• 27.08.2012, 13:07:56
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AK zum Immigrationsland Österreich: Staatssekretär muss echte Integrationshilfe statt nur symbolischer Politik leisten

5-Punkte-Paket soll sozialen Zusammenhang stärken - Unternehmen müssen Kenntnisse anerkennen und bezahlen statt nach immer neuen Fachkräften zu rufen

Utl.: 5-Punkte-Paket soll sozialen Zusammenhang stärken -
Unternehmen müssen Kenntnisse anerkennen und bezahlen statt
nach immer neuen Fachkräften zu rufen=

wien (OTS) - Österreich ist schon seit langem ein
Einwanderungsland. Fast jeder Fünfte, der in Österreich arbeitet und
Steuern zahlt, hat Eltern, die nicht in Österreich geboren sind.
"Zur Einwanderung gehört einerseits die Bereitschaft sich zu
integrieren und andererseits aber auch die Anerkennung der
Leistungen und der Kenntnisse und Fertigkeiten der Zuwanderer und
Zuwanderinnen", sagt der Leiter der AK Arbeitsmarktabteilung Josef
Wallner. "Hier sind die Unternehmen, aber auch die Politik
gefordert. Integration gelingt dann, wenn die Beschäftigten nicht
gegeneinander ausgespielt werden, wenn die Sprache erlernt wird und
Lohndumping verhindert wird." Die AK fordert deshalb ein
5-Punkte-Programm für faire Chancen und mehr sozialen Zusammenhalt.
Dazu gehört eine auf die persönliche Situation von ZuwanderInnen
zugeschnittene Beratung und ergänzende Bildungs- und
Weiterbildungsangebote für alle Beschäftigten. Außerdem braucht es
ein scharfes Vorgehen gegen Lohn- und Sozialdumping. Das Schulsystem
muss allen Kindern gleiche Chancen bieten. Von
Integrationsstaatssekretär Kurz erwartet die AK, dass er statt
bloßer symbolischer Politik auch einige zentrale
Integrationsprojekte zu Ende bring. Dazu gehört auch, dass er für
die notwendige Finanzierung sorgt. Die Forderung nach dem freien
Arbeitsmarktzugang von Bachelors aus Drittstaaten wird wenig
bringen. Denn generell haben Bachelors in Österreich es schwer, eine
adäquate Beschäftigtung finden. Stattdessen sollte er besser Gelder
zur Verfügung stellen, um die Anerkennung der Ausbildung von
zugewanderten AkademikerInnen zu erleichtern, die derzeit trotz
Master- oder Doktorgrad keine adäquate Anstellung finden.

Rund 1,5 Millionen Menschen, deren Eltern im Ausland geboren
sind, leben in Österreich. Die meisten, rund 600.000, kommen aus den
alten EU-Staaten. Viele sprechen mehrere Sprachen, ein großer Teil
ist sehr gut ausgebildet. Aber ZuwanderInnen sind auch
über-durchschnittlich oft von Arbeitslosigkeit betroffen. Jeder
dritte Beschäftigte mit ausländischen Wurzeln wird unterhalb seiner
Qualifikation beschäftigt und bezahlt. "Die Wirtschaft fordert immer
wieder die Anwerbung neuer Fachkräfte, statt den oft gut
ausgebil-deten ZuwanderInnen, die bereits bei uns leben, eine Chance
zu geben", so Wallner.

Deutschkenntnisse gelten als Um- und Auf einer gelungenen
Integration: Aus einer Studie der AK zu den sprachlichen Fähigkeiten
von ZuwanderInnen geht hervor: Wer in der zweiten Generation im
Lande ist, betrachtet Deutsch längst als seine Alltagssprache. Zwei
Drittel der ZuwanderInnen können fließend Deutsch, sowohl
schriftlich wie mündlich. Weitere 14 Prozent können fließend Deutsch
sprechen. Nahezu alle verwenden die deutsche Sprache im
Arbeitsleben, oft ergänzend zu weiteren Sprachen. "Trotzdem muss
hier noch mehr getan werden, auch um die Sprachkompetenz der
ZuwandererInnen etwa in Türkisch zu nutzen, auch im
Wirtschaftsleben", sagt Wallner.

Die AK fordert deshalb Bund, Länder und Gemeinden sowie die
Unternehmen zu mehr Anstrengungen in der Integrationspolitik auf und
präsentiert ein 5-Punkte-Programm:

+ Etwa 20 Prozent der MigrantInnen in Wien bringen akademische
Abschlüsse mit, kön-nen diese aber oft nicht verwerten, da ihre
Abschlüsse nicht anerkannt werden oder die Anerkennung, insbesondere
die Nostrifikation akademischer Abschlüsse ein komplizierter
Hürdenlauf durch verschiedene Behörden und Ministerien ist. Deshalb
muss ähnlich wie schon in Deutschland oder den Niederlanden eine
zentrale Anlaufstelle für Anerkennung und Nostrifikation
ausländischer Abschlüsse geschaffen werden. Für informelle
Qualifki-kationen braucht es ein Zertifizierungssystem, das
Kenntnisse und Fähigkeiten anerkennt und dazu ergänzende Wege zu dem
in Österreich anerkannten berufsqualifizierenden Abschluss aufzeigt.
Das hilft MigrantInnen und NichtmigrantInnen.

+ Wer neu ins Land kommt, verliert zu viel Zeit mit
Orientierungsversuchen auf dem Ar-beitsmarkt. Mit maßgeschneiderten
"Integrationspaketen" sollte jeder Zuwanderer und jede Zuwanderin
ein individuell passendes Beratungspaket erhalten mit Information
über Österreich, eine individuelle Kompetenzanalyse und einen
Qualifikations-und Eingliede-rungspfad in den Arbeitsmarkt. In
Bundesländern wie Wien gibt es dazu bereits viele Hilfen, was fehlt
ist aber eine österreichweite flächendeckende und standardisierte
Ver-sorgung.

+ Mehr für Bildung und Weiterbildung: Über 40 Prozent der
MigrantInnen gegenüber 12 Prozent bei NichtmigrantInnen waren seit
2000 zumindest einmal arbeitslos. Das hängt auch mit ungenügenden
Weiterbildungsangeboten zusammen, die zudem zersplittert (AMS, VHS,
WAFF,ÖIF) und daher nicht effektiv genug sind. Das Bildungssystem,
aber auch das AMS, müssen entsprechende berufliche
Weiterbildungsangebote ausbauen. Von Kindergarten über die Schulen
muss es mehr Sprachförderung geben. Die wichtigs-ten
MigrantInnensprachen wie etwa Serbisch/Bosnisch/Kroatisch und
Türkisch sollten als zweite Fremdsprache in den Schulen eingeführt
werden.

+ Frauen mit Migrationsghintergrund sind doppelt benachteiligt:
36 Prozent der Migran-tinnen üben eine Hilfstätigkeit aus. Damit
Familie und Beruf, aber auch die Weiterbildung für den
(Wieder-)Einstieg in einen Beruf für sie möglich werden, braucht es
mehr Ange-bote für eine ganztägige Kinderbetreuung.

+ Wenn fast jeder dritte Beschäftigte mit Migrationshintergrund
unter der von ihm erwor-benen Qualifikation eingesetzt wird, führt
das zu Lohndumping. Denn von vielen wird eine höherwertige Leistung
gefordert, aber nicht bezahlt. Um Lohn- und Sozialdumping zu
verhindern, muss das bestehende Lohn- und Sozialdumpinggesetz
konsequent ange-wandt werden. Unterentlohnung durch Betriebe ist
kein Kavaliersdelikt.

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