• 03.09.2012, 19:36:33
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Europa ist nicht fit für die weltweite Konkurrenz" (von Ernst Sittinger)

Ausgabe vom 04.09.2012

Utl.: Ausgabe vom 04.09.2012=

Graz (OTS) - Hätte es noch eines Beweises für die düsteren
Wirtschaftsaussichten der nächsten Zeit bedurft, dann wurde er
erbracht: Die Arbeitslosigkeit ist im August wieder deutlich
gestiegen, und extrem stark sind die Leiharbeiter betroffen. Sie
sind Frühindikator für die Konjunktur, weil sie als Erste gehen
müssen, wenn die Auftragsbücher leer bleiben.

Unser Land muss sich also auf sozial schwierige Zeiten einstellen.
Im Verein mit der ungelösten Euro-Krise ist die hohe
Arbeitslosigkeit ein politisch hochexplosiver Zündstoff. Denn bisher
ist es mit äußerster Not gelungen, das ungeliebte Projekt "Euro" mit
dem Hinweis zu verteidigen, dass Österreich als Exportnation stark
von der Währungsunion profitiert. Die Hilfszahlungen an schwache
Euro-Länder wurden gewissermaßen mit unseren Exporterfolgen und den
dadurch gesicherten Arbeitsplätzen gegengerechnet.

Wenn jetzt der Job-Markt fühlbar nachgibt, bricht diese
Argumentationskette zusammen. Übrig bleibt dann nur das Argument,
dass die Probleme ohne Währungsunion noch größer wären. Immerhin ist
Österreich noch immer das Euro-Land mit der im Vergleich geringsten
Arbeitslosigkeit. Ein schwacher Trost!

Tatsächlich hat Europa in den letzten zwei Jahrzehnten kein Konzept
gegen die schleichende Deindustrialisierung gefunden. Hohe
Umweltauflagen, unnötige Bürokratiekosten und fehlende eigene
Rohstoffe bedrohen massiv die Basis unseres Wohlstands. Dazu hat
sich die Gerechtigkeitsdebatte gedreht: Politisch kann man heute
keine "Entlastung" der Unternehmer mehr durchsetzen, weil sie
ohnedies als halbkriminelle Steuerflüchtlinge gelten. So ziehen die
tatsächlich ungerechten "Gestaltungsmöglichkeiten" der globalen
Spieler auch grundsolide Kleinunternehmen in Mitleidenschaft.

Das Versprechen, künftig als reine Dienstleistungsgesellschaft zu
bestehen, bleibt Illusion. Europa und Österreich brauchen viel
bessere Bildung, es muss ein Ruck der Verantwortung durch Lehrer-
und Elternschaft gehen. Facharbeiter müssen wieder Lesen, Schreiben
und Rechnen können. Ältere und Arbeitslose brauchen Hilfe beim
Ausloten schlummernder Potenziale. Der Schulungswahnsinn beim
Arbeitsmarktservice müsste durch Befähigung zum Selbstmanagement
ersetzt werden.

Anti-Euro-Populisten haben das Glück, sich um diese Zusammenhänge
nicht kümmern zu müssen. Wer aber auch künftig eine stabile
Gesellschaft will, der möge sich betroffen fühlen - auch wenn er
scheinbar einen "bombensicheren" Arbeitsplatz hat.****

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PKZ

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