- 26.08.2012, 19:42:43
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"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Romneys größter Feind ist die eigene Partei" (Von Nina Koren)
Ausgabe vom 27.8.2012
Utl.: Ausgabe vom 27.8.2012=
Graz (OTS) - Rechtsruck der Republikaner könnte ihn den Sieg
kosten.
Dass sein seit Monaten vorbereiteter pompöser Krönungs-Parteitag
in Florida gleich zu Beginn vom Winde verweht wird, ist für Mitt
Romney sicher enttäuschend. Dennoch ist "Isaac", der Wirbelsturm,
derzeit noch das geringste Problem des Republikaners. Sein echtes
heißt Todd Akin und ist nur jüngstes Beispiel für den übel
riechenden Gegenwind, der Romney in der eigenen Partei entgegenweht
und ihm das Mega-Spektakel zu verderben droht. Verkorkst,
frauenfeindlich, egomanisch: Die Grand Old Party gibt derzeit ein
klägliches Bild ab. Abtreibungsgegner Akin lieferte den Demokraten
mit abstrusen Aussagen über "echte" und "unechte" Vergewaltigungen
Wahlkampf-Munition. Seine Thesen schafften es bis ins
Parteiprogramm, das in Tampa abgesegnet werden soll: Dem neuen
Entwurf zufolge wünschen sich die Republikaner, dass Abtreibungen
auch Frauen verboten sein sollen, die Opfer von Vergewaltigung oder
Inzest wurden. Die Frauen-Verbände laufen Sturm, glücklich sind
dagegen die Schießwütigen: Die liberalen US-Waffengesetze sollen
nach Republikaner-Doktrin auch nach den jüngsten Amokläufen bleiben
wie sie sind. Dienlich ist Romney der Rechtsruck seiner Partei
sicher nicht: Die US-Polit-Landschaft ist hochgradig polarisiert.
Die überwiegende Mehrheit der Wähler ist ohnehin bereits jetzt
eindeutig der einen oder der anderen Seite zuzuordnen. Die
Entscheidung, wer künftig im Weißen Haus sitzen wird, fällt in der
Mitte. Romneys Versuche, seine Partei genau dorthin zu führen, sind
vorerst gescheitert. Zu einem guten Teil allerdings auch an ihm
selbst: Dass er den ideologischen Hardliner Paul Ryan zu seinem
Vize-Kandidaten machte, war ein Signal in die andere Richtung - der
hilflose Versuch, die Unterstützung des rechten Flügels seiner
Partei zu erflehen, der dem Mormonen Romney weiterhin misstraut.
Dabei sollte man meinen, die Republikaner hätten mit Obamas offenen
Flanken genügend andere, erfolgversprechendere Themen, an denen sie
sich festbeißen könnten. Trotz aller Bemühungen erwarten Experten im
vierten Jahr in Folge ein Budgetdefizit über der wahlkampftechnisch
magischen Grenze von mehr als einer Billion Dollar. Die Wirtschaft
erholt sich nur unter Mühen, die Arbeitslosigkeit liegt weiter über
acht Prozent - auch das ein Wert, mit dem noch kein Präsident
wiedergewählt wurde. Wenn Romney ins Weiße Haus will, muss ihm in
Florida ein Themenwechsel gelingen. Andernfalls wird es ihn auch am
Wahltag verblasen. ****
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