• 03.09.2012, 12:30:32
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Phänomen Blitz - Internationale Blitzschutzexperten tagen in Wien

Pressegespräch anlässlich der ICLP 2012, 31st International Conference on Lightning Protection, in Wien

Das einzigartige Blitzfoto zeigt drei
Aufwärtsblitze, die während der 6 Sekunden Belichtungszeit vom
Milleniumtower, Donauturm und IZD-Tower in Wien auftraten.

Utl.: Pressegespräch anlässlich der ICLP 2012, 31st International
Conference on Lightning Protection, in Wien=

Wien (OTS) - Bis zu 24.000 Personen sterben jährlich weltweit durch
Blitzschlag, 240.000 werden verletzt - so lauten die Schätzungen von
Blitzexperten, denn exakte Zahlen sind nicht verfügbar. Überlebende
eines Blitzunfalls tragen sehr oft bleibende Schäden davon: Bei etwa
einem Drittel der Blitzopfer sind Verbrennungen festzustellen. Die
häufigsten und gravierenderen Folgen sind jedoch Störungen des
Nervensystems einschließlich des Gehirns, führte Professor Mary Ann
Cooper, University of Illinois, Chicago (USA), am 3. September 2012
in Wien aus.

Die Notfallmedizinerin und Spezialistin für die medizinische
Behandlung von Blitzunfallopfern und deren Spätfolgen ist eine von
über 300 Blitzschutzexpert/innen, die an der 31. ICLP, der
International Conference on Lightning Protection, teilnehmen. Von 2.
bis 7. September 2012 tagt die internationale
Blitzforschungs-Community an der Technischen Universität Wien. Dr.
Gerhard Diendorfer, Leiter des heimischen Blitzortungssystems ALDIS
und international anerkannter Blitzforscher, ist es gelungen, diese
seit 1951 bestehende Konferenz nach 54 Jahren wieder nach Wien zu
holen.

Die Erfindung des Blitzableiters im 18. Jahrhundert

Seit Benjamin Franklin 1752 erste Versuche mit Papierdrachen
machte, um die Wirkung von Blitzen zu erforschen, ist der
Wissensstand rund um das Phänomen Blitz - konkret über
Blitzentladungen und ihre Auswirkungen genauso wie über Maßnahmen
des Blitzschutzes - enorm gewachsen. Allerdings sind nach wie vor
einige Fragen ungelöst. "Die ICLP organisiert daher alle zwei Jahre
eine internationale Konferenz und bietet Blitzforscher/innen aus der
ganzen Welt eine einzigartige Informations- und
Kommunikationsplattform", betonte Professor Farhad Rachidi-Haeri,
Präsident des Scientific Committee der ICLP.

Herausforderungen an den Blitzschutz steigen

Die heute geforderte hohe Verfügbarkeit bei gleichzeitig
zunehmender Empfindlichkeit der elektronischen Geräte stellt immer
wieder neue Anforderungen an den Blitzschutz. Eine Woche lang
präsentieren nun Wissenschaftler aus aller Welt in mehr als 230
Fachvorträgen aktuelle Forschungsergebnisse zum Phänomen Blitz. Im
Mittelpunkt der 31. Internationalen Blitzschutzkonferenz in Wien
steht unter anderem der Blitzschutz von Personen und Gebäuden bzw.
von kritischen Infrastruktureinrichtungen, wie Eisenbahnen,
Energieversorgungsnetzen bis hin zu den Raketenstartrampen am
Kennedy Space Center.

Kritische Infrastrukturen erfordern komplexen Schutz

"Der Blitzschutz für moderne Betriebsgebäude oder technische
Anlagen, wie Windkraft- und Umspannwerke, Photovoltaik- oder
Bahnanlagen und dgl., ist wesentlich komplexer auszuführen als die
den meisten Menschen als Blitzableiter bekannten Metalldrähte, die
vom Dach über die Hausmauern in die Erde führen. Dienen diese
Blitzableiter primär dem Brand- und Personenschutz, erfordern
technische Einrichtungen einen umfassenden Überspannungsschutz,
damit die empfindlichen elektronischen Komponenten bei direktem oder
nahem Blitzschlag nicht zerstört werden und somit ausfallen. Welches
Risiko von Blitzschlägen ausgeht, haben in Österreich zum Beispiel
die durch Blitzschlag lahmgelegte Franz-Josefs-Bahn oder die
zerstörte Radaranlage 'Goldhaube' des österreichischen Bundesheeres
in den letzten Monaten gezeigt", informierte Gerhard Diendorfer,
Chair der ICLP 2012 in Wien.

