WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die AUA braucht rasch klare Verhältnisse - von Günter Fritz

Es ist wichtig, dass die AUA ihre vorhandenen Chancen nutzt

Wien (OTS) - Am Donnerstag beginnen bei der AUA die Wahlen des neuen Betriebsrats für das fliegende Personal; kommende Woche sollte das Ergebnis feststehen. Das ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil die Wahlen vor dem Hintergrund des umstrittenen Betriebsübergangs von AUA zu Tyrolean stattfinden, gegen die der bisherige Betriebsrat und die Gewerkschaft Klagen eingebracht haben. Noch ist offen, wie die Verfahren ausgehen werden, seitens des Managements wird aber betont, dass die Airline ohne Betriebsübergang keine wirtschaftliche Zukunft habe. Tatsächlich wird die AUA heuer wieder schwarze Zahlen schreiben, was aber in erster Linie mit bilanziellen Sondereffekten aufgrund des Betriebsübergangs zu tun hat. Laut CEO Jaan Albrecht soll aber ab 2013 nachhaltig Gewinn geschrieben werden -vorausgesetzt, die Kosteneinsparungen durch die Zusammenführung der bislang getrennten Flugbetriebe von AUA und Tyrolean können wie geplant auf Dauer gehoben werden. Dafür braucht es nicht nur Rechtssicherheit, sondern auch einen neuen Konzern-Kollektivvertrag für Piloten und Flugbegleiter. Und über diesen muss mit dem Betriebsrat verhandelt werden. Da er vom Management nicht mehr anerkannt wird, hängt alles vom neuen ab. Als Problem könnte sich allerdings herausstellen, dass bei den Wahlen vier Listen antreten -drei von der AUA, eine von Tyrolean. Entscheidend wird sein, wer künftig die Macht im Betriebsrat haben und welche Linie in den KV-Gesprächen vertreten wird. Es ist zu hoffen, dass es klare Verhältnisse geben, auf beiden Seiten die Vernunft siegen und ein tragfähiger Konzern-KV zustande kommen wird. Für die AUA geht es nämlich weiter ums Überleben - auch wenn sich inzwischen die Situation vielleicht etwas beruhigt hat. Das Wettbewerbsumfeld für die Luftfahrtbranche, speziell für die europäische, ist nach wie vor hart, und neben steigenden Kerosinpreisen und Gebühren drücken Billigfluglinien und die Konkurrenz aus den Golfstaaten auf die Margen. Gleichzeitig ist klar: Die Luftfahrt ist weiter eine Wachstumsbranche, was nicht zuletzt die aktuelle Studie im Auftrag des Airline-Verbands IATA untermauert. In Österreich sind die Passagierzahlen seit 2000 um mehr als 60 Prozent gestiegen; bis 2030 wird in Europa eine Verdoppelung der Nachfrage nach Luftverkehrsdienstleistungen prognostiziert. Schon jetzt sind 75.000 Jobs von der Luftfahrt abhängig, die Wertschöpfung beträgt 4,6 Milliarden Euro. Ohne AUA würde diese Bilanz viel schlechter aussehen - deshalb ist es so wichtig, dass die AUA möglichst rasch wieder Aufwind bekommt und ihre vorhandenen Chancen nützt.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt Medien GmbH
Tel.: 0043160117-305
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0002