• 21.09.2012, 12:35:55
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Ethikunterricht - OTS Stellungnahme Freidenkerbund vom 21.9.12

Dr. Gerhard Engelmayer, Vorsitzender FDBÖ
(freidenker.at)

Wien (OTS) - Der Vorsitzende der Freidenker Österreichs, Dr. Gerhard
Engelmayer, begrüßt die Initiative der Plattform "Ethik für alle" in
einer Aussendung und kündigt den Beitritt zur Plattform an. Der
Freidenkerbund (www.freidenker.at) ist Österreichs größte und
traditionsreichste laizistische Organisation und feiert dieser Tage
mit österreichischen Spitzen-Kabarettisten beim Laizistengipfel OPEN
MIND SUMMIT an der Uni Wien sein 125 Jähriges Bestehen.
Religion ist für die Freidenker eine sehr persönliche Sache, um die
Traditionen der Familie zu pflegen, keineswegs etwas, was in den
öffentlichen Raum gehört und schon gar nicht in die Schule, womit
Feindbilder kreiert statt abgebaut werden (wie eine Direktorin aus
der Leopoldstadt im ORF klagte).

Diese Privatangelegenheit kostet der Öffentlichkeit hunderte
Millionen, eine Subvention der Religionen, die im Religionsunterricht
neue Mitglieder "rekrutiert" und für die Erstkommunion vorbereitet.
Einwände wie der Verweis auf das Konkordat schmälern nicht die
Berechtigung des Anliegens, sondern zeigen nur auf, wie verfahren die
Situation ist und wie schwierig es sein wird, hier eine für die
säkulare Gesellschaft tragbare Lösung zu finden.

Die Schule hat auch andere - dem Religionsunterricht zuwider
laufende - Ziele: Sowohl BV-G Art 14 (5a) als auch SchOG §2 (1)
zielen auf eine Befähigung der Schüler zum "selbstständigen Urteil".
Das kann am besten über "selbstständiges Denken" bzw. "kritische
Reflexion", also gerade über das Gegenteil von Gläubigkeit, erreicht
werden. Im Interesse des Staates kann es nur liegen, den jungen
Menschen zu einem kritischen, selbständig denkenden Staatsbürger zu
erziehen. Dadurch schlüpft er aus der Rolle des Stimmviehs in eine
Rolle des mündigen, klug entscheidenden Bürgers, um als Souverän vom
Populismus möglichst unbeeinflusste, gute Entscheidungen zu fällen.
Dr. Engelmayer: "Religion lehrt das Fürchten und nicht das Denken!"

Ähnlich bei der Moral: Die Aufgabe des Staates wäre es auch, eine
einheitliche Ethik für alle auf Basis der letzten Erkenntnisse der
Menschheit zu etablieren, nicht auf Basis von vor 3000 Jahren,
ähnlich wie unsere heutigen Hygienevorschriften für
Fleischverarbeitung nicht aus der Bibel stammen, sondern aus der
Feder der besten dafür qualifizierten Wissenschafter. Bei neuen
Fragestellungen wie Präimplantationsdiagnostik passiert dies bereits.

Aber trotz der zweifelsfreien Berechtigung der Anliegen ist es
derzeit nicht realistisch, von einer Abschaffung des
Religionsunterrichtes auszugehen. Wir sind daher (in Orientierung am
Berliner Lebenskundeunterricht) für einen Ethikunterricht im Sinne
der Plattform "Ethik für alle", der muss für alle Schüler
verpflichtend und allen Religionen gegenüber fair sein und diese
gleich behandeln, und dieser Unterricht braucht im Fach ausgebildete
Pädagogen, aber keinesfalls Religionslehrer. Die Lehrpläne müssten
von den Verbänden erstellt oder begutachtet werden.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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