• 23.08.2012, 18:15:32
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der komplizierte Umgang mit den Studien - von Esther Mitterstieler

Die Methoden der Europakritik sind oft leider nicht angemessen

Utl.: Die Methoden der Europakritik sind oft leider nicht angemessen=

Wien (OTS) - Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich die
Geschichte auch in der Wirtschaft wiederholt: Da gab es im Jahr 2008
wenige Wochen vor dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman
Brothers ein überzeugtes Triple A der großen Ratingagenturen. Wo
haben diese sogenannten Experten hingeschaut? Wohl nicht nur auf die
Zahlen. Dann war Österreich mit einer dunklen Vorahnung der
Ratingagenturen im April 2009 konfrontiert. Grundtenor: Das Land
habe aufgrund des hohen Ost-Exposures seiner großen Finanzinstitute
ein massives Problem. Auch Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman
stimmte in den Chor der Kassandras mit ein.

Und nun wieder ein schönes Beispiel, wie man die Menschen auch in
wohlhabenden Ländern wie Österreich verrückt machen kann: Da legt
die Schweizer Großbank UBS eine nicht eben wissenschaftlich
eindeutig erprobte Studie vor, die besagt: Die Österreicher haben
seit dem EU-Beitritt bis zu 35 Prozent ihres Gehalts eingebüßt. Und
der Boulevard und die Parteien, die immer schon wussten, dass wir
eigentlich ein kleines, autarkes Österreich nicht nur im Energie-,
sondern auch im Währungsbereich werden sollten, haben wieder
Hochkonjunktur. Nach dem Motto: Wir haben es immer schon gewusst,
dass der kleine Mann für alle anderen geradestehen muss. Vor allem
für die Fehler der Politiker.

Es gab Kritik der Industriellenvereinigung gleich nach dem
Erscheinen der Studie, dass der Wahrheitsgehalt derselben ein
überschaubarer ist. Zu sehr haben heimische Wirtschaft und Industrie
vom EU-Beitritt profitiert. Auch heute noch - mit Wolken am
Konjunkturhimmel - bleibt die Exportquote mit etwas mehr als 56
Prozent vergleichbar hoch - was zu Wohlstand geführt bzw. ihn stabil
gehalten hat. Das sagen die Schweizer Banker nicht. Auch der
renommierte Chefökonom der Bank Austria, Stefan Bruckbauer, hat
vorgerechnet: Die Gehälter sind höchstens um 1,5 Prozent geschwunden
- ein doch maßgeblicher Unterschied zu den von UBS genannten 35
Prozent.

Man kann zu Europa stehen, wie man will; bevor man die
Populismuskeule schwingt, sollte man aber auch Für und Wider
bestimmter Studien einordnen. Schon Winston Churchill glaubte nur
den Statistiken, die er selber gefälscht hat bzw. fälschen ließ, wie
er launig von sich gab. Europa und seine Einheit immer wieder
infrage zu stellen, ist legitim. Allein: Die Methoden sollten
angemessen sein. Das ist derzeit leider sehr oft nicht der Fall.
Bitte zu berücksichtigen: Zu Tode gejammert ist auch gestorben.

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