzellente Uni kann nur eine sein, die neben modernen Forschungs- und
Lehrmethoden auch gute Studienbedingungen für Menschen aus allen
Gesellschaftsbereichen, unabhängig von Herkunft, Alter und
finanzieller Situation bietet."
"Die Feststellung, dass das Betreuungsverhältnis nicht dem anderer
Universitäten im internationalen Vergleich entspricht, darf nicht zur
Folge haben, Zugangsbeschränkungen, Studienplatzbeschränkungen oder
"Studienplatzverteilungsmanagement" einzuführen. Egal, welches neue
Wort sich Universitätsleitung oder Ministerium einfallen lassen, die
reale Situation für Studierende ändert sich damit nicht", fasst es
Julia Kraus vom Vorsitzteam der ÖH Uni Wien zusammen.
Zugangsbeschränkungen, seien sie in der Form von Studiengebühren,
Eingangstests oder der STEOP (Studieneingangs- und
Orientierungsphase)führen dazu, dass vor allem Studierende aus
finanziell schwächeren Haushalten benachteiligt werden. Denn durch
die Mehrfachbelastung, die mit zunehmender Erwerbsarbeit entsteht,
bleibt weniger Zeit für das Studium.
"Die Auswirkungen von zu hohen Leistungsanforderungen und
finanziellem Druck zeigen sich in der Zunahme von psychischen
Erkrankungen, Stress und Existenzängsten. Das bestätigen auch die
aktuellen Ergebnisse der Studierendensozialerhebung. Für Fragen zu
Lebensrealitäten von Studierenden gibt es keine "Unirankings", ergo
werden sie gekonnt von der Universität Wien ausgeblendet", resümiert
Kübra Atasoy vom Vorsitzteam.
Die "Wertigkeit" von Studien zeigt sich nicht nur in
diskreditierenden Wortmeldungen eines Frank Stronach, sie spiegelt
sich auch in den gestrigen Präsentatoren wieder: allesamt Männer aus
der Molekularbiologie.
"Angeblicher wirtschaftlicher Nutzen bestimmt, welche Studien
ausgebaut werden sollen und welche nicht. Unternehmen produzieren
Wissen, das sie für die Ausweitung ihres Marktanteils brauchen, der
Zugang zu kritischer Bildung wird erschwert, ganze Studienrichtungen
wie der Bachelor Internationale Entwicklung werden abgeschafft. Auf
diese Weise wird ein selektives Bildungssystem weiter forciert",
bringt es Jasmin Rückert vom Vorsitzteam auf den Punkt.
Dass die Hochschulen in Österreich chronisch unterfinanziert sind und
so auch die Mittel der Uni Wien begrenzt werden, ist offensichtlich.
Der Schluss darf jedoch nicht sein, noch weniger Menschen am Recht
auf höhere Bildung zu hindern.
"Es ist mühsam, immer das gleiche zu sagen zu müssen, aber: es
braucht mehr Mittel für die Hochschulen in Österreich, um kritische
Forschung Lehre, gute Studienbedingungen und bessere Bezahlung für
Universitätsangestellte zu erwirken. Zusätzlich braucht es eine
Abkehr von dem Wahn, Unirankings als das Maß aller Dinge zu
betrachten und ganzen Studienrichtungen ihr Existenzrecht
abzusprechen. Eine "exzellente" Uni kann nur eine sein, die neben
modernen Forschungs- und Lehrmethoden auch gute Studienbedingungen
für Menschen aus allen Gesellschaftsbereichen, unabhängig von
Herkunft, Alter und finanzieller Situation bietet", so Kraus, Atasoy
und Rückert abschließend.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | OHW