Besondere Maßnahmen für die Energieversorgung

Professor Mario Paolone, der an der École Polytechnique Fédérale
de Lausanne (Schweiz) im Bereich des Blitzschutzes von
Energieversorgungssystemen forscht, ergänzte: "Gerade die stetig
steigende Energiegewinnung aus erneuerbaren Energien und der Schutz
der dafür verwendeten Anlagen stellen enorme Herausforderungen an
den Blitzschutz dar. Schließlich zählt Blitzschlag zu den
Hauptursachen für Stromausfälle. Der Schutz von
Hochspannungsleitungen respektive der von den Energieunternehmen
geforderten "Supergrids" oder auch der naturgemäß exponierten
Windturbinen bedingt völlig neue Schutzkonzepte und -systeme."

ALDIS-Blitzmessungen am Gaisberg als Basis für weltweite
Blitzforschung

Um einen optimalen Schutz gegen Blitzschäden zu dimensionieren,
muss jedoch zunächst erfasst werden, mit welchen Ladungen oder
Stromstärken bei einem direkten oder nahen Blitzschlag zu rechnen
ist. "Die seit Jahren von ALDIS-Mitarbeitern durchgeführten direkten
Blitzstrommessungen am Sender Gaisberg bei Salzburg leisten einen
wesentlichen Beitrag dazu", strich OVE-Präsident Dr. Franz Hofbauer
hervor. Der OVE, der Österreichische Verband für Elektrotechnik,
Betreiber von ALDIS und Organisator der 31. ICLP in Wien, folgt
damit seinem Gründungsziel, Sicherheitsmaßnahmen zur Verhütung von
Personen- und Sachschäden zu treffen - ein Ziel, welches knapp 130
Jahre nach der Gründung nach wir vor hohe Aktualität aufweist.

Über ALDIS:

ALDIS (Austrian Lightning Detection and Information System) ist
ein Gemeinschaftsprojekt von OVE, Siemens und der Austrian Power
Grid AG zur Blitzortung und Blitzdokumentation im
zentraleuropäischen Raum und liefert exakte Blitzdaten an
Wetterdienste, Energieversorgungsunternehmen, Versicherungen und
Sachverständige. ALDIS ist darüber hinaus weltweit anerkannte
Blitzforschungsstelle. Forschungsergebnisse werden in renommierten
Fachzeitschriften und bei internationalen Konferenzen präsentiert.
Mit dem für jedermann nutzbaren Gewitterinformationsdienst ALDIS
mobile (www.m.aldis.at) liefert ALDIS einen Beitrag zur Reduktion
des Blitzrisikos.

Über den OVE:

Der Österreichische Verband für Elektrotechnik (OVE)
repräsentiert alle Bereiche der Elektrotechnik und
Informationstechnik und vertritt die Interessen seiner Mitglieder
sowie der gesamten Branche auf nationaler und internationaler Ebene.
Seine Kerngebiete sind die elektrotechnische Normung, die
Zertifizierung, die Blitzortung und Blitzforschung sowie die
fachliche Aus- und Weiterbildung. Der OVE ist der offizielle
österreichische Vertreter bei IEC und CENELEC, den internationalen
und europäischen Normungsorganisationen für die Elektrotechnik. Der
OVE steht für die Förderung der Wissenschaft, die Vertretung des
Berufsstandes des Elektrotechnikers und für die Sicherheit von
elektrotechnischen Anwendungen. Die Aktivitäten seiner
Fachgesellschaften dienen dem Erfahrungsaustausch, dem Aufbau von
Expertennetzwerken und der Imagebildung.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM /
Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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