- 28.08.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Eitelkeit hat an der Börse nichts verloren - von Hans-Jörg Bruckberger
Haselsteiner soll sich ein Beispiel an Andritz-Boss Leitner nehmen
Utl.: Haselsteiner soll sich ein Beispiel an Andritz-Boss Leitner
nehmen=
Wien (OTS) - Die jüngste Coverstory des WirtschaftsBlatt hat viel
Staub aufgewirbelt. In einem Exklusivinterview hat Strabag-Boss
Hans-Peter Haselsteiner laut über ein Delisting, also einen Rückzug
von der Börse, nachgedacht. Der mächtige Bauunternehmer und
Großaktionär ist mit der Entwicklung des Aktienkurses unzufrieden.
Er könne diese einfach nicht verstehen. Das hat Haselsteiner in der
Vergangenheit schon öfter gesagt. Auch im
WirtschaftsBlatt-Sommergespräch 2011. Inzwischen hat der Baukonzern
freilich Gewinnrückgänge vermeldet, womit die schwache
Kursentwicklung der letzten Monate in sich schon mal schlüssig ist.
Generell hat der Markt bekanntlich immer recht, jedenfalls
längerfristig. Der Finanzmarkt ist zu effizient, als dass sich
Anleger "Geschenke" nachhaltig entgehen lassen würden. Dass eine
Strabag bereits zwei Drittel ihres IPO-Wertes von 47 Euro verloren
hat und seit drei Jahren nicht nachhaltig über 20 Euro hinauskommt,
hat natürlich einen Grund. Das IPO wurde 2007 auf den letzten
Drücker vor der Finanzkrise durchgezogen, als die Börsen noch im
Hoch waren. Und selbst für damalige Verhältnisse war die Aktie
vergleichsweise teuer. Argumentiert wurde das mit der großen Ost-
und somit Wachstumsfantasie. Davon ist nicht mehr viel übrig: Der
Konzern erwirtschaftet nach wie vor den Großteil der Umsätze in
Westeuropa, mehr als die Hälfte allein in Österreich und
Deutschland. Fünf Jahre nach dem Börsegang ist die Strabag ein
stinknormaler europäischer Baukonzern. 2007 haben die Banken für
2009 einen Gewinn je Aktie von rund 2,9 Euro in Aussicht gestellt,
geworden sind es nur 1,42 Euro und die 2,9 Euro sind selbst heute
noch in weiter Ferne (2011 waren es 1,75 Euro). Genau deshalb ist
die Aktie zurecht auch keine 47 Euro mehr wert.
Für Haselsteiner war der Börsegang (und der davor erfolgte Einstieg
von Oleg Deripaska) jedenfalls ein gutes Geschäft. Und sein Konzern,
der vor den Kapitalmaßnahmen aus 2007 relativ hohe Schulden und
bescheidene Cash-Reserven aufwies, steht heute finanziell gut da.
Was man von den Anlegern, die der Strabag die Treue hielten, nicht
behaupten kann. Ihnen hat Haselsteiner mit seinem
Delisting-Kommentar einen weiteren Bärendienst erwiesen, die Aktie
war gestern der größte Verlierer im ATX. Tritt Haselsteiner
neuerlich den Rückzug an (es wäre ja nicht das erste Delisting der
Strabag), so würde ihnen jede Chance auf eine Erholung genommen.
Lieber sollte auch ein Hans-Peter Haselsteiner die Befindlichkeiten
der Börsianer ernst nehmen, begreifen, dass man gemeinsam noch viel
erreichen kann und weder Gier, noch gekränkte Eitelkeit gute
Ratgeber sind.
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