• 03.09.2012, 17:45:20
  • /
  • OTS0205 OTW0205

Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Tiefpunkt mit F"

Ausgabe vom 4.9.12

Utl.: Ausgabe vom 4.9.12=

Wien (OTS) - Die Zores der Volkspartei lenken derzeit zu stark von
den
Freiheitlichen ab. Es ist zu fürchten, dass dies nach diesem
Spindelegger-Auftritt im ORF auch so bleibt. Zu Unrecht, denn was
sich aktuell in Klagenfurt abspielt, ist ungeheuerlich. Und Heinz
Christian Strache, der sich ja in ganz Österreich um Wähler bemüht,
befürwortet das ganze auch noch.

Also: Kurt Scheuch sagte, dass die "Sozis" das Grab Jörg Haiders
"mit dreckigen Füssen" zertrampeln - und sie vom Wähler "mit
Verachtung" zu strafen seien.

So tief war es schon lange nicht, es war aber beileibe noch nicht
alles. Der "Kleine Zeitung" wurde einfach unterstellt, dass sie Geld
von Frank Stronach nahm für ein Interview. Und der
Korruptions-Staatsanwalt wird angepatzt als "Grün-Agigator". Die
Kärntner Landesregierung (vermutlich nur deren FPK-Mitglieder) wurde
als "letzter Hort gegen übermächtige Gegner" dargestellt. Das ist
Propaganda, die man aus den 1930er Jahren kennt.

Die Freiheitlichen überschreiten damit die Außengrenze des
demokratischen Universums - von Anstand ist ohnehin längst keine
Rede mehr.

Zu den Worten gesellen sich Taten: Mit einer beschämenden
Charakterlosigkeit flüchten sie aus Sitzungen des Landtages, um
Neuwahlen noch heuer zu verhindern. Am 3. März 2013 wollen die
Freiheitlichen wählen. Warum aber nicht gleich? Nun, weil sie
hoffen, dass beim Wähler in den kommenden sechs Monaten das
Propaganda-Trommelfeuer, das ohnehin alle Falotten sind, wirkt - und
sie sich behaupten als Falotten, die man bereits kennt.

Der nach Kärnten entsandte Wolfgang Waldner erfuhr am Tag seiner
Angelobung, wofür er als Landesrat zuständig sein wird. Die FPK
räumte ihm die wesentlichen Agenden ab - fürs Geldverteilen will sie
selbst zuständig sein. Dass ein ÖVP-Politiker davor ein so großes
Ressort verwaltete, fiel nicht weiter auf - die vormalige ÖVP
Kärnten war wenig mehr als ein Wurmfortsatz der Freiheitlichen. Mit
Wolfgang Waldner geht das nicht - flugs ist er Kompetenzen los.

Soweit also die demokratische Reife der Freiheitlichen. Dass Strache
das Treiben nicht nur wohlwollend beobachtet, sondern auch heftig
verteidigt, zeigt, wie die Republik aussehen würde, wenn er
Regierungsverantwortung hätte. Und da ist vom wirtschaftlichen
Desaster noch gar nicht gesprochen worden . . .

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWR

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel