- 19.09.2012, 17:48:36
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NÖ Ärztekammer kündigt Disease Management Programm Diabetes Typ 2
Medizinischer Nutzen nicht nachweisbar - finanzielle Mittel dort einsetzen, wo sie definitiv Verbesserungen für Patienten bringen
Utl.: Medizinischer Nutzen nicht nachweisbar - finanzielle Mittel
dort einsetzen, wo sie definitiv Verbesserungen für Patienten
bringen=
Wien (OTS) - Die Kurienversammlung der NÖ Ärztekammer hat mit
heutigem Tag mehrheitlich beschlossen, das Disease Management
Programm für Altersdiabetes (Diabetes Mellitus Typ 2 - Therapie
aktiv) zum nächstmöglichen Termin Ende September zu kündigen. "Die
Evaluierung des Projektes hat genau das bestätigt, was alle
verfügbaren Studien belegen: Es ist kein medizinischer Nutzen
ableitbar", so Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer.
Der Vorstand der NÖ Ärztekammer hatte bereits im Herbst 2009
entschieden, das Projekt zu beenden. Anschließende Gespräche mit
NÖGUS und NÖGKK hatten jedoch zu Verbesserungen geführt, so dass im
Frühjahr 2010 die Fortführung beschlossen werden konnte. "Diese
Optimierungen waren jedoch nicht ausreichend, um das Interesse der
Patienten- und Ärzteschaft an diesem Projekt zu steigern und
medizinische Verbesserungen zu erwirken", so MR Dr. Dietmar
Baumgartner, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in
Niederösterreich.
90 Prozent der Ärzte versorgen 90 Prozent der Diabetiker ohne
fix vorgegebene Behandlungspfade
Im Rahmen des Projektes wurde nur ein Bruchteil aller
Diabetikerinnen und Diabetiker von ebenfalls einer Minderheit aller
Ärztinnen und Ärzte betreut. "Wir haben intern lange diskutiert, ob
wir dieses von Verwaltung geprägte Projekt weiterführen sollen.
Ausschlaggebend für die Entscheidung im Sinne der Patientinnen und
Patienten war jedoch eine Absage an die Tendenz zur Zerstückelung von
Einzelfächern, wonach zukünftig nur noch so genannte "Spezialisten"
bestimmte, im ärztlichen Beruf elementare Behandlungen durchführen
dürften, wenn sie nach den Vorgaben der politischen Führung vor allem
in Bürokratie nachweislich zertifiziert geschult wurden", so MR Dr.
Baumgartner weiter.
Der Großteil der Diabetespatientinnen und -patienten wird und
wurde auch ohne das DMP-Projekt von den Ärztinnen und Ärzten schon
immer sehr gut und vor allem auf ihre individuellen Bedürfnisse
ausgerichtet durch ihre Krankheit begleitet. "Die Forderung der
Ärztekammer nach neuen Leistungen im Kassenvertrag dieses
Krankheitsbild betreffend wurde hingegen ständig abgeblockt."
Knappe finanzielle Mittel dort einsetzen, wo sie nachweisbar
medizinischen Nutzen bringen
Gerade im hausärztlichen Bereich sollten die Ärztinnen und Ärzte
aus Sicht von Präsident Dr. Reisner das anwenden dürfen, was zu den
elementaren Grundlagen ihres Berufs gehört. "Dies gehört im
Kassenvertrag verankert und nicht in einer als Qualitätssicherung
getarnten Bürokratisierung und Zugangsbeschränkung für Patientinnen
und Patienten." Diese "Checklistenmedizin" hatte eine breite
Ablehnung der Ärzteschaft zur Folge, obwohl für die Abwicklung sogar
ein zusätzliches Honorar aus einem Topf abseits des Kassenvertrages
gezahlt wurde.
"Und genau das können wir als Ärztekämmerer und auch als
verantwortungsvolle Staatsbürger nicht unterstützen: Wenn
Budgetmittel im Gesundheitssystem vorsätzlich für Verbürokratisierung
ohne medizinischen Nutzen verwendet werden, dann führt das in letzter
Konsequenz zur Verknappung des medizinischen Leistungsangebots. Wir
Ärztinnen und Ärzte in Niederösterreich stehen hingegen für
medizinisch effiziente, von möglichst schlanker Verwaltung
begleiteter Diabetesbehandlung für alle Patientinnen und Patienten
durch alle Ärztinnen und Ärzte. Und daher erteilen wir dem
DMP-Projekt eine Absage", so MR Dr. Baumgartner abschließend.
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