- 17.09.2012, 10:05:14
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: So eine Krise könnte es ruhig öfter geben - von Hans-Jörg Bruckberger
Die Börsen liegen heuer bereits deutlich im Plus
Utl.: Die Börsen liegen heuer bereits deutlich im Plus=
Wien (OTS) - Wenn Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks an
einem Strang ziehen und sogar deutsche Verfassungsrichter mitspielen,
kann nur Gutes für die Märkte herauskommen: Auf die Draghi-Rally vor
eineinhalb Wochen folgte Erleichterung darüber, dass der
Eurorettungsschirm ESM in Karlsruhe praktisch durchgewunken wurde,
und zuletzt goss auch noch Fed-Chef Ben Bernanke Öl ins wieder
entfachte Kursfeuer.
Apropos Feuer: Die Notmaßnahmen der Krisenfeuerwehr funktionieren
also, doch ist der Brand damit auch endgültig gelöscht?Das wird sich
weisen. Staatliche Interventionen zu kritisieren ist einfach, die
Realität sieht dann aber doch oft anders aus. Wer hätte etwa gedacht,
dass der US-Steuerzahler bei AIG schon jetzt wieder mit Gewinn
aussteigt (siehe S. 17)?
Die Erholung der Börsen ist jedenfalls keine nur kurzfristige: Die
Finanzmärkte stehen nicht nur auf Sicht von ein, zwei Wochen
hervorragend da; seit Jahresbeginn liegen praktisch alle wichtigen
Leitindizes der Welt im Plus. Mehr noch: DAX und S&P 500 haben schon
jetzt mehr als das Doppelte dessen an Rendite eingefahren, was man
als normal bezeichnet.
Sieben, acht Prozent gelten als im langfristigen Schnitt realistische
Jahresrendite am Aktienmarkt. Der S&P 500 hat Anlegern bis dato aber
bereits mehr als 17 Prozent Total Return gebracht, der DAX gar 24
Prozent (siehe S. 14).
2012 war bislang also ein überdurchschnittlich gutes Jahr - trotz
neuerlicher Konjunkturflaute, Sorgen um China und der
Weltuntergangsstimmung in Europa. Fast würde man sich als Anleger
solche Krisen jährlich wünschen - jedenfalls sofern man mit
zwischenzeitlichen Turbulenzen und Rücksetzern leben kann.
Selbst die längerfristige Betrachtung ist gar nicht mehr so
furchtbar. Im Gegenteil: Dem DAX fehlen keine neun Prozent mehr auf
das Allzeithoch aus dem Jahr 2007, einer historischen Boomphase. Im
Dow Jones sind es nicht einmal fünf Prozent, und die Technologiebörse
Nasdaq ist sogar längst über ihr Vorkrisenhoch hinausgeschossen,
liegt zehn Prozent darüber
Nicht schlecht für eine historische Krise, die zunächst den
(US-)Finanzsektor und dann ganze Staaten in Europa erfasste - und die
immer wieder mit der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre verglichen
wurde. Damals hat es bis 1954 gedauert, also 25 Jahre, bis das Hoch
aus dem Jahr 1929 zurückerobert war. Zugegeben, dazwischen lag ein
Weltkrieg, aber der hat ja gerade in den USA auch
konjunkturstimulierend gewirkt.
Die Welt ist seither jedenfalls globalisierter, effizienter und
schneller geworden - was zumindest in Sachen Krisenbewältigung kein
Fehler ist.
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