• 26.09.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Was Frank Stronach heute nicht sagen wird - von Esther Mitterstieler

Das Recht liegt nicht per se auf der Seite des Geldes

Utl.: Das Recht liegt nicht per se auf der Seite des Geldes=

Wien (OTS) - Heute ist es also so weit: Frank Stronach steigt in den
politischen Ring und wird sein Programm und seine weitere
Vorgangsweise verkünden. Einiges davon hat er am 17. September schon
im WirtschaftsBlatt angekündigt, darunter eine Flat Tax, die das
Wirtschaftswachstum fördern soll. Die Strukturen will der
Austrokanadier ebenfalls verschlanken: Nicht einzusehen, dass es in
so einem kleinen Land 22 Sozialversicherungsträger plus den
Hauptverband gibt, meint Stronach. Wo er recht hat, da hat er recht.

In Sachen Euro ist Stronach schon zurückgerudert. Jedem einzelnen
Land würde er seinen eigenen Euro geben, mit entsprechend flexiblen
Wechselkursen. Wenn das nichts werden sollte, dann will Stronach den
Schilling zurück. Drei Viertel der Unternehmen sind dagegen. Und sie
sind nicht von den bösen Machterhaltern zu ihrer Meinung gezwungen
worden. Dafür spricht ganz einfach die ökonomische Bilanz seit
Österreichs EU-Beitritt.

Den offiziellen Eintritt Frank Stronachs in die österreichische
Politik hat das WirtschaftsBlatt dazu genützt, sich seine
unternehmerischen Tätigkeiten der vergangenen 20 Jahre in Österreich
genauer anzuschauen (siehe Seiten 2 und 3). Das Ergebnis ist
durchwachsen: Stronach hat in 20 Jahren zwei Milliarden Euro
investiert und 145 Millionen Euro gespendet. Zählt man die rund 100
Millionen Euro, die er noch in den Fußball gesteckt hat, hinzu, ist
es ein wahrer Spendenregen.

13.500 Menschen sind in den verschiedenen Unternehmen des
Neo-Politikers beschäftigt. Das Magna Racino war ein ökonomisches
Desaster, was Stronach aber kaltlässt, weil er sich das Pferdesport-
und Eventzentrum auch als privates Hobby leistet. Besonders am Herzen
liegen ihm die Menschen: Er hat Jobs geschaffen und will daher mehr
als viele Theoretiker wissen, die das nicht gemacht haben. Da hat
Stronach unrecht. Das Recht liegt nicht per se auf der Seite des
Geldes.

Stichwort Geld: Stronach versteuert sein Vermögen nur zu einem
geringen Teil in Österreich. Er liefert dem österreichischen Fiskus
eine Million Euro. Das mag legitim sein; politisch klüger wäre es,
das Geld zur Gänze hierzulande zu versteuern, tritt Stronach doch für
Wahrheit, Transparenz und Fairness ein. Wie immer das Revival der
kanadischen "Let's be Frank"-Partei aus den 80er-Jahren aussehen
wird, Stronach wird Österreichs Politik - wenn auch möglicherweise
nur kurzfristig - verändern. Ob die Wirtschaft ihm vertrauen kann,
ist die Frage. Schließlich braucht diese nicht Wirtschaftspopulismus,
sondern Langzeitperspektive.

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