• 17.09.2012, 18:30:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wut in Zeiten des Machtvakuums - von Hans Weitmayr

Die Muskelspiele in drei Welthauptstädten kommen zur Unzeit

Utl.: Die Muskelspiele in drei Welthauptstädten kommen zur Unzeit=

Wien (OTS) - Wütende Menschenmengen stürmen in China Autohäuser
japanischer Hersteller, die Regierungen in Peking und Tokio schicken
Kriegsschiffe aus, und US-Präsident Barack Obama bringt eine neue
WTO-Beschwerde gegen die Volksrepublik ein. Dass es dieser Tage an
vielen Fronten zu aggressiveren Grundtönen kommt, liegt zu einem
großen Teil daran, dass sich die beiden größten Volkswirtschaften der
Welt, die USA und China, in einem Machtvakuum befinden.

Im opaken Peking verschwindet mitten im Rahmen der aktuell
stattfindenden Machtübergabe der neue starke Mann für einige Tage
spurlos - dass er wieder aufgetaucht ist, beruhigt zwar, die Sache
lässt aber trotzdem ein paar nervöse Beobachter zurück -, in den USA
tritt der Wahlkampf in die entscheidende Phase. An Regieren wird in
einer solchen Situation logischerweise nicht gedacht, stattdessen
versucht man mithilfe einer ausländischen Reibefläche noch den einen
oder anderen Prozentpunkt an Wählerschaft für sich zu gewinnen.

Das kommt natürlich alles zur Unzeit. Gerade eben hat Europa
zumindest den Willen zur Selbstrettung gezeigt, da verunsichert
unnötiges Muskelspiel in drei großen Welthauptstädten einmal mehr
Anleger, Investoren und Bürger. Das ist nicht weiter problematisch,
wenn es sich im Fall der USA nur um Wahlkampfgetöse, in China um ein
Zeichen des Übergangs handelt.

Problematisch wird es, wenn sich die Lage weiter destabilisiert.
Diese Gefahr droht vor allem aus konjunktureller Richtung. Zwar
könnte sich Europa mit dem neu eingeschlagenen Kurs von der Gefahr
eines unmittelbaren Euro-GAUs befreit haben. Doch eine Lösung wird
sich nicht über Nacht einstellen und Europa klebt immer noch in der
Nähe einer Rezession - wenn es nicht schon in eine solche eingetreten
ist. Das bedeutet, dass die Kontaminierungseffekte für China nach wie
vor bestehen. Zwar in geringerem Maße, aber immerhin.

Folglich wird der wirtschaftliche Druck in und auf China weiter
zunehmen, womit eine möglicherweise schwache Führung in Peking über
längere Zeit dazu verleitet werden könnte, sich über einen Konflikt
mit Japan zu profilieren und auf diese Weise die Bevölkerung hinter
sich zu scharen.

Dass dies nicht ohne Risiko für das Regime selbst ist, eine solche
Entwicklung zu einem unkontrollierbaren, innerchinesischen
Selbstläufer werden könnte, weiß man in Peking besser als an jedem
anderen Ort der Welt - entsprechend hat man die Übergriffe bereits
kommentiert. Zu hoffen bleibt, dass sich alle Akteure der wahren
Probleme des aktuellen Umfeldes gewahr werden und sich bald
entsprechend mäßigen.

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