Welche konkreten Sachzwänge sprechen für ein Berufsheer?

Wo bleiben die gesamtstaatlichen Zielsetzungen?

Wien (OTS) - Eine Feuerwehr im Einsatz: die Hausfrau, die Landwirtin, der Busfahrer, der Büroangestellte, der Gemeindebedienstete - lauter "Profis"? Nein, aber für bestimmte Funktionen ausgebildete Feuerwehrangehörige! Eine Baufirma: der angelernte Helfer, der Lehrling, der Maurer, der Polier, der Baumeister. Also alles "Profis"? Mitnichten, denn keine Baufirma kann sich lauter Profis leisten, will sie wirtschaftlich arbeiten.
Wenn man diese Beispiele bisher bekannten Argumenten für ein Berufsheer gegenüberstellt, könnte man auch zur Ansicht gelangen, dass die Behauptung "Profis können alles besser und kosten gleich viel" nicht zwingend stimmen muss.

Betreffend Katastrophenhilfe stellt sich vor allem die Frage, was die betroffenen Menschen bei Katastrophen erwarten? Mehr Profis oder mehr helfende Hände, die unter Anleitung von Profis gezielt arbeiten? Die Antwort lautet: rasche und effektive Hilfe durch viele Hände, die anpacken, und Profis, die den Einsatz gut organisieren. Das haben auch die Bewohner der jüngsten Katastrophengebiete beim Einsatz des Bundesheeres erleben können und dankbar angenommen. Natürlich braucht man auch entsprechendes Gerät und die dafür ausgebildeten Spezialisten. Aber selbst beim Bau von (herkömmlichen) Brücken braucht man mehr Hände als Spezialisten. Das kommt auch im Kurier-Newsletter vom 01.09.2012 deutlich zum Ausdruck: Rekruten, die stolz darauf sind, unter Anleitung ihrer Kommandanten (also Berufssoldaten und daher Profis) geholfen und sogar Brücken errichtet zu haben. Sie haben zu ihrem erlernten Beruf zusätzliches Wissen und Können erlangt. Genau das wird ihnen und anderen später in vielen Situationen nützlich sein.

Gerade beim Thema Katastrophenhilfe darf der Wehrdienst nicht auf die reine Aktivzeit und einzelne Statistiken reduziert werden. Im Wehrdienst werden den Wehrpflichtigen Fähigkeiten vermittelt (z. B. Leben im Felde, Durchhaltefähigkeit), die auch die persönliche Selbsthilfefähigkeit erhöhen und somit einen Beitrag zur Erhöhung der gesamtgesellschaftlichen Resilienz darstellen. Diverse Prognosen gehen davon aus, dass die Zahl von Großkatastrophen in naher Zukunft steigen wird (Blackouts, Klimakatastrophen, etc.) und dass diese immer weniger mit der reinen organisierten Hilfe zu bewältigen sein werden. Jeder Einzelne muss seinen Beitrag zur Schadensbewältigung leisten können. Es ist daher völlig falsch, diese Schulung durch die Wehrpflicht jetzt aufs Spiel zu setzen. Unabhängig davon ist eine Diskussion zu führen, welche Ausbildungsinhalte den jungen Menschen generell zu vermitteln sind. Dazu muss die Politik aber endlich klare Ziele vorgeben - eine Wehrpflichtdiskussion ohne Entscheidung, welche Fähigkeiten das Österreichische Bundesheer in Zukunft erbringen muss (Stichwort Sicherheitsstrategie), ist unseriös und unverantwortlich!

Die IGBO rät daher allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, sich von Scheinargumenten, praxisfeindlichen Vorstellungen oder unvollständigen Statistiken nicht bluffen zu lassen. Wie bei Pyramidenspielen oder vergleichbaren Geschäften sollte man die Argumente hinterfragen und für sich prüfen, ob das Versprochene überhaupt möglich ist. Macht man dies nicht besteht bekanntlich die Gefahr, dass man alles verliert.

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