• 10.09.2012, 11:04:00
  • /
  • OTS0098 OTW0098

WirtschaftsBlatt Leitartikel: USA vs. EU: Transatlantische Kalamitäten - von Hans-Jörg Bruckberger

Amerika spielt ein falsches Spiel, Europa leider mit

Utl.: Amerika spielt ein falsches Spiel, Europa leider mit=

Wien (OTS) - Bei aller Wertschätzung für die Vereinigten Staaten,
ihre wirtschaftliche Power und die durchaus charmante
Anpacker-Mentalität: Einige Dinge müssen kritisch hinterfragt, manche
sogar scharf verurteilt werden. Uncle Sam spielt seine Spielchen mit
Good Old Europe. Und greift dabei gerne in die Trickkiste. Ein
beliebter Kniff von Zauberern ebenso wie Trickbetrügern ist schlicht
und einfach Ablenkung. Auf der großen Bühne der Finanz- und
Wirtschaftspolitik schaut das so aus: Die ganze Welt blickt auf
Europa, das kleine Griechenland wird zum Thema Nummer eins.

Dazu die Sorgen um Spanien, Italien, Portugal. Die werden dann auch
noch von den Finanzmärkten in Form von hohen Renditen für
Staatsanleihen fertiggemacht. Diese wiederum, nämlich die
Finanzmärkte, sind fest in US-amerikanischen, jedenfalls
angelsächsischen Händen. Und siehe da - Abrakadabra: Plötzlich kräht
beinahe kein Hahn mehr nach der hohen Verschuldung Amerikas (diese
hat gerade den Rekord von 16 Billionen US-$ überschritten - rund
51.000 $ je Einwohner!) und die konjunkturellen Troubles
Großbritanniens sind nur noch Randnotizen im internationalen
Newsflow.

Dort dominieren die Euro-Untergangsszenarien. Vonseiten der Banken
und Analysten werden diese übrigens vorzugsweise von angelsächsischen
Instituten unters Volk gebracht. Apropos: Merrill Lynch plant nach
einem Zusammenbruch Griechenlands Lkw-Ladungen voll Bargeld nach
Athen zu schicken, um Mitarbeiter und Geschäftspartner bezahlen zu
können. Das schrieb die - amerikanische - New York Times. Europäische
Medien haben diese dankbare Story natürlich brav übernommen und teils
groß darüber berichtet (das WirtschaftsBlatt bewusst nicht). Die Lkw
voller Geld rollen - symbolisch gesprochen - doch schon seit Jahren,
und zwar über die US-Highways...

Schade, dass solche Taschenspielertricks so einfach durchgehen. Da
müssen sich die Europäer schon auch an die eigene Nase fassen.
Freilich fehlt es hier oft auch an der einschlägigen Expertise. Die
Finanzwelt spricht nun einmal Englisch - von den Ratingagenturen bis
zu den großen Banken. JP Morgan hält allein Derivate im Wert von 70
Billionen $. Zum Vergleich: Das weltweite BIP hat sich 2011 auf 69,7
Billionen $ belaufen, jenes der USA liegt bei rund 15 Billionen. So
viel zum Thema "Too big to fail". Wer zahlt, schafft nun mal an.
Trotzdem oder auch gerade deshalb: Weltverschwörer aller Länder
vereinigt euch! Enough is enough - oder besser gesagt: Genug ist
genug.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel