- 27.08.2012, 10:14:48
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Schulanfang nicht leistbar - Arme Eltern, schlechte Chancen?
Diakonie fordert Reform von Schulstartgeld wie Schülerbeihilfe - und ruft zur Akuthilfe am Schulbeginn auf.
Utl.: Diakonie fordert Reform von Schulstartgeld wie Schülerbeihilfe
- und ruft zur Akuthilfe am Schulbeginn auf.=
Wien (OTS) - "Ein guter Start am Schulanfang wird sich für viele
Kinder heuer nicht ausgehen", warnt der Sozialexperte der Diakonie
Österreich, Martin Schenk. 135.000 Kinder und Jugendliche gelten als
manifest arm. Und über 200.000 Kinder leben in äußerst beengten
Verhältnissen, wo sie mit großer Wahrscheinlichkeit zu wenig Platz
zum Spielen und Arbeiten haben, außerdem keinen eigenen
Schreibtisch.", weist Schenk auf schlechte Startbedingungen für
viele Kinder am Schulanfang hin. "Der eigene Platz zum Lernen, sich
zu konzentrieren ist ein Faktor, der in den OECD-Bildungsstudien als
wichtiger Indikator für Lernerfolg beschrieben wird", so Schenk."*
"Zunehmend klagen Eltern über die oft nicht mehr leistbaren
Beiträge, die ihnen zu Schulbeginn abverlangt werden. Ein einfaches
Startpaket für einen Schulanfänger bestehend aus Schultasche,
Sportbeutel, Heften, verschiedenen Stiften, Handarbeitskoffer,
Malfarben kostet 100 bis 300 Euro", beschreibt Claudia Röthy,
Geschäftsführerin der Stadtdiakonie Wien, die schwierige Situation.
Dazu kommen noch je nach Schulstufe und Schultyp Beiträge wie
Kopierkosten, Milchgeld, Abos für Jugendliteratur, Projekt- und
Wandertage, Elternvereinsbeiträge und vieles mehr.
"Damit Zukunft nicht von der Herkunft abhängt, braucht es
Hilfestellungen am Schulstart genauso wie einen Bildungsweg, der
nicht sozial selektiert, sondern individuell fördert," betont
Sozialexperte Schenk. "Wichtig wäre auch, Schulen in sozial
benachteiligten Bezirken oder Regionen besonders gut auszustatten
und zu fördern, damit sie für alle Einkommensschichten attraktiv
bleiben."
Zwt: Reform des Schulstartgelds, SchülerInnenbeihilfe und
Schulveranstaltungen
"Dringend reformbedürftig" sind die Geldleistungen, die
SchülerInnen aus einkommensschwachen Elternhäusern unterstützen
sollen, so die Diakonie.
Da ist einmal das Schulstartgeld. Das ist in jedem Bundesland
anders geregelt, in drei Bundesländern gibt es gar keines: nicht in
der Steiermark, in Niederösterreich und nicht in Vorarlberg. Der
Betrag liegt zwischen 29 und 158 Euro, es gibt unterschiedlichste
Anspruchsvoraussetzungen (Einkommen, Schulstufe, Status),
unterschiedlichste Antragstellen und unterschiedlichste
Antragsfristen. Für all den Wirrwarr gibt es keine sachlichen
Gründe. Was fehlt, ist ein einheitliches Schulstartgeld für
armutsbetroffene Kinder bundesweit, klare Antragstellungen und klare
Anspruchsvoraussetzungen.
Auch die SchülerInnenbeihilfe ist dringend reformbedürftig. Sie
sollte ein Beitrag für sozialen Ausgleich sein, eine Hilfe für
Kinder aus einkommensschwachen Familien: das bedeutet, sie stärker
an den positiven Abschluss und nicht an den Notendurchschnitt zu
koppeln (für gute Noten gibt es so und so einen eigenen
Erhöhungsbeitrag). Weiters muss die Auszahlung auch die 9.Schulstufe
erfassen, gerade hier gibt es hohe Kosten im Ausbildungsjahr - und
die Ausbildungsentscheidung steht an. Die Inanspruchnahme ist ein
weiteres Problem. Die Schülerbeihilfe ist seit den 1970er Jahre
nicht mehr reformiert worden.
Ähnliche Probleme gibt es bei den Finanzierungshilfen für
Schulveranstaltungen: Kein Rechtsanspruch, in der Regel überaus
niedrige Einkommensgrenzen, Hohe Non-take-up Rate
(Nichtinanspruchnahme), Sicherstellung der Information an potentiell
anspruchsberechtigte Eltern.
Für die Geldleistungen steht also 1. die Verbesserung des Zugangs
und der Inanspruchnahme an: Information, bürgerfreundlich und nicht
beschämend. 2. die Verfahrensqualität: "Good governance",
grundrechtsorientiert und bundeseinheitlich. Und 3. die Dotierung:
z.B. in einem Schulausgleichsfonds.
Zwt: Aktion Schulanfang: Schulsachen für Kinder armer Eltern
Zur Akuthilfe für Kinder, deren Eltern sich den Schulstart nicht
leisten können, hat die Stadtdiakonie Wien ein Spendenkonto
eingerichtet. " Alle Schülerinnen und Schüler sollen gleiche Chancen
und Möglichkeiten haben", so Claudia Röthy abschließend.
Aktion Schulanfang Stadtdiakonie Wien Kt.Nr: 207477417,
Raiffeisen BLZ 32 000
(*Quelle: Statistik Austria 2011)
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