- 07.09.2012, 17:00:32
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"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter "Gegen alle Ängste: Wir verbessern Österreich"
Gejammert wurde genug - ab sofort sammeln wir Vorschläge für Reformen.
Utl.: Gejammert wurde genug - ab sofort sammeln wir Vorschläge für
Reformen.=
Wien (OTS) - Kann es sein, dass in Österreich das Leben der Menschen
stärker von Angst bestimmt wird, als in anderen, vergleichbaren
Ländern? Überall ist sie zu spüren, die Angst vor Veränderung, die
Angst vor Fremden, die Angst vor Wohlstandsverlust, die Angst vor
gesellschaftlichem Abstieg, die Angst der Politik vor ein paar
Boulevardschreibern ...
Vielleicht sind diese Ängste mit Blick auf unsere Geschichte
erklärbar. Kaiser Karl V. rühmte sich, in seinem Reich würde die
Sonne nie untergehen. Das stimmte trotz der neuen Besitzungen auf
dem amerikanischen Kontinent zwar nicht, aber die Ausdehnung des
Habsburgerreiches hatte ihren zerbrechlichen Höhepunkt erreicht.
Dann teilte sich das Herrscherhaus in zwei Linien und die Habsburger
waren von allen Seiten bedrängt, von den Osmanen, den Franzosen und
natürlich den Preußen. Nach dem ersten Weltkrieg waren wir dann ein
"Rest", den keiner wollte. Und ein Staat, der nicht an sein Überleben
glaubte.
Erst nach 1945, nach Weltenbrand und Holocaust entstand langsam
ein Österreich-Bewusstsein, mit Zeichen und Symbolen, an die wir uns
umso mehr klammern, umso weniger wir davon wissen. Die Neutralität
haben wir zwar selbst beschlossen, obwohl sie keiner wollte. So
wurden wir die Besatzungsmächte los. Heute hängt unser Herz an der
Neutralität und wir haben Angst, dass sie uns jemand wegnimmt.
Obwohl die Verwaltung des kleinen Österreich nach dem verlorenen
Krieg im Jahr 1918 nur noch wenige Beamte benötigte, bewahrte man
Titel, Strukturen und Abläufe. Andere mögen Reformen machen, die
Österreicher sind glücklich, wenn sich wenig verändert.
Besser machen Aber die Globalisierung und die Verschiebung der
wirtschaftlichen Macht aus dem Westen in den asiatischen Raum lassen
keinen Platz für den Blick zurück. Noch haben wir in Europa die
wertvollen Marken, nach denen die neuen Mittelschichten Chinas
gieren, aber die Produktion wandert schon Richtung Osten. Umgekehrt
gehen aufstrebende Asiaten in die USA, wo noch immer die besten Unis
stehen. In Afrika investieren die Chinesen, bei der Energie sind wir
im Würgegriff der Russen. Was bleibt für Europa?
Der Wohlstand in Österreich ist jedenfalls nicht mehr
selbstverständlich. Aber mit Ängsten kommen wir nicht weiter. Mit
neuen Ideen, besseren Schulen, eine effizienten Verwaltung aber
schon. Darum geht es dem KURIER mit einer großen Aktion: "Wir
verbessern Österreich." Wir - das sind nicht die Redakteure des
KURIER - wir, das sind Sie, die Leserinnen und Leser. Ihre Ideen für
Verbesserungen bei der Bildung, im Gesundheitssystem, in Wirtschaft
und Politik wollen wir in den nächsten Monaten sammeln und mit
Experten diskutieren. Am Ende wollen wir ein Papier erarbeiten, das
wir der Bundesregierung und dem Parlament vorlegen wollen. Jammern
war gestern - jetzt sind die Leserinnen und Leser am Wort. Gemeinsam
verbessern wir Österreich. (Erste Vorschläge Seiten 19-21)
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