Debatte über Wehrpflicht: Milizchef erhebt schwere Vorwürfe gegen Darabos

Der Verteidigungsminister "plant die stückweise Abschaffung des Bundesheeres"

Wien (OTS) - Schweres Geschütz fährt der Präsident der Bundesvereinigung der Milizverbände Michael Schaffer gegen Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) auf. "Darabos ist ein Totengräber der Landesverteidigung", sagte er gestern in der ATV-Diskussionssendung "Am Punkt". Der Verteidigungsminister habe in den letzten Jahren "das Heer an die Wand gefahren" und "plant mit der Berufsheervariante, die wirklich ein Hazardmodell ist, die stückweise Abschaffung des Bundesheeres", so der Milizchef. Auf die Frage von Moderator Meinrad Knapp, welches Interesse Darabos an einem Ende des Berufsheeres haben solle, antwortete Schaffer: "Das hat offensichtlich ideologische Gründe." Der SPÖ warf er vor, sie betreibe mit ihrer Kampagne für die Abschaffung der Wehrpflicht und der Einführung eines Berufsheeres "schäbigen" Populismus.

Schaffer sprach sich erneut vehement für die Beibehaltung der Wehrpflicht in Österreich aus: "Ein Berufsheer besteht aus Bediensteten, Beamten, die jedes Monat bezahlt werden, und ein Berufsheer ist immer zu groß, wenn man es nicht braucht, und immer zu klein, wenn man es braucht. Und deshalb hat sich das Mischsystem (aus Berufssoldaten, Wehpflichtigen und Milizsoldaten) in Österreich bewährt." An den SPÖ-Plänen für ein Berufsheer (Schaffer: "Die Schwindelmodelle des Herrn Darabos") und auch an Berufssoldaten im Allgemeinen ließ er in "Am Punkt" kein gutes Haar: "Berufssoldaten neigen zum Kadavergehorsam, zum vorauseilenden Gehorsam. Es wäre ja sonst nicht möglich, dass fast das ganze Ressort sich das alles bieten lässt, es ist in diesen letzten Jahren alles schlechter geworden, das Heer steht vor einem Kollaps. Wir haben zur Zeit vielleicht 4.000 Soldaten, die diesen Namen verdienen, obwohl das Heer 25.000 Bedienstete hat."

Heftigen Widerspruch erntete Schaffer vom Militärexperten Gerald Karner. Besonders verwahrte sich der Ex-Brigadier in "Am Punkt" gegen die Kritik an den Berufssoldaten. Karner warf Schaffer, aber auch der ÖVP, mit Blick auf die geplante Volksbefragung zum Wehrdienst Unsachlichkeit vor: "Mir schwant für die nächsten Monate Übles, dass der Bevölkerung Argumente vorgegaukelt werden, die keine sind. Ich kenne jedenfalls kein einziges wirklich überzeugendes Argument in der aktuellen strategischen Lage für die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht. Sie können zum Beispiel den Katastrophenschutz auch mit einem Berufsheer natürlich gewährleisten."

Auch hinsichtlich der Debatte über den Zivildienst kritisierte Karner die ÖVP: "Die Frage Zivildienst Ja oder Nein ist von der ÖVP in früheren Jahren ganz anders gesehen worden als jetzt, ich sage nur Stichwort 'Drückeberger'. Und jetzt muss plötzlich der Zivildienst dafür herhalten, dass es die Wehrpflicht gibt. Das verstehe ich überhaupt nicht."

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